2000 - Schöne Handschriften und Frühdrucke

Exponate, Schöne Handschriften und Frühdrucke, 2000

2000 - Schöne Handschriften und Frühdrucke aus der Klosterregion Höxter/Paderborn
Ausstellung aus den Beständen der Erzbischöflichen Akademischen Bibliothek Paderborn, Kloster Dalheim vom 28. Juli - 14. August 2000

Anlässlich der ersten "Klostertagung", die gemeinsam von der Historischen Kommission für Westfalen und dem Lehrstuhl für Bistumsgeschichte an der Theologischen Fakultät Paderborn veranstaltet wurde, zeigte die EAB aus ihren Beständen Handschriften und Drucke aus Klöstern des Paderborner Landes.

Die Texte zu den Exponaten

Inhaltsübersicht

1. Corvey
2. Abdinghof
3. Böddeken / Dalheim
4. Paderborn, Jesuiten
5. Paderborn, Kapuziner und Franziskaner
6. Frauenklöster: Willebadessen, Wormeln

 

1. CORVEY

Mit dem Namen Corvey verbinden sich in buch- und bibliotheksgeschichtlicher Hinsicht zunächst die großen Leistungen des Corveyer Skriptoriums in den ersten beiden Jahrhunderten. Buchkunst und -malerei erreichen in dieser Zeit in der Tat den Höhepunkt. Das hatte auch großen Einfluß auf die Klosterbibliothek, die es von Anfang an bis zur Aufhebung des Fürstbistums Corvey gegeben hat. Für die Entwicklung der Bibliothek waren in der frühen Zeit einige große Bücherschenkungen bedeutsam wie etwa die des Hofkaplans Ludwigs des Frommen, Gerold, der eine "magnam copiam librorum" (eine große Menge Bücher) dem Kloster übereignete. Danach gibt es für den Rest des Mittelalters kaum noch irgendwelche Zeugnisse aus der Bibliothek, abgesehen von ganz vereinzelten Höhepunkten wie etwa zur Zeit des Abtes Wibald Mitte des 12. Jahrhunderts. Das späte Mittelalter verdient in Corvey in der Tat das Prädikat "dunkel". Dieses Dunkel dauerte auch noch in die Neuzeit hinein. Zäh wurde über die Aufnahmebedingungen in die Bursfelder Reformkongregfation verhandelt, was schließlich erst 1501 geschah. Leider sind heute nur noch sehr wenige Bände aus dieser Bibliothek vorhanden, die im Dreißigjährigen Krieg fast völlig zerstört wurde. Einige Handschriften kamen infolge der Reformation auch aus der Bibliothek des ehemaligen Klosters Bursfelde an der Weser, das sich durch die Reformanstöße der benediktinischen "Bursfelder Kongregation" seit Mitte des 15. Jahrhunderts verdient gemacht hat. Die Corveyer Bibliothek blühte im 18. Jahrhundert noch einmal auf, wurde dann aber nach der Säkularisation weitgehend zerstreut. Vor allem die Universitätsbibliotheken Bonn und Marburg erhielten Bücher aus Corvey. Etliche Bände kamen aber auch in die Dechaneibibliothek Höxter, der Rest blieb in Corvey und wurde in den Besitz der Pfarrei übernommen. 1975 wurde die Corveyer Pfarrbibliothek der Akademische Bibliothek als Depositum übergeben.

 

Corveyer Evangeliar, um 840, Nordfrankreich (Corbie?), Pergament, 189 Bll., 27,5 x 20,4 cm. Signatur: Ms. Hux 21a.

Das Evangeliar darf als herausragendes Zeugnis für den hohen Stand der Buchkunst um 840 in Corbie gelten. Auf welchen Wegen es nach Corvey gelangte, ist unbekannt. Jedoch waren seit der Gründung und dem Aufbau Corveys 815/822, an dem maßgeblich der Abt Adalhard und der Mönch Wala von Corbie beteiligt waren, die Beziehungen der beiden Klöster sehr eng.

Das Schriftbild des Evangeliars ist geprägt von der klaren Form der karolingischen Minuskel, die aus der Schriftreform im Zuge des kulturellen Aufschwungs unter Karl dem Großen (karolingische Renaissance) hervorging. Den Evangelientexten voran gehen in den meisten Evangeliaren die sogenannten Kanontafeln. Im Corveyer Exemplar sind sie in unterschiedlichen Farben als Arkadenbögen gestaltet. Sie stellen in insgesamt 10 Kanones eine Art Synopse dar für die in den vier Evangelien enthaltenen Parallelstellen und gliedern die Evangelientexte in sinnvolle Abschnitte für den liturgischen Ge-brauch. Die alle Säulen umspannende Bogenarchitektur soll die Einheit der neutestamentlichen Evangelien und ihrer Botschaft veranschaulichen.

Lit.: Liturgica Paderbornensia. 1000 Jahre liturgische Buchkunst im Erzbistum Paderborn. Paderborn 1989, Nr. 13. – Manuscripta pretiosa & Incunabula illuminata. Detmold 1995, 13-16. - 799. Kunst und Kultur der Karolingerzeit. Karl der Große und Papst Leo III. in Paderborn. Ausstellungskatalog. Paderborn 1999, 848-850 (XI. 40, M. Hermes) - Hinz, Ulrich: Handschriftencensus Westfalen. Wiesbaden 1999, 265 (hier auch weitere Literatur).

 

Hirsauer Konstitutionen, um 1090, vermutlich Süddeutschland (vermutlich Hirsau), Pergament, 92 Bll. 23,5 x 17 cm. Signatur: Ms. Hux 25.

Um die Mitte des 11. Jahrhunderts wurde das Benediktinerkloster Hirsau neu gegründet. 1069 wurde Wilhelm von St. Emmeran (Regensburg) als Abt berufen. Rund zehn Jahre später führte er die cluniazensische Lebensform ein und schrieb hierfür die Hirsauer Konstitutionen. Sie zielen auf ein streng reglementiertes Leben. Breiten Raum nehmen die liturgischen Vorschriften und die Bestimmungen über die Klosterämter ein. Hirsau wirkte als monastisches Reformkloster auf rund 120 andere Klöster ein. Zu einem zentralen Verband (Kongregation) wie etwa bei der Reform durch Cluny kam es jedoch nicht.

In Corvey sind Reformbestrebungen unter Abt Markwart (1082-1107) nach Hirsauer Vorbild erkennbar, über die in den Pegauer Annalen zum Jahr 1101 berichtet wird: "Zu jener Zeit blühte die strenge Ordensdisziplin, die nach der Hirsauer Vorschrift sich überall schon in lobenswerter Weise verbreitete, vor anderen sächsischen Klöstern in der königlichen Abtei Corvey...". So dürfte die vorliegende Handschrift, die um 1090 wohl in Hirsau entstanden ist, bald darauf nach Corvey gekommen sein, um den Reformen Ziel und Struktur zu geben. Am Schluß des Textes befindet sich eine Art Vertrag (pactio) zwischen den Klöstern Hirsau und Corvey, der mehr als eine einfache Gebetsbruderschaft war, sondern eben den Anschluß Corveys an die Hirsauer Reform beinhaltete.

Lit.: Honselmann, Klemens: Corvey als Ausgangspunkt der Hirsauer Reform in Sachsen. In: Westfalen 58 (1980), 70-81. - Hoffmann, Hartmut: Urkunden und Bücher aus Helmarshausen und Corvey. Hannover 1992, 65 f. - Heinzer, Franz: Buchkultur und Bibliotheksgeschichte Hirsaus. In: Hirsau. St. Peter und Paul 1091-1991. Teil II. Stuttgart 1991, 271 f. – Hinz, Ulrich: Handschriftencensus Westfalen. Wiesbaden 1999, 266.

 

Testamentum Vetus, 12. Jahrhundert, Pergament, 225 Bll., 35,2 x 23,3 cm, zwei Spalten. Signatur: Ms. Hux 23a.

Dieses Alte Testament ist eines der ältesten Bücher, die aus Corvey erhalten geblieben sind. Es ist wohl im 12. Jahrhundert entstanden und enthält die Bücher Genesis bis Ruth. Besonders hervorzuheben sind die Schmuckinitialen in rot, blau und grün mit fleuraler Ornamentik. Der Originaleinband (Halbleder) wurde 1998 restauriert, die Langriemenschließen ergänzt.

Lit.: Hinz, Ulrich: Handschriftencensus Westfalen. Wiesbaden 1999, 266.

 

Lateinische Bibel ("Perlbibel"), um 1250. Frankreich, Paris (?) Pergament, 388 Blätter, 16 x 12 cm. Signatur: Ms. Hux 4.

Perlschrift nennt man eine besonders zierliche gotische Schrift, die trotz der geringen Größe noch einigermaßen zu lesen ist. Noch heute heißt bei den Buchdruckern eine bestimmte Schriftgröße "Perl". Die Gattung der sogenannten "Perlbibeln" entstand um 1200 in Paris. Die Illuminationen (Buchmalereien) erstreckten sich zunächst auf große Zierinitialen in abstrakten oder pflanzlichen Gebilden nachempfundenen Formen. Teilweise wurden sie auch von Tieren oder Grotesken (Drachen) belebt.

Das vorliegende Exemplar ist vermutlich um die Mitte des 13. Jahrhunderts in Frankreich geschrieben worden. Der Körper der Buchstaben ist exakt ein Millimeter groß, der Text ist in zwei Spalten geschrieben, in jeder Spalte 59 Zeilen bei einem Schriftspiegel von 10,6 cm! Das Buch enthält den vollständigen Text des Alten und Neuen Testaments, am Anfang der bei den lateinischen Bibeln übliche Brief des hl. Hieronymus über dessen Übersetzung des Urtextes ins Lateinische (Vulgata). Jedes einzelne Buch beginnt mit einer in bunten Deckfarben ausgeführten Initiale. Auffallend ist das hauchdünne Pergament, das in dieser Qualität von rund 200 sehr jungen Tieren stammen muß. Die fast 400 übereinander liegenden Pergamentblätter bilden nur eine Dicke von knapp 4 cm! Auf den letzten Seiten befinden sich einige wenige Eintragungen über Unwetter und Notzeiten (1433 bis 1526) sowie über Wein- und Getreidekäufe (1513 bis 1557). Diese Texte lassen vermuten, daß die Bibel in dieser Zeit in westfälischem Besitz war. Im 17. Jahrhundert gehörte sie einem Johann Adolph von Schenck zu Nideck (1631-1710), Herr zu Oberheiligenhofen, Beringhausen und Borg, dessen Verwandtschaft auch im Westfälischen zu finden ist. Er hat diese Perlbibel an das Kloster Corvey geschenkt, dessen Abt Arnold von Valdois (Amtszeit 1638 bis 1661) entweder der Vetter seines Vaters oder seines Großvaters war.

Lit.: Seidel, Stefanie: Bibliotheken (Reiselexikon). München 1995, 103. - Manuscripta pretiosa & Incunabula illuminata. Detmold 1995, 21-23. - Hinz, Ulrich: Hand-schriftencensus Westfalen. Wiesbaden 1999, 258.

 

Sammelband, eine Inkunabel und mehrere Handschriften, Ende des 15. Jahrhundert, Papier, 76 Bll., 31,5 x 20 cm, zwei Spalten. Einband aus der älteren Bursfelder Buchbinderwerkstatt. Signatur: Ms. Hux 19a.

Lit.: Die Inkunabeln in der Erzbischöflichen Akademischen Bibliothek Paderborn. Wiesbaden 1993, 244f. Nr. 430. - Hinz, Ulrich: Handschriftencensus Westfalen. Wiesbaden 1999, 264f. – Freckmann, Anja: Die Restau-rierung einer Inkunabel aus dem Kloster Bursfelde. In: Bestandserhaltung. Marburg 2000, 95-135, hier 111.

 

Augustinus, Aurelius: De trinitate. Straßburg: Georg Reyser, nicht nach 1471. Mit Bursfelder und Corveyer Besitzvermerk. Signatur: Inc 38.

Lit.: Die Inkunabeln in der Erzbischöflichen Akademischen Bibliothek Paderborn. Wiesbaden 1993, 92f. Nr. 74.

Bursfelde, die Wiege der historisch bedeutsamen und nachhaltigen Reformbewegung des Benediktinerordens, war 1542 lutherisch geworden und wollte vermutlich den nach den Vorstellungen der Lutheraner überholten theologischen Ballast abwerfen, den ohnehin wohl kein Mensch mehr lesen konnte. Aus diesem Grunde wurde die Bursfelder Bibliothek vermutlich um 1570/80 aufgelöst; zahlreiche Handschriften und Inkunabeln wurden einige Zeit später in das benachbarte Kloster Corvey gebracht. Unter welchen Umständen und wann die Überführung geschehen ist, kann nicht mehr festgestellt werden, zumindest ist diese Frage in der vorliegenden Literatur noch nicht gelöst. Der wohl beste Kenner der Corveyer Handschriftengeschichte, Paul Lehmann, weiß über diesen Vorgang nichts Genaues, nimmt aber für die Überführung der Bücher die Jahre 1585/88 an. Auch in der neueren Literatur gibt es keine Lösungsansätze oder neue Erkenntnisse. Allerdings sind auch Überlegungen bedenkenswert, nach denen die Bände erst nach den Plünderungen im Dreißigjährigen Krieg quasi als Ersatzbeschaffung nach Corvey gekommen wären. Als Zeugen dieser Aktion gibt es nur noch den Rest der Bücher, die die Zeitläufte überlebt haben. Etwa 20 Handschriften und acht Inkunabeln aus Bursfelde befinden sich heute in der Erzbischöflichen Akademischen Bibliothek und sind sowohl an einem entsprechenden Besitzvermerk wie auch an den typischen Einbänden, die durchweg ein Titelschildchen auf dem Vorderdeckel aufweisen, zu erkennen. Diese Bursfelder Handschriften stellen heute den größten geschlossenen Bestand aus der alten Corveyer Bibliothek im Bereich der Handschriften dar.

 

2. ABDINGHOF

Besitzvermerk aus der Abdinghofer Bibliothek

Das Benediktinerkloster Abdinghof wurde im Jahre 1015 von dem Paderborner Bischof Meinwerk gegründet und entwickelte sich schnell zu einer Pflegestätte mittelalterlicher Kunst und Literatur. Berühmt sind für die Zeit des Hochmittelalters die Evangeliare, die heute in Kassel, Berlin und Trier zu finden sind. Das Spätmittelalter brachte viele Klöster sowohl geistlich wie auch wirtschaftlich an den Rand des Ruins, über die Bibliotheken erfahren wir aus dieser Zeit nichts. So auch beim Kloster Abdinghof. Erst unter dem Reformabt Heinrich von Peine können wir seit 1477 als Folge der benediktinischen Reformbestrebungen durch die "Bursfelder Kongregation" für das Buchwesen im Kloster eine seit dem Hochmittelalter einzigartige Blüte konstatieren: Es entstanden, obwohl der Buchdruck bereits bekannt und verbreitet war, noch zahlreiche, zum Teil künstlerisch hochstehende Handschriften wie etwa das Abdinghofer Graduale, eine reich illuminierte spätgotische Pergamenthandschrift. Es wurden aber auch viele gedruckte Bücher erworben. Noch heute sind fast 300 Bände aus der Zeit von 1450 bis 1500 in der Akademischen Bibliothek vorhanden. Um 1500 läßt sich auch eine klostereigene Buchbinderwerkstatt feststellen, in der kunstvolle Einbände für viele Handschriften und Inkunabeln entstanden. Unter Abt Leonhard Ruben (1598-1609) gewinnt die Bibliothek in der Zeit der Katholischen Reform noch einmal an Gewicht, es kommen in den elf Jahren seines Abbatiats fast tausend Werke neu in die Bibliothek. Danach erfahren wir nicht mehr viel von der Bibliothek, auch Kataloge existieren aus keiner Zeit der Bibliotheksgeschichte. Mit dem Ende des Klosters 1802/03 kam auch das Ende der Bibliothek, von der zahlreiche Werke heute noch in der Theodorianischen Bibliothek (ehemalige Jesuitenbibliothek, heute in der Akademischen Bibliothek) zu finden sind.

 

Graduale, 1507, Abdinghof, Pergament, 171 Bll., 52,5 x 36,5 cm. Einband aus der Abdinghofer Buchbinderwerkstatt. Sign.: Ba 1.

Nach dem Beitritt zur Bursfelder Reformkongregation im Jahre 1477 wurden im Kloster Abdinghof zahlreiche Handschriften hergestellt. Das bedeutendste in dieser Zeit entstandene Buch ist das Abdinghofer Graduale von 1507, das nicht nur im Abdinghofkloster gebraucht wurde, sondern hier auch geschrieben und vermutlich ausgemalt worden ist. Es enthält die Gesangsteile der Messe und fand bei der Liturgie als Chorbuch Verwendung. Die Ausmaße des Buches und die Größe von Schrift und Noten waren notwendig, damit auch aus einiger Entfernung noch daraus die Gesänge von den Mönchen gemeinsam gesungen werden konnten. Dabei lag das Buch wohl auf einem Pult im Chorraum. Reiche ornamentale Initialenmalerei findet sich jeweils beim Introitus zu besonderen Zeiten (z. B. Erster Adventssonntag) oder Hochfesten (Weihnachten, Ostern). Aufgeschlagen ist die Seite mit der Osterinitiale R (Textanfang: Resurrexi et adhuc tecum sum... - Ich bin auferstanden und bleibe bei dir...).

Auch der Einband ist bemerkenswert. Dieser gotische Originalband, der nur unwesentlich später als das Buch selbst entstanden sein dürfte, wurde ebenfalls im Abdinghofkloster hergestellt, und es zeigt sich, zu welch hoher Blüte die Einbandkunst zu Beginn des 16. Jahrhunderts in dem Paderborner Benediktinerkloster gediehen war. Kunstvoll ist hierbei nicht nur die Lederbearbeitung, sondern auch besonders die feine Herausarbeitung der gotischen Spitzbogenformen bei den Messingbeschlägen und Schließen, die ein Miniaturabbild von Kirchenfenstern darstellen, durch die man gleichsam beim Öffnen des Buches Einblick in die geistliche, die göttliche Sphäre der Liturgie gewinnt.

Es handelt sich bei diesem Graduale sozusagen um ein Gesamtkunstwerk des ausgehenden Mittelalters. Es wurde in Abdinghof geschrieben, großzügig ausgemalt, mit Blattgold ausgestattet und mit einem kunstvollen Einband mit Messingbeschlägen versehen.

Lit.: Vogt, Hubert: Die Sequenzen des Graduale Abdinghof aus Paderborn. Münster, Univ., Phil. Fak., Diss. von 1972. - Rosenthal, Anselm: Die Sequenzen des Bursfelder Missales. In: Archiv für Liturgiewissenschaft 25 (1983), S. 161-168. - Schmalor, Hermann-Josef: Liturgische Bücher als besondere Bibliotheksbestände. In.: Liturgica Paderbornensia. 1000 Jahre liturgische Buchkunst im Erzbistum Paderborn. Paderborn 1989, S. 16-21, hier S. 19; Kat.-Nr. 20. - Manuscripta pretiosa & Incunabula illuminata. Detmold 1995, 44-46. - Unser Erzbistum Paderborn 1996 (Diözesankalender, erstes November-Blatt). – de Vry, Volker: Liborius, Brückenbauer Europas. Paderborn 1997, 321. - Hinz, Ulrich: Handschriftencensus Westfalen. Wiesbaden 1999, 267 (hier weitere Literaturangaben).

 

Processionale, um 1630 Abdinghof, Papier, 110 Bll., 12 x 13 cm. Signatur: Cod 223 (Altertumsverein).

Dieses Büchlein mit den liturgischen Gesängen zu den verschiedenen Prozessionen im Jahreslauf, angefangen mit Mariae Lichtmeß, und einigen Antiphonen wurde von Pater Engelbert Scevenhauß für seinen Mitbruder Johannes Mellin geschrieben. Aufgeschlagen sind Gesangstexte zum Fronleichnamsfest; rechts unten eine Notiz über den Ablauf der Feier, wie sie im Abdinghofkloster stattfand.

Lit.: Liturgica Paderbornensia. 1000 Jahre liturgische Buchkunst im Erzbistum Paderborn. Paderborn 1989, 50.

 

Lectionarium officii, 1479, Abdinghof, Papier, 166 Bll., 29 x 19,8 cm. Signatur: Cod 124 (Altertumsverein).

Dieses Lektionar, das die Evangelien- und Lesungstexte für das Kirchenjahr enthält, entstand zwei Jahre, nachdem das Kloster Abdinghof der Bursfelder Kongregation beigetreten war. Der Name des Schreibers ist unbekannt. Dieser Band ist ein Beispiel dafür, daß im Zuge der Reformbestrebungen im Kloster auch die liturgischen Bücher erneuert werden mußten. Man schrieb in dieser Zeit viele liturgische Bücher auch noch mit der Hand, obwohl der Buchdruck bereits seit fast drei Jahrzehnten bekannt war. Der Grund dafür dürfte in den stark ausgeprägten Eigenliturgien der Klöster gelegen haben, die erst nach dem Konzil von Trient eine Vereinheitlichung erfuhren.

Lit.: Liturgica Paderbornensia. 1000 Jahre liturgische Buchkunst im Erzbistum Paderborn. Paderborn 1989, 50. - Hinz, Ulrich: Handschriftencensus Westfalen. Wiesbaden 1999, 253.

 

Petrus Berchorius: Repertorium morale. Teil 1-3. Hrsg. von Johannes Beckenhaub. Nürnberg: Anton Koberger 1489. Signatur: I 170.

Diese Enzyklopädie diente vor allem als Nachschlagewerk für Prediger. Es wurde vermutlich im Zuge der Klosterreform ab 1477 für das Studium und die Predigtverpflichtungen der Mönche angeschafft, die jetzt wieder größeren Raum einnehmen sollten. - Auch die gedruckten Bücher wurden in der Frühzeit wie die Handschriften ausgemalt. Eine beliebte Dekorationsart der Maler in der Spätgotik sind die verspielt wirkenden Drôlerien in den Inkunabeln. Hierunter versteht man kleine figürliche Darstellungen, die Menschen, Tiere oder auch Fabelwesen im Rankenwerk von Initialen und Bordüren zeigen. Im vorliegenden Exemplar wurde nur eine geringe Farbpalette für die Randbemalung benutzt. Neben dem Blattgold in der A-Initiale dominieren ein dunkles Blau, die Farbe Rot sowie verschiedene Grün- und Brauntöne. Die zwei langhalsigen Vögel in dem Rankenwerk mit roten Früchten (Erdbeeren) fallen besonders auf. Die Farben ihres Federkleides wiederholen sich im übrigen Rankenwerk nicht. So bilden die Vogelmotive einen auffallenden Kontrast zu den verschiedenen Grüntönen der Ranken mit ihren rot-weißen Früchten.

Wie die im Abdinghofkloster am Ausgang des Mittelalters entstandenen Handschriften zeigen, gab es wohl einige Künstlermönche, die auch Miniaturen herstellen konnten. So darf vermutet werden, daß diese Malereien in den Inkunabeln ebenfalls im Kloster selbst hergestellt wurden.

Lit.: Die Inkunabeln in der Erzbischöflichen Akademischen Bibliothek Paderborn. Wiesbaden 1993, 101, Nr. 95. - Manuscripta pretiosa & Incunabula illuminata. Detmold 1995, 57-59.

 

Fragment eines Sequentiars, 1. Hälfte 12. Jahrhundert, Abdinghof, Pergament, Doppelblatt, 28,4 x 22,9 cm. Signatur: Fra 52.

Vermutlich seit der Zugehörigkeit zur Bursfelder Kongregation gab es im Abdinghofkloster, bedingt durch die neu entstandene Schreibtätigkeit und umfangreiche Bücherkäufe, auch eine Buchbinderei. Typisch für diese Einbände ist auch die Benutzung von alten Pergamenthandschriften als Vorsätze. Da man nun aufgrund der Einbandstempel die Entstehung der Einbände in Abdinghof als gesichert betrachten darf, sind diese zum größten Teil ins Hoch- und Spätmittelalter zu datierenden Handschriftenreste ebenfalls als Abdinghofer Besitz anzusehen. Beim relativ flüchtigen Durchsehen ergaben sich als inhaltliche Schwerpunkte dieser Fragmente Liturgie (zum größten Teil mit Noten), Bibeln und Recht. Da sich eine große Anzahl dieser Bände erhalten hat, könnte eine Rekonstruktion der einen oder anderen Handschrift unter günstigen Umständen eventuell möglich sein.

Einige solcher Fragmente sind bereits aus den Holzdeckeln herausgelöst worden wie dieses vorliegende Doppelblatt mit später karolingischer Minuskelschrift und deutsch/französischen Neumen auf Linien. Inhaltlich handelt es sich um Sequenzen vorwiegend aus der Weihnachtsoktav. Einige Stellen sind radiert und neu beschrieben worden. Die Sequenzen der älteren Hand sind fast alle Schöpfungen des St. Galler Mönches Notker Balbulus in der ausgehenden Karolingerzeit, ihre Anordnung und Reihenfolge läßt auf ein altes Repertoire schließen. Bei den Noten handelt es sich um eine für Deutschland sehr frühe Übertragung der Melodien auf Linien, ohne die wir heute die Melodien nicht mehr singen könnten. "Wenn dieses Fragment ein ganz frühes deutsches Zeugnis der auf Linien notierten Sequenzen ist, könnte ihm bei der melodischen Rekonstruktion der karolingischen Sequenzen eine besondere Bedeutung zukommen." (P. Michael Hermes).

Lit.: 799. Kunst und Kultur der Karolingerzeit. Karl der Große und Papst Leo III. in Paderborn. Ausstellungskatalog. Paderborn 1999, 856 (XI.45, M. Hermes, mit weiteren Literaturangaben).

 

3. BÖDDEKEN / DALHEIM

Besitzvermerk aus der Bibliothek von Böddeken

Als geistesgeschichtlicher Hintergrund für die Tätigkeit der Böddeker Chorherren muß das Entstehen einer neuen Frömmigkeit und Innerlichkeit, der devotio moderna, gesehen werden, einer seit dem Ende des 14. Jahrhunderts von den Niederlanden ausgehenden Bewegung, die als Ziel eine neue persönliche, bescheidene, verinnerlichte und von Formalismus freie Frömmigkeit anstrebte. Diesem Ideal fühlten sich auch die Augustiner-Chorherren von Böddeken, die seit 1409 hier ansässig waren, verpflichtet. Nun begann auch die große Zeit der Böddeker Bücherproduktion, die sich bis etwa zum Ende des 15. Jahrhunderts fortsetzte. In diesen glücklichen ersten Jahrzehnten des Stifts wurde auch deren künstlerischer Höhepunkt erreicht. Besonders zu nennen ist ebenso die Sammeltätigkeit auf den Gebiet der Hagiographie, die zu dem berühmten Magnum Legendarium führte, das später die Bollandisten für ihre Acta sanctorum auswerteten. Aus späteren Jahrhunderten liegen nur äußerst spärliche Nachrichten vor. Die Qualität der Bibliothek muß sich jedoch wohl weitgehend erhalten haben. Denn noch 1718 erwähnen die beiden Benediktiner aus Paris (Mauriner) die Böddeker Büchersammlung lobend. Sie sei an Manuskripten eine der reichsten des Landes. Infolge der Säkularisation 1802/03 wurde auch die kulturgeschichtlich sicher bedeutendste Sammlung von Büchern im ostwestfälischen Raum zerstreut. Viele Handschriften und Drucke gingen in Böddeken verloren oder wurden entwendet. Der Paderborner Domherr Ignaz Theodor Liborius Meyer wurde 1817 mit der Untersuchung der in Böddeken noch vorhandenen Bücherbestände beauftragt. Durch ihn sind die heute noch vorhandenen Bestände nach Paderborn in die Theodoriana gelangt. Die 36 Handschriften in der Universitätsbibliothek Münster wurden 1945 bei einem Bombenangriff vernichtet. Lediglich 30 Handschriften, davon 12 in der Akademischen Bibliothek sind erhalten geblieben.

 

Augustinus, Aurelius: Varia opuscula, 1472, Böddeken, Pergament, 260 Bll., 37 x 25,5 cm. Signatur: Ba 3.

Als die ersten Augustiner-Chorherren 1409 in Böddeken eintrafen, fanden sie ein vollkommen verlassenes und verwahrlostes Kanonissenstift vor. So mußte mit einem völligen Neuaufbau erst wieder der Grund gelegt werden für die kulturellen Leistungen der Folgezeit. Im 15. Jahrhundert wurde das Augustiner-Chorherrenstift Böddeken zu einem der bedeutendsten Kulturträger in Norddeutschland.

Vom Beginn der Neubesetzung an wurden Bücher geschrieben und ausgemalt. In dieser Zeit entstand eine beeindruckende Bibliothek, deren inhaltliche Ausrichtung die Verwurzelung des Konvents in der Tradition der Devotio moderna zeigt. Als Verfasser waren neben Gerhard Groote auch Bernhard von Clairvaux, Bonaventura, Johannes Gerson und andere vertreten. Von den frühen christlichen Schriftstellern nahmen verständlicherweise die Werke des hl. Augustinus eine hervorragende Stellung ein.

Auf dem Gebiet der Buchmalerei erreichte Böddeken in den Anfangsjahrzehnten einen künstlerischen Höhepunkt. Es entstanden in den Handschriften und auch noch in den Inkunabeln hervorragende Miniaturen, die im Paderborner Land und weit darüber hinaus ihresgleichen suchen. Schönstes Beispiel dafür ist die Miniatur in der in Böddeken selbst entstandenen Handschrift von Augustinus-Werken. Sie zeigt den heiligen Augustinus als Bischof mit Stab, Mitra und Buch in einer Initiale am Anfang des Galaterbrief-Kommentars. Handschrift und Miniatur entstanden, wie es in der Schlußschrift bezeugt wird, im Jahre 1472 pro et in monasterio S. Meynulfi in Bodeken, als Schreiber wird genannt Antonius Lippie, als Initialenmaler Johannes Betteren aus Paderborn.

Lit.: Oeser, Wolfgang: Die Handschriftenbestände und die Schreibtätigkeit im Augustiner-Chorherrenstift Böddeken. In: Archiv für die Geschichte des Buchwesens 7 (1967), S. 318-447. - Segin, Wilhelm: Die Namen der Böddeker Chorherren. In: Westfälische Zeitschrift 128 (1978), S. 229-287. - Manuscripta pretiosa & Incunabula illuminata. Detmold 1995, 33-35. - Kock, Thomas: Die Buchkultur der Devotio moderna. Frankfurt/Main, Berlin usw. 1999, 257. - Hinz, Ulrich: Handschriftencensus Westfalen. Wiesbaden 1999, 268 (hier auch weitere Literaturangaben).

 

Sammelhandschrift, 1448, Böddeken, Pergament, 163 Bll., 29 x 20,5 cm, zwei Spalten. Signatur: Ba 13.

Ornamentale Miniaturen als Initialenmalerei mit Blattgoldarbeit waren eine Spezialität der Böddeker Künstler. Diese Sammelhandschrift auf Pergament mit den Werken von Papst Leo I., Augustinus, Petrus Damiani, Rupert von Deutz und anderen wurde unter dem Priorat des Arnold von Hüls um 1448 geschrieben und ausgemalt pro domo S. Maynulfi in Bodeken, wie es am Ende des Buches heißt. Aufgeschlagen ist Blatt 75: Beginn des Hexaemeron (Sechs-tagewerk, Schöpfungsgeschichte) des Ambrosius von Mailand. Die Schmuckinitiale ist mit Blattgold unterlegt, die Randverzierung besteht aus sehr feiner fleuronaler Ornamentik. Die gesamte Handschrift stellt - ebenso wie die Handschrift mit den Werken des Augustinus - ein hervorragendes Zeugnis der Buchkultur der Böddeker Augustinerchorherren dar. In der Schlußschrift werden die beiden Schreiber genannt: Johannes Lemego und Hartmannus Geyling sacerdotes et professi in Bodeken.

Lit.: Oeser, Wolfgang: Die Handschriftenbestände und die Schreibtätigkeit im Augustiner-Chorherrenstift Böddeken. In: Archiv für die Geschichte des Buchwesens 7 (1967), S.318-447. - Segin, Wilhelm: Die Namen der Böddeker Chorherren. In: Westfälische Zeitschrift 128 (1978), S. 229-287. - Oeser, Wolfgang: Beobachtungen zur Entstehung und Verbreitung schlaufenloser Bastarden. In: Archiv für Diplomatik 38 (1992), 235-343, Abb. 6. - Schmalor, Hermann-Josef: Klosterbibliotheken in Westfalen 800-1800. In: Monastisches Westfalen. Münster 1982, 501 (Abb.). - Kock, Thomas: Die Buchkultur der Devotio moderna. Frankfurt/Main, Berlin usw. 1999, 257. - Hinz, Ulrich: Handschriftencensus Westfalen. Wiesbaden 1999, 273f. (hier auch weitere Literaturangaben).

 

Petrus Lombardus: Glossa magistralis in Psalmos. Nürnberg: Johann Sensenschmidt und Andreas Frisner 1478. Sign.: I 220.

Der großformatige Druck von 1478 ist ein seltener Zwei-Farben-Druck mit einer besonders gleichmäßigen harmonischen Type in zwei Schriftgraden. Die beiden Drucker entschieden sich für Interlinear-Glossen, d.h. sie plazierten den erklärenden Text zwischen die Zeilen der Psalmverse. Diese drucktechnisch hervorragend gelungene Ausgabe war die zweite Edition der Glossa magistralis in Psalmos, die 1475 zum ersten Mal erschienen war. Der Verfasser der lehrhaften Erklärungen zu den 150 Liedern des Psalterbuches ist Petrus Lombardus, späterer Bischof von Paris (1159-1160). Er schrieb die Glossa magistralis um 1136. Bis ins späte Mittelalter fand sein Werk als Lehrbuch weite Verbreitung und wurde vor allem in den Klöstern gelesen und studiert. Neben seinen berühmten Sentenzen zählen die Glossen zu seinen wichtigen Werken.

Die vorliegende Inkunabel erhielt ihr individuelles Aussehen sowie den unverwechselbaren Einband in Böddeken. Wie die in Böddeken selbst geschriebenen Bücher wurden auch die als Rohbögen gekauften frühen Drucke im Stift ausgemalt und eingebunden. Hier leitet eine große purpurfarbene B-Initiale auf tiefblauem Grund den Text des ersten Psalms ein: Beatus vir, qui non abiit in consilio impiorum... (Selig der Mann, der nicht dem Rat der Frevler folgt...). Die Miniatur in der B-Initiale stellt den König David mit einer Harfe dar, der in der jüdisch-christlichen Tradition als der Verfasser der Psalmen gilt. Bei der Wahl der Farben wird durch das Blau die Treue und die Nähe zu Gott, durch das Weiß der Sterne die Reinheit und durch das Purpur die Würde des Amtes symbolisiert.

Lit.: Feste und Feiern im Mittelalter. Ausstellung Universitätsbibliothek Paderborn. Paderborn 1989, 4. - Unser Erzbistum Paderborn 1992 (Diözesankalender, zweites Februar-Blatt). - Die Inkunabeln in der Erzbischöflichen Akademischen Bibliothek Paderborn. Wiesbaden 1993, 292, Nr. 547 (Abb. Taf. 13). - Reker, Michael: König David als Psalmensänger. (Faltblatt mit Abb., Foto Heinz Bauer). Paderborn 1993. – Schmitt, Anneliese: Der Buchdruck des 15. Jahrhunderts im Spiegel einer Sammlung. In: Theologie und Glaube 83 (1993), 419-435, hier 433. - Buchkunst und Buchdruck in Paderborn. Paderborn 1994, 11f. - Manuscripta pretiosa & Incunabula illuminata. Detmold 1995, 36-38.

 

Augustinus, Aurelius: Sermones. P. 1 - 7. Mit Zusätzen von Sebastian Brant. Basel: Johann Amerbach 1494/95. Signatur: I 302.

Inkunabel aus der Böddeker Bibliothek mit einem großen Holzschnitt, der den heiligen Augustinus zeigt. Das Buch wurde vom Prior Johannes Rörig de Dulmania (1494-1517) "pro libraria nostra" (für unsere Bibliothek) angeschafft. Gekauft wurden nur die bedruckten Rohbögen, die dann in der Böddeker Buchbinderei mit dem heute noch vorhandenen Einband versehen wurden, der den typischen "Maynulfus"-Stempel aufweist.

Lit.: Die Inkunabeln in der Erzbischöflichen Akademischen Bibliothek Paderborn. Wiesbaden 1993, 91f., Nr. 72.

 

Petrus Lombardus: Sententiarum libri IV. Mit Kommentar des Bonaventura. Nürnberg: Anton Koberger, 1491. Signatur: I 33.

Anhand verschiedener noch vorhandener Einbände kann auf die Tätigkeit einer Buchbinderei in Böddeken geschlossen werden. Als typisch für den Einbandschmuck läßt sich eine Stempelkombination ausmachen, bei der es sich um die Namensstempel ihesus, maria, ioannes bapt und maynulphus handelt. In dieser vollständigen Kombination tauchen die Stempel im Inkunabelbestand der Akademischen Bibliothek allein sechsmal auf, in vier Fällen ist die Kombination unvollständig. Ein Einband enthält nur den Namen maynulphus.

Zu diesen vier Schriftstempeln tritt noch ein Rhombus-Stempel hinzu, der eine Figur mit einem Kirchenmodell und einem Hirschen mit einem Kreuz im Geweih zeigt. Hier handelt es sich eindeutig um den hl. Meinolf, den Patron von Böddeken. Das Buch wurde durch diesen Stempel quasi als Besitz des Stifts markiert. Von diesen Einbänden ausgehend könnten auch die übrigen Stempel sicher nach Böddeken lokalisiert und mit ihnen weitere Böddeker Einbände erschlossen werden.

Aufgrund der bereits identifizierten Böddeker Einbände können wir sagen, daß die Klosterbuchbinderei zumindest von 1461 bis 1516 tätig gewesen ist und diese Stempel benutzt hat. Vermutlich gab es aber auch schon früher und noch später buchbinderische Aktivitäten, die leider in den schriftlichen Quellen keinerlei Erwähnung finden.

Lit.: Die Inkunabeln in der Erzbischöflichen Akademischen Bibliothek Paderborn. Wiesbaden 1993, 294, Nr. 550.

 

Sermones dominicales, Mitte 15. Jahrh., Papier, 203 Bll., 21,7 x 14,7 cm, Lederschnitteinband. Signatur: Cod 122 (Altertumsverein).

Diese Handschrift ist, soweit feststellbar, die einzige aus dem späten Mittelalter, die in Westfalen aus Dalheim erhalten geblieben ist. Der neue Handschriftencensus Westfalen kennt ansonsten keine Sammlung in die ein Codex aus Dalheim eingegangen ist. Sie wurde von dem Paderborner Domvikar Ravo v. Ripen an das Kloster Dalheim geschenkt. Ravo von Ripen ist in Urkunden für die Zeit von 1425 bis etwa 1460 nachgewiesen, war Mitglied des Paderborner Domkaland und wird als "Baumeister der Paderborner Kirche" bezeichnet. Bemerkenswert ist der Einband, einer der wenigen erhaltenen gotischen Lederschnitte. Diese Lederschnitte sind im Gegensatz zu den gestempelten Einbänden individuelle eigenständige Leistungen der Einbandkünstler. Bilder oder Ornamente werden mit einem Messer in das Leder eingeschnitzt, so daß vielfach ein holzschnittartiger Eindruck entsteht.

Auf den letzten Seiten befinden sich niederdeutsche Sprüche aus Gregorius, Dionysius und Augustinus als Marginalien und Notizen.

Lit.: Schmidt-Künsemüller, Friedrich-Wilhelm: Corpus der gotischen Lederschnitteinbände aus dem deutschen Sprachgebiet. Stuttgart 1980, "Times New Roman"'> 39, Nr. 235a. – Rüthing, Heinrich; Schmalor, Hermann-Josef: Aus mittelalterlichen Bibliotheken des Paderborner und Corveyer Landes. Padeborn 1998, 12. - Hinz, Ulrich: Handschriftencensus Westfalen. Wiesbaden 1999, 252. Honselmann, Wilhelm: Der Kaland am Dom zu Paderborn. In: Lob der brüderlichen Eintracht. Die Kalandsbruderschaften in Westfalen. Paderborn 2000, 126-137.

 

Hieronymus, Sanctus: Commentaria in Bibliam. Venedig: Johannes und Gregorius de Gregoriis 1497/98. Ohne Signatur. (Leihgabe der Sächsischen Franziskanerprovinz).

Dieses Buch ist in einen der wenigen heute noch vorhandenen Einbände gebunden, die im Kloster Dalheim entstanden sind. Ebenso wie im benachbarten Böddeken wurden also vermutlich auch bis in die Mitte des 16. Jahrhunderts in Dalheim Bücher gebunden. Typisch für die Dalheimer Einbände sind drei Stempel. Auf einem kleinen quadratischen Bildstempel (Seitenlänge 1,5 cm) ist eine Figur mit einem Schlüssel in der rechten Hand dargestellt, bei der es sich um den hl. Petrus, den Dalheimer Stiftspatron, handeln dürfte (vergleichbar in Böddeken der Rhombus-Stempel mit dem Bild des hl. Meinolf). Daneben tragen die Dalheimer Einbände zwei Schriftstempel mit den Aufschriften "Sant Petrus" (vergleichbar in Böddeken der Schriftstempel "Meynulphus") und "In Dalheym" (ein vergleichbarer Stempel aus Böddeken ist nicht bekannt). Bei der Erforschung der westfälischen Klosterbuchbindereien ist man auf diese Art von Informationen angewiesen, da es kaum sonst historische oder literarische Quellen dazu gibt. Auch die Buchbinderei im Benediktinerkloster Abdinghof (ca.1480 bis 1530) ist nur durch die Einbände selbst belegt.

 

Fragment eines Antiphonars, 1494, Böddeken, Pergament, 11,7 x 32,8 cm. Signatur: AV Urk 1494.02.14. (Altertumsverein).

Schlußschrift eines Antiphonars, das vermutlich für Einbandzwecke auseinandergeschnitten wurde. Dieses Fragment wurde als Rückenverstärkung von Rechnungsbüchern des Ortes Haaren für die Jahre 1646 bis 1652 benutzt. Nach dem Text ist dieses Antiphonar am 14. Februar (die kalendarum Martii 16) 1494 im Kloster Böddeken unter dem Priorat des Bernard to den Tweenhöfen aus Münster von dem Priester Gerhardus Campis und dem Subdiakon Fredericus Daventrie geschrieben und vollendet worden. Gerhardus Campis (gestorben 1508) wird im Böddeker Kopiar als "optimus scriptor" bezeichnet, der für das Kloster mindestens 200 Gulden durch Schreiben von Choralbüchern erwirtschaftet habe. Auch Fredericus Daventrie (gestorben 1541) habe "plures libros chorales" geschrieben. Möglicherweise war das Antiphonar, von dem jetzt nur noch dieses Fragment existiert, an die Kirche von Haaren gegeben worden, über die Böddeken seit 1540 die Patronatsrechte besaß.

Lit.: Oeser, Die Handschriftenbestände und die Schreibtätigkeit im Augustiner-Chorherrenstift Böddeken. In: Archiv für Geschichte des Buchwesens 7 (1967) 432. - Segin, Wilhelm: Die Namen der Böddeker Chorherren. In: Westfälische Zeitschrift 128 (1978), S. 229-287, hier S. 260-261. - Stöwer, Ulrike: Das Archiv des Vereins für Geschichte und Altertumskunde Westfalens, Abteilung Paderborn e.V. Die Urkunden bis zum Jahr 1500. Münster 1994, 398, Nr. 839.

 

Leben des hl. Meinolf (niederdeutsch), 1450/75, Böddeken, Pergament, 14 Bll., 14,5 x 10,5 cm. Signatur: Cod. 437 (Altertumsverein).

Die erste Lebensbeschreibung Meinolfs verfaßte im 11. Jahrhundert ein Geistlicher namens Sigeward. Unmittelbar nach der Übergabe Böddekens an die Augustinerchorherren (1408/09) ließen diese eine neue 'Vita' schreiben. Ihr Autor ist der bekannte Geschichtsschreiber Gobelinus Person (+1421). Da im Kloster Böddeken viele Laienbrüder lebten, die kein Latein verstanden, wurde der Text des Gobelinus - bearbeitet und verkürzt - ins Mittelniederdeutsche übertragen. Die kleine Handschrift aus der 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts gehörte früher den Schwestern vom gemeinsamen Leben in Rüthen.

Edition: Das Leben des Heiligen Meinolf. Eine niederdeutsche Handschrift, hrsg. und übersetzt von Heinrich Rüthing. Paderborn 1991.

Lit.: Feste und Feiern im Mittelalter. Ausstellung Universitätsbibliothek Paderborn. Paderborn 1989, 26. - Rüthing, Heinrich: Eine neue Handschrift der mittelniederdeutschen Lebensbeschreibung des hl. Meinolf von Böddeken, in: Westf. Zeitschrift 141 (1991), 329-335. - Buchdruck und Buchkunst in Paderborn. Paderborn 1994, 10. - Hinz, Ulrich: Handschriftencensus Westfalen. Wiesbaden 1999, 256. – Schmalor, Hermann-Josef: Gobelin Person. In: Westfälische Lebensbilder 16 (Münster 2000), 9-30.

 

Gebetbuch (niederdt.), um 1565, Papier (Bll. 1-10 und vereinzelte Bll. Pergament), 225 Bll., 11 x 8,5 cm. Signatur: Cod. 224 (Altertumsverein).

Über das Schicksal einzelner Bücher aus den Klosterbibliotheken gibt ein Eintrag von Bernhard Stolte (Bibliothekar des Altertumsvereins um 1900) im vorderen Einbanddeckel dieses Gebetbuches Auskunft: "Dieses Buch ist vom Direktor [des Altertumsvereins] Pfarrer Dr. Mertens nach seiner Versicherung mir gegenüber im Jahr 1875 von ihm gekauft bei einem alten Mann in Wevelsburg. Dasselbe stammt wahrscheinlich aus dem benachbarten Augustiner-Chorherrenkloster Böddeken, was auch durch den Umstand unterstützt wird, daß am Schluß des Buches eine Reihe von Gebeten der Verehrung des hl. Augustinus gewidmet sind." Nach Hinz (Handschriftencensus) soll es jedoch aus einem Augustinerkloster der Diözese Münster stammen.

Lit.: Appelhans, Wolfgang: Die volkssprachlichen Sequenzen des "Böddeker Gebetbuches". Studien zu Tradition, Herkunft und Sangbarkeit des Codex PA AV 224. Diss. Münster 1975. - Hinz, Ulrich: Handschriftencensus Westfalen. Wiesbaden 1999, 254.

 

Ba 12: Sammelhandschrift, 1407, Papier, 203 Bll., 28,5 x 21,5 cm, zwei Spalten, vier Hände. Signatur: Ba 12.

Diese Sammelhandschrift mit Texten von Bonaventura, Thomas von Aquin, vor allem aber auch von Augustinus und Gerhard Groote mit dem Böddeker Besitzvermerk "Liber domus S. Maynulfi canonicorum regularium in Bodiken Paderbornensis dyocesis" ist nicht in Böddeken entstanden. Möglicherweise kam sie mit den ersten Chorherren aus Zwolle nach Böddeken. Zusammen mit einer weiteren, ebenfalls vor 1409 entstandenen Handschrift aus Böddeken im Besitz des Paderborner Altertumsvereins (Cod. 120) haben wir hier den ältesten Bibliotheksbesitz der Böddeker Chorherren vor uns.

Lit.: Oeser, Wolfgang: Die Handschriftenbestände und die Schreibtätigkeit im Augustiner-Chorherrenstift Böddeken. In: Archiv für die Geschichte des Buchwesens 7 (1967), S.318-447, hier 415 f. - Schleusener-Eichholz, Gudrun: Naturwissenschaft und Allegorese. In: Frühmittelalterliche Studien 12 (1978), 258-309, hier 259. - Oeser, Wolfgang: Beobachtungen zur Entstehung und Verbreitung schlaufenloser Bastarden. In: Archiv für Diplomatik 38 (1992), 235-343, hier 282. - Hinz, Ulrich: Handschriftencensus Westfalen. Wiesbaden 1999, 273 (hier auch weitere Literatur).

 

4. PADERBORN, JESUITEN

Seit 1582 waren Jesuiten in Paderborn. Der Domprobst und spätere Fürstbischof Dietrich von Fürstenberg hatte sie im Zuge der Katholischen Reform angeworben. Seit 1604 hatten sie ein Kolleg, und im Jahre 1614 übernahmen sie den Betrieb der ersten westfälischen Universität. Entsprechend der doppelten Funktion der Jesuiten in Paderborn in der ersten Zeit, nämlich einerseits den Schul- und Universitätsbetrieb zu gewährleisten und andererseits kontrovers für die katholische Sache zu kämpfen, war der Charakter der Bibliothek recht komplex. Notwendig war ein großer Bestand an Lehr- und Unterrichtsbüchern, Texten der Klassiker und Kirchenväter, Bibeln und schließlich auch juristischen Werken. Für die geistliche Bildung gab es eine Menge von spirituellen Werken. Solche Bücher waren sehr langlebig, auch alte Ausgaben, sogar Handschriften konnten hier noch von gutem Nutzen. Die andere Seite der Bibliothek wird repräsentiert durch die Fülle von tagesaktueller kontroverstheologischer Literatur, die wichtig für die konfessionelle Auseinandersetzung, jedoch auch sehr schnell überholt und vergessen war. Darüber hinaus gewannen die Jesuiten eine besondere Bedeutung für die Erforschung der Paderborner Geschichte. Als der Jesuitenorden im Jahre 1773 aufgehoben wurde, gingen Universität und Bibliothek in die Trägerschaft des Fürstbischofs über, der beide Institutionen in der gleichen Weise und mit denselben Leuten weiterführte. Einschneidender für die Bibliothek war die Säkularisation ab 1802/03, als die preußische Regierung Gymnasium wie Universität in die Hand nahm. Die Bibliothek wurde als Auffangstelle für die "noch brauchbaren" Bücher aus den aufgehobenen Klöstern des Paderborner Landes bestimmt, nachdem bereits wertvolle Teile dieser Klosterbibliotheken in die Paulinische Bibliothek nach Münster verbracht worden waren.

 

Gründungsurkunde des Paderborner Jesuitenkollegs. 8. September 1604, Pergament, 52 x 64,5 cm. Archiv des Paderborner Studienfonds, Urkunden, Nr. 205.

Fürstbischof Dietrich von Fürstenberg gründet das Jesuitenkolleg in Paderborn. Er hatte den Jesuiten, die 1580 nach Paderborn gekommen waren, zu diesem Zweck das ehemalige Minoritenkloster bereits 1592 überlassen, dieses aber durch einen Neubau ersetzt. Dazu hatte er ihnen die Hälfte des Klosters Falkenhagen, seine Bibliothek, die Bartholomäuskapelle beim Dom, die Kapelle der Heiligen Fabian und Sebastian in der Busdorfkirche mit Genehmigung des Papstes geschenkt und fügt nunmehr noch 10.000 Taler Kapital hinzu. Die ganze Stiftung wird dem Jesuitengeneral P. Claudius Aquaviva übertragen. Zehn Jahre später gründet Dietrich auch die erste westfälische Universität und stattet diese mit weiteren 15.000 Talern Kapital aus (Urkunde Nr. 222).

Lit.: Prinz, Joseph: Das Archiv des Paderborner Studienfonds. Teil 1: Urkunden. Münster 1960, 217. - Hohmann, Friedrich Gerhard: Urkunden zur Gründung des Jesuitenkollegs und der Universität in Paderborn. Paderborn 1986, Faksimile, Text und Kommentar (hier auch weitere Literaturangaben).

 

Diplomata data ecclesiae Paderbornensi ab imperatoribus regibusque Germanorum, summis pontificibus, episcopis, principibus, comitibus, aliis. 1666/1674. Papier, 29,5 x 19 cm. Signatur: Pa 77 (I).

Die Jesuiten haben sich auch um die Erforschung der Paderborner Geschichte große Verdienste erworben. Unter Ferdinand von Fürstenberg waren so bekannte Leute wie Johannes Grothaus und vor allem Nikolaus Schaten tätig. Sie sammelten aus alten Kopiaren Urkunden und schrieben sie ab. Das Ergebnis sind umfangreiche Urkundensammlungen, die der Fürstbischof teilweise selbst kontrol-lierte, ob die Abschrift auch stimmte. Ferdinand trug dann eigenhändig einen entsprechenden Vermerk zu der Urkunde ein. Heute befinden sich diese Sammlungen im Archiv des Paderborner Studienfonds (Jesuitenarchiv). Als Früchte dieser verdienstvollen Arbeit sind zu nennen zum einen Ferdinands eigenes Werk, die Monumenta Paderbornensia (Paderborn 1669, Amsterdam 1672 und weitere Ausgaben) und die beiden Bände von Nikolaus Schatens Annales Paderbornenses (Neuhaus 1693/96, ein dritter Band, der von dem Jesuiten Michael Strunck geschrieben wurde, erschien 1741).

Lit.: Richter, Wilhelm: Handschriften-Verzeichnis der Theodorianischen Bibliothek zu Paderborn. T.1. Paderborn 1896, 16f. - Prinz, Joseph: Das Archiv des Paderborner Studienfonds. Teil 2: Handschriften. Münster 1958, 64-66. - Schmalor, Hermann-Josef: Ferdinand von Fürstenberg und seine Bücher. Paderborn 1995, 13.

 

Friedrich von Spee: Cautio criminalis. 2. Ausgabe. Frankfurt: Johannes Gronäus 1632. Signatur: Th 4819.

Als einer der bedeutendsten Jesuiten, die in Paderborn tätig waren, darf wohl Friedrich von Spee bezeichnet werden. Er hatte in den Jahren 1623-26 einen Lehrauftrag für Philosophie an der Paderborner Universität und kam nach Stationen in Speyer, Köln und Peine 1629 wieder nach Paderborn als Professor für Moraltheologie. Möglicherweise verfaßte er hier sein Werk gegen die Hexenprozesse, das 1631 erstmals in Rinteln anonym erschien.

Wie schon die Erstausgabe dieser Schrift ein Jahr zuvor, erschien auch diese zweite Auflage anonym: "auctore incerto theologo Romano" (von einem unbekannten römischen [=katho-lischen] Theologen). Beim vorliegenden Exemplar ist handschriftlich der Name Friedrich von Spee hinzugefügt. Das Buch stammt ursprünglich aus der Privatbibliothek des Paderborner Fürstbischofs Ferdinand von Fürstenberg, der einen Teil seiner Bücher den Jesuiten vermacht hatte.

Lit.: Die Spee-Literatur ist zahlreich, Bibliographie: Dimler, Georg R.: Friedrich Spee von Langenfeld. Eine beschreibende Bibliographie. Bd. 1.2. Amsterdam 1984-1986.

 

Matricula Universitatis Theodorianae Padiborne. Die Matrikel der Universität Paderborn. 1637-1839, Papier, ohne Blattzählung, 30,5 x 20 cm. Signatur: Pad 290.

Die Universität wurde 1614/16 nach dem damaligen Brauch als Studium generale gegründet, d.h. die beiden Fakultäten der Philosophie und der Theologie traten in organische Verbindung mit dem Gymnasium, das bereits seit 1585 von den Jesuiten geleitet wurde. Die Universität unterstand dem Jesuitengeneral, der von dem Rector magnificus und dem Universitätskanzler vertreten wurde. Die Hauptverwaltung oblag dem Rektor, der Kanzler übte einzelne Ehrenrechte wie etwa das Promotionsrecht oder das Siegelrecht aus.

Jeder, der an der Universität Vorlesungen hielt oder hörte, war in die Matrikel einzutragen. Jedoch waren nur die Studenten der Philosophie und Theologie zur Immatrikulation verpflichtet (nicht die der Artes liberales, Gymnasialfakultät). Auch diejenigen, welche an der Universität Vorlesungen halten, Thesen verteidigen oder promovieren wollten, mußten sich in die Matrikel einschreiben. Während die Namen der Professoren von anderer Hand eingetragen wurden, mußten die Eintragungen der Studenten eigenhändig geschehen. Je nach den Vermögensverhältnissen war dem Namen und dem Geburtsort ein A, B, C oder O beizufügen. A bezeichnete die Nobiles (Söhne von Adelige, Räten, Doktoren oder solche, die ähnliche Obliegenheiten hatten), B die Divites (Söhne von Reichen, die von ihrem Reichtum auch leben konnten und nicht zu arbeiten brauchten), C die Mediocres (solche, deren Eltern durch Arbeit für sich und ihre Kinder sorgen konnten) und O die Pauperes (Söhne von Armen, die ihren Kindern kein Studium finanzieren konnten).

Edition und Lit.: Freisen, Joseph: Die Matrikel der Universität Paderborn. Matricula Universitatis Theodorianae Padibornae. 1614-1844. Bd. 1.2. Würzburg 1931/32. (Reprint: Nendeln/Liechtenstein 1980.)

 

Feller, Joachim: Der andächtige Student, Das ist Andächtige Seufftzer und Gebet, so von einem Studenten auf der Universität ... heilsamlich gebraucht werden. Leipzig 1693. Signatur: Th 2722.

Dieses kleine Gebetbüchlein wurde von den Studenten der Paderborner Universität offensichtlich intensiv benutzt. So sind sowohl vorn als auch hinten eigene Gebete handschriftlich nachgetragen.

 

Als Logatithmentafel bezeichneter chinesischer Druck, China um 1700, chinesisches Reispapier, Blockbuchform, 28 x 17,5 cm. Ohne Signatur.

Durch das intensive Engagement der Jesuiten in China, wobei es zu sehr fruchtbaren Begegnungen der beiden Kulturen kam, wurden auch chinesische Bücher nach Europa mitgebracht, die heute sehr selten sind. Bei dem vorliegenden Druck handelt es sich, wie Franz Hammer 1950 feststellte, nicht um Logarithmentafeln, "sondern um eine Faktoren- und Primzahlentafel, letztere bis 50.000, zwar nicht fehlerlos, aber für die Zeit doch sehr beachtlich". Das Papier ist so dünn, daß es nur auf einer Seite bedruckt werden konnte. Die einzelnen Bätter wurden dann geknickt und an der offenen Seite zusammengebunden (Blockbuchform). Der äußere Einband besteht aus Seide.

Lit.: Hammer, Franz: Keplers Rudolphinische Tafeln in China. In: Naturwissenschaftliche Rundschau. April 1950, 194-198, hier 198.

 

5. PADERBORN, KAPUZINER UND FRANZISKANER

Die Kapuziner kamen 1612 nach Paderborn. Domdechant Arnold von der Horst errichtete 1613/14 für sie Kirche und Kloster, die jedoch 1616 bis auf die Grundmauern niederbrannten. 1811 wurde das Kloster von der napoleonischen Verwaltung aufgehoben, die Patres durften aber im Kloster bleiben. Das Ende kam 1834. Ab 1846 wurde ein sogenanntes Knabenseminar eingerichtet, das bis 1979 existierte. Heute ist im alten Kapuzinerkloster das Liborianum, eine Bildungsstätte des Erzbistums Paderborn untergebracht.

Bei der Ausstattung der Bibliothek legten die Kapuziner nicht so sehr Wert auf eine kostbare Aufmachung der Bücher. Wenn man sie selbst kaufte, bekamen einen einfachen und schlichten Einband, Geschenke oder Nachlässe nahm man so, wie sie waren. Insgesamt ist der Erhaltungszustand der Bettelordensbibliotheken besonders schlecht. Zu vermuten ist, daß auch von den Kapuziner-Büchern nur die wertvolleren erhalten geblieben sind und in die Theodorianische Bibliothek kamen. Mit dieser gelangten sie schließlich in die Akademische Bibliothek.

Die Franziskaner wurden 1656 vom Fürstbischof Dietrich Adolf von der Recke aus seelsorglichen Gründen nach Paderborn gerufen, das durch den Dreißigjährigen Krieg stark gelitten hatte. Dazu kam noch, daß gerade in den Jahre 1655/56 im Hochstift Paderborn "Besessene" auftraten, über deren seelsorgliche Behandlung es zwischen Jesuiten und Kapuzinern zu heftigem Streit kam. Diesen sollte die Berufung der Franziskaner beenden. Aus den Quellen ergeben sich sehr früh schon Hinweise, daß die Ausbildung der Patres im Kloster selbst geschah, ja daß geradezu die Franziskanerlektoren die Professoren an der Universität durch die Qualität ihrer Lehre aneifern würden in den öffentlichen Dusputationen, wie Fürstbischof Ferdinand von Fürstenberg 1662 berichtet. Das Kloster blieb auch während der Säkularisation bis heute erhalten, nur während des Kulturkampfes 1875 bis 1887 mußte es geschlossen werden. Während dieser Zeit und im Zweiten Weltkrieg gingen der Bibliothek zahlreiche Werke verloren. Heute stehen noch rund 1.500 alte Bücher im Kloster. 1991 wurden die Inkunabeln nach Abschluß eines Depositalvertrages in die Akademische Bibliothek übernommen.

 

Kapuziner:

Gregorius I., Papst: Moralia, seu Expositio in Job. Köln: Konrad Winters, um 1477. Signatur: I 257.

Von der Paderborner Kapuzinerbibliothek ist nur sehr wenig erhalten geblieben. Dies wenige werden die wertvolleren Bücher gewesen sein. Daher ist auch kein repräsentatives Bild von der Bibliothek mehr zu gewinnen. Die Inkunabeln, die im Besitz der Kapuziner waren, zeigen jedoch, daß sie von den unterschiedlichsten Seiten wertvolle Buchgeschenke bekamen. Fast alle Inkunabeln weisen Vorbesitzer und Schenkungsvermerke auf. So auch bei dem vorliegenden sehr repräsentativen Band mit Texten von Papst Gregor dem Großen, die bereits mit zahlreichen Randbemerkungen und –bemalungen versehen waren, als sie zu den Kapuzinern kamen. Der Schenkungsvermerk auf dem ersten Blatt lautet: "Patribus Capucinis Paderbornensibus dono dederunt D.D. Minso, Hermannus, Liborius Molitor. Orate pro eis."

Lit.: Die Inkunabeln in der Erzbischöflichen Akademischen Bibliothek Paderborn. Wiesbaden 1993, 177, Nr. 288.

 

Johannes de Verdena: Sermones Dormi secure de tempore et de sanctis. P.1.2. Basel: Johann Amerbach um 1490/95. Sign: I 43.

Sequentiae: Textus sequentiarum. Mit Kommentar. Köln: Heinrich Quentell um 1500. Signatur: I 44.

Diese beiden Bände stammen aus dem Vorbesitz des Jodocus Candidus, einem besonderen Wohltäter des Kapuzinerklosters in Paderborn, über den wir nichts weiteres wissen als daß er vicarius Paderbornensis ecclesiae und benefitiatus summi templi, also Dombenefiziat gewesen ist. Seine Bücher bildeten vermutlich den Grundstock der Kapuzinerbibliothek. Aus verschiedenen Eintragungen läßt sich ersehen, daß der erste Teil am 4. August 1614 zu den Kapuzinern kam, zu einer Zeit also, als das Kloster noch im Bau war. Der zweite Teil kam 1616. Heute sind von diesen Werken noch acht Inkunabeln und 15 spätere Titel vorhanden. Einige dieser Werke hatte Candidus schon vorher aus dem Besitz eines Heinrich Occator übernommen. Wann und unter welchen Umständen dies geschah, ist aus den Eintragungen nicht zu ersehen, auch über den Vorbesitzer Occator ist weiter nichts bekannt. Vier Inkunabeln aus seinem ehemaligen Besitz haben sich erhalten, darunter auch einige Cicerotexte. Eine der beiden Inkunabeln hat noch einen weiteren Vorbesitzer, der sich Henricus Brakelman presbiter nennt.

Lit.: Die Inkunabeln in der Erzbischöflichen Akademischen Bibliothek Paderborn. Wiesbaden 1993, 32f., 236 und 317, Nr. 412 und 605.

 

Franziskaner:

Biblia, niederdt., niederrheinische Mundart. Mit Glossen zu einzelnen Büchern nach den Postillen des Nicolaus de Lyra. Köln: Bartholomäus von Unckel, um 1478. Signatur: I/F 1.

Außergewöhnliche Bibelausgaben heben sich schon seit Gutenberg aus der ganzen Fülle der Bibeldrucke heraus. Eine davon ist die sogenannte Kölner Bibel: Der Druck wird heute in die Jahre 1478/79 datiert und dem Kölner Drucker Bartholomäus von Unckel und einem Verlegerkonsortium zugeschrieben.

Im niederdeutschen Raum entstand bald nach der Erfindung der Buchdruckerkunst auch das Bedürfnis, die Bibel in der Sprache zu drucken, die man gut verstand. Das Ergebnis des ersten niederdeutschen Bibeldruck-Unternehmens war die Kölner Bibel. Insgesamt gab es 18 deutsche Bibelausgaben bis Luther 1522 Das newe Testament deutzsch herausbrachte.

Das eigentlich Bedeutsame der Kölner Bibel sind jedoch die Holzschnitt-illustrationen. Sie verwirklichen das Ideal einer richtigen Bilderbibel, d.h. einer Bibel, bei der die Bilder nicht vereinzelte Zutaten sind, sondern mit dem vollen Gewicht der Gleichberechtigung neben dem gedruckten Text erscheinen. Die Kompositionen und die Auswahl der szenischen Darstellungen in der Kölner Bibel wurden Vorbild für die gesamte Frühgeschichte der deutschen Bibelillustration bis zur Reformation. Mit den gleichen Holzstöcken wurde noch 1522 die ebenfalls niederdeutsche Halberstädter Bibel illustriert. In Augsburg wurden die Bilder zum Teil kopiert und von Hans Holbein d.J. 1523 für die Illustration einer Basler Bibel benutzt.

Das Paderborner Exemplar dieser Kölner Bibel ist Eigentum des Franziskanerklosters und liegt als Depositum in der Erzbischöflichen Akademischen Bibliothek. Vor den Franziskanern waren die Paderborner Marktkirchpfarrei oder deren Pfarrer Everhardus Braun (Pfarrer dort von 1637-1654), der den Beinamen "Malleus haereticorum" trug, zumindest zeitweise die Eigentümer dieser Bibel. Das sagen uns die leider nur noch bruchstückhaft erkennbaren Besitzeintragungen. Es ist durchaus möglich, daß die Franziskaner, die sich ja im Bereich der Marktkirch-Pfarrei niederließen, diese Bibel zu ihrem Einzug 1656 geschenkt bekamen oder anderweitig übernehmen konnten.

Lit.: Die Inkunabeln in der Erzbischöflichen Akademischen Bibliothek Paderborn. Wiesbaden 1993, 116, Nr. 133 (Taf. 9). - Schmitt, Anneliese: Der Buchdruck des 15. Jahrhunderts im Spiegel einer Sammlung. In: Theologie und Glaube 83 (1993), 419-435, hier 433f. - Unser Erzbistum Paderborn 1997 (Diözesankalender, Dezember-Blatt: Evangelistenbild Lukas).

 

Breviarium Monasteriense. Münster: Johann Limburg, vor 1489. Signatur: I/F 5.

Aus der Bibliothek des Paderborner Franziskanerklosters sind noch etwa 25 Inkunabeln vorhanden, die alle als Depositum in der Akademischen Bibliothek liegen. Darunter befindet sich auch der Winterteil des "breviarii secundum ordinanciam maioris ecclesiae necnon tocius diocesis monasteriensis". Der Sommerteil fehlt. Gedruckt wurde dieses Brevier von Johann Limburg aus Aachen, dem ersten und einzigen in Westfalen selbst tätigen Inkunabeldrucker. Sein erster bekannter Druck erschien in Münster im Jahre 1485. Neben einigen Werken des Rudolf von Langen gilt das Münstersche Brevier als sein Hauptwerk.

Wie dieses Werk in das Franziskanerkloster in Paderborn gelangt und warum, ist nicht mehr zu klären. Es wird hier jedoch wohl kaum noch zu liturgischen Zwecken benutzt worden sein, zumal es seit 1513 ein eigenes Paderborner Brevier gab und überhaupt die alten Breviere seit der Reform der liturgischen Bücher auf dem Konzil von Trient nicht mehr benutzt werden durften.

Lit.: Haller, Bertram: Der Buchdruck Münsters 1483 bis 1583. Eine Bibliographie. Münster 1986, 27-29. - Die Inkunabeln in der Erzbischöflichen Akademischen Bibliothek Paderborn. Wiesbaden 1993, 126, Nr. 161.

 

6. FRAUENKLÖSTER: WILLEBADESSEN, WORMELN

Aus Frauenklöstern ist an Büchern nicht sehr viel übrig geblieben. Die Situation unterscheidet sich von der bei den Männerklöstern durchweg dadurch, daß die Nonnen, seien es Benediktinerinnen, Zisterzienserinnen oder spätere Gründungen, in Westfalen keine nennenswerten Bibliotheken gegründet oder unterhalten haben. Zwar wurden auch hier Bücher geschrieben und illuminiert, aber dies war nur eine neben anderen Handarbeiten wie Stricken, Spinnen und Weben. Die Bücher, die sich oft im Laufe vieler Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte in einem Kloster ansammelten, waren vor allem für die Liturgie und allenfalls die Schule bestimmt. Was darüber hinausging, gehörte dem Pater bzw. Beichtvater oder Seelsorger, der auch meist im Kloster wohnte.

Ein relativ großer Bestand hat sich aus dem Benediktinerinnenkloster Willebadessen erhalten, obwohl die Bibliotheken von Kloster und Pfarrei sich nicht mehr auseinanderhalten lassen; nur in einigen wenigen Bänden steht ausdrücklich ein Besitzvermerk der Klosterbibliothek. Auch die Benediktinerinnen von Gehrden haben wohl kaum Bücher besessen, und die noch vorhandenen Bücherbestände aus dem Zisterzienserinnenkloster Wormeln sind bis auf einige handschriftliche Gesangbücher für die Nonnen wohl eher dem Seelsorger zuzuordnen:

 

Willebadessen:

Evangeliar aus Willebadessen, 12. Jahrhundert, Pergament, 186 Bll. 24,5 x 17 cm. Ohne Signatur (Depositum Pfarrei Willebadessen).

Dieses Evangeliar ist das älteste noch erhaltene Buch aus Willebadessen. Falls es nicht später erst nach Willebadessen gekommen ist, könnte es zur Gründungsausstattung des Klosters gehört haben.

Die für Evangeliare üblichen Kanonbögen sind angedeutet. Beeindruckend ist der schwere Eichenholz-Buchdeckel, der z.T. wohl noch ursprüngliche Bemalungen aufweist, jedoch im 19. Jahrhundert mit Tapetenpapier umkleidet wurde. Eine Vertiefung im vorderen Deckel läßt auf ein ehemals vorhandenes Elfenbeintäfelchen oder einen Reliquienkasten schließen. Der Buchschnitt ist geschmückt mit farbigen ornamentalen Mustern.

Lit.: Schmalor, Hermann-Josef: Die Bibliothek in Willebadessen. In: Willebadessen, gestern und heute. Paderborn 1999, 81-92, hier 82f. - Hinz, Ulrich: Handschriftencensus Westfalen. Wiesbaden 1999, 267.

 

Gebetbuch (niederdt. und lat.), 15. Jahrhundert, Papier, 414 Bll., 9 x 6,5 cm. Signatur: Pad 186.

Neben dem Evangeliar sind aus Willebadessen 18 weitere Handschriften, vorwiegend aus dem 17. und 18. Jahundert noch vorhanden. Bei der Mehrzahl handelt es sich um Gebet-, Erbauungs- und Betrachtungsbücher, die oft auch die Namen der Nonnen enthalten, die sie benutzt und später dem Kloster überlassen oder vererbt haben. So tauchen hier Namen auf wie Maria Anna Neikirch, Maria Magdalena Franziska von der Borch, Maria Franziska Brenken, Margareta Sommerken und die Äbtissin Theodora Sybilla Heising.

In diesem Büchlein ist als Schenkungs- und Besitzvermerk eingetragen: "Pro devotis virginibus in Wylbosen mittatur corona ex parte fratris Bonaventure Hagen ...". Im Innendeckel: "Pfarrkirche zu Willebadessen".

Lit.: Schmalor, Hermann-Josef: Die Bibliothek in Willebadessen. In: Willebadessen, gestern und heute. Paderborn 1999, 81-92, hier 82. Hinz, Ulrich: Handschriftencensus Westfalen. Wiesbaden 1999, 242.

 

Breviarium Reverendorum patrum ordinis divi Benedicti de observantia per Germaniam ... in Egmundensi monasterio accuratissime castigatum. Paris 1507. Signatur: Hx 68

Anna Wegewort hatte dieses Brevier der Bursfelder Kongregation, das im Jahr 1507 gedruckt worden war, wohl kurz nach ihrem Eintritt ins Kloster von Margareta de Kalenberch, ebenfalls Benediktinerin in Willebadessen, geschenkt bekommen. Es hatte für sie offensichtlich einen besonderen Wert, denn sie ließ sich einen (neuen?) Einband anfertigen, und zwar durch Lucas Moll, Prior in Liesborn. Auf den Einband ließ sie die Buchstaben S A W (Sorror Anna Wegewort) prägen. Dieser Vorgang ist im Buch dokumentiert durch einen lateinischen Eintrag, der im Deutschen lautet: "Dieses Buch ließ binden und in Ordnung bringen Fr. Lucas Moll, Prior und Conventuale im Kloster Liesborn, in erster Linie zu Jesu Christi Ruhm und Ehre, sodann zur Gefälligkeit für die Schwester Anna Weggewoirdts, die in Willebadessen nach der Regel des hl. Benedikt ihrem Bräutigam Christus dient." Dieses Buch gelangte auf unbekannten Wegen in die Dechaneibibliothek Höxter und von dort in die Akademische Bibliothek Paderborn.

Lit.: Honselmann, Klemens: Das Brevier der Benediktinerin Anna Wegewort in Willebadessen und sein Einband (aus Kloster Liesborn?). Westf. Zeitschrift 128 (1978), S. 435-440. - Schmalor, Hermann-Josef: Die Bibliothek in Willebadessen. In: Willebadessen, gestern und heute. Paderborn 1999, 81-92, hier 88f.

 

Wormeln:

Choralbuch mit Noten (Graduale), 1. Hälfte 18. Jahrhundert, Papier, 354 Bll., 20,3 x 16 cm. Signatur: Pad 180.

Gesangbuch mit Noten in deutscher Hufnagelnotation, das von den Schwestern in Wormeln benutzt wurde. Am Schluß des Buches Angaben über die musikalische Gestaltung des Gottesdienstes aus dem Jahre 1736.

 

Choralbuch mit Noten, 1. Hälfte 18 Jahrhundert, Papier, ohne Seitenzählung, 20 x 15,3 cm. Signatur: Pad 181.

Auch dieses Gesangbuch stammt aus dem Zisterzienserinnenkloster Wormeln. Als Besitzerin wird die Schwester Maria Ludgardis Wilhelmi genannt. Solche oder ähnliche handgeschriebene Gesangbücher wurden in Wormeln von vielen Schwestern verwendet. Mehrere Exemplare sind heute noch in der Akademischen Bibliothek vorhanden. - Die Einlage stammt vielleicht aus dem Klostergarten.