Sursum Corda

 
Zur Geschichte des Paderborner Diözesangesangbuches

 

Eine Ausstellung der Erzbischöflichen Akademischen Bibliothek Paderborn

Vom 7.5. bis 2.6.1999

 

Konzeption und Auswahl der Exponate:

Dr. Erika Heitmeyer, Hermann-Josef Schmalor

 

 

 

 

 

 

 

Übersicht über die Ausstellung

 

Aus der katholischen und evangelischen Gesangbuchtradition

Gebrauchseinbände von Gesangbüchern des 18. und 19. Jahrhunderts

Gesangbuchtraditionen aus verschiedenen Diözesen

 

Paderborner Gesangbuch 1609 – 1720

Paderborner Gesangbuch 1726 – 1790

Paderborner Gesangbuch 1765 – 1780

 

Paderborner Choralbücher für den Volksgesang:

Spezialgesangbuch für das Gymnasium Theodorianum

Spezialgesangbuch für die Universitäts-, bzw. Marktkirche

 

Historisches Umfeld für die Entstehung des Sursum Corda:

Bischof Konrad Martin und der Kulturkampf

 

Gesangbuchvielfalt im 18. und 19. Jahrhundert auf dem Gebiet der Diözese Paderborn

Westlicher Teil / Östlicher Teil

 

Gesangbuchvielfalt im 19. Jahrhundert: Inoffizielle „Diözesan“-Gesangbücher

Das Gesangbuch von Joseph Tillmann 1796 – 1876

Das Gesangbuch von Melchior Ludolph Herold 1803- 1860

Das Gesangbuch von Heinrich Bone 1847 – 1905

 

Sursum Corda 1874 - 1948

Sursum Corda 1948 - 1974

Gotteslob Paderborner Anhang ab 1975

 

Liborius-Lieder in den Paderborner Gesangbüchern

 

Die Bibliothek dankt einem privaten Leihgeber sowie dem Erzbistumsarchiv für die Überlassung von wichtigen Ausstellungsstücken.

 

 

 

 

 

 

Sursum Corda

Vom Wesen und Wirken eines geistlichen Bestsellers

 

Von Dr. Erika Heitmeyer

 

Inhalt

 

I. Das „Sursum corda“ von 1874 in seinem historischen Umfeld

1. Zum Einführungserlaß

2. Gesangbuch, Bistum und Kulturkampf

3. Das „Sursum corda“ als Bekenntnisbuch

 

II. Zur Paderborner Gesangbuchgeschichte

1. Die drei Gesangbücher vor dem „Sursum corda“

a. Das Gesangbuch von 1609

b. Das Gesangbuch von 1726

c. Das Gesangbuch von 1765

2. Zu den konkurrierenden Gesangbüchern nach 1790

a. Zu den Ursachen der Gesangbuchvielfalt

b. Das Gesangbuch von Joseph Tillmann (1796)

c. Das Gesangbuch von Melchior Ludolf Herold (1803)

d. Das Gesangbuch von Heinrich Bone (1847)

e. Weitere Hinweise zur Vielfalt des Kirchengesangs vor dem „Sursum corda“

 

III. Das „Sursum corda“ (1874-1974) als diözesanes Gesang- und Gebetbuch

1. Der „Triumphzug“ des „Sursum corda“ von 1874

2. Altes und Neues im Gesangbuch von 1874

3. Struktur des Gesang- und Gebetbuchs von 1874

4. Die neue Ausgabe von 1948

 

Quellen und Literatur

 

 

Erinnerungen von Prälat Franz Wüstefeld an die Vorarbeiten für die Neuausgabe des Sursum corda 1948

 
 
Lieder zum hl. Liborius

 

 

 

 

I. Das „Sursum corda“ von 1874 in seinem historischen Umfeld

 

1. Zum Einführungserlaß

Vor nunmehr 125 Jahren ist in Paderborn ein neues „Katholisches Gesang- und Gebetbuch“ erschienen mit dem Titel „Sursum corda!“, approbiert durch Bischof Konrad Martin (1856-1879), gedruckt und verlegt durch die Junfermann’sche Buchhandlung (Albert Pape)[1].

Unter dem Datum des 2. Juni 1874 empfiehlt Bischof Konrad Martin die Einführung des neuen Gesangbuchs in den Gemeinden der Diözese[2]. Er ordnet sie nicht an. Vielmehr überläßt er die Entscheidung über die Einführung des von ihm ausdrücklich verantworteten und gelobten Buches den Pfarrgeistlichen. Diese sollen einen Antrag an das Generalvikariat richten, der keine Begründung, jedoch die Versicherung enthalten muß, „daß Aufregung und Störung in der Gemeinde nicht zu befürchten sei.“[3] Zugleich stellt der Bischof jedem Pfarrer frei, „das in seiner Gemeinde bisher gebrauchte Gesangbuch ferner beizubehalten.“[4]

Das hier auffällig übervorsichtige Taktieren des Bischofs, der sich andererseits durch seine Charakterstärke und seinen kirchentreuen Mut bald den Ruf eines „Athanasius von Deutschland“ erwarb[5], läßt sich erklären durch die höchst kritische kirchenpolitische Lage im „Kulturkampf“ der Jahre 1871 bis 1887, die nach der Reichsgründung 1870/71 beginnende Auseinandersetzung zwischen Staat, Parteien und katholischer Kirche speziell im protestantisch geprägten Preußen. Der mit äußerster Härte geführte Kampf, von Reichskanzler Otto von Bismarck (1862-1890) gegen die katholische Kirche „vom Zaun gebrochen“[6], brachte auch die Paderborner Kirche in arge Bedrängnis.

 

2. Gesangbuch, Bistum und Kulturkampf

Bischof Konrad Martin stand persönlich und als Amtsträger im erklärten Treueverhältnis zu Papst Pius IX. (1846-1878)[7]. Als Teilnehmer des Ersten Vatikanischen Konzils (1869-1870) trat er maßgeblich für die Formulierung des Unfehlbarkeitsdogmas ein und sorgte für die entschiedene Durchsetzung des Konzilsbeschlusses im Bistum Paderborn; dieser traf auf breite Zustimmung im romtreuen katholischen Volk[8], führte aber auch zum (zeitweiligen) Übertritt von fünf Diözesanpriestern zu den Altkatholiken. Ein singuläres Ereignis ist die Rauferei zwischen Katholiken und Altkatholiken in Attendorn[9].

Während sich der Konzilsbeschluß nahezu widerspruchsfrei durchsetzen ließ, wurde eine andere romkonforme Maßnahme des Bischofs Konrad Martin zum Stein des Anstoßes, räumlich über das Bistum hinaus und zeitlich bis in den Kulturkampf hinein: Er veröffentlichte 1864 ein Buch mit dem Titel „Ein Bischöfliches Wort an die Protestanten Deutschlands, zunächst an diejenigen meiner Diöcese über die zwischen uns bestehenden Kontroverspunkte.“ Das umfangreiche Werk, Teil I mit 227, Teil II mit ebenfalls 227 Seiten, stellt die Lehre von der Kirche und die Lehre der Kirche dar[10]. Als anstößig empfunden wurde die Aufforderung des Bischofs, der sich als Oberhirte aller Christen seines Sprengels bezeichnet, daß die Protestanten in die katholische Kirche zurückkehren sollten. Das Werk erlebte noch im Erscheinungsjahr drei Auflagen und 1866 als „Volksausgabe“ im kleineren Format drei weitere Auflagen. Es provozierte, neben Zustimmung aus katholischen Kreisen, eine große Zahl von Kontroversschriften seitens protestantischer Theologen[11]. Da der Streit sich auch in der Tagespresse niederschlug, ließ der preußische Kultusminister dem Paderborner Bischof am 16. September 1864 mahnend mitteilen, daß zu weiteren polemischen Presseartikeln und damit zu einer öffentlichen Beunruhigung kein Anlaß mehr gegeben werden solle[12].

Die hier referierte staatliche Reaktion auf das öffentlich gezeigte katholische Selbstbewußtsein erlaubt, neben vielen anderen darstellbaren Beispielen, einen Blick auf die Stoßrichtung des preußischen Kulturkampfes, der in seiner ersten aggressiven Phase ausgesprochen anti-klerikal angelegt war[13]. Mit einer Reihe von staatlichen Maßnahmen versuchte Bismarck, die Macht der katholischen Kirche zu untergraben, zusätzlich motiviert durch sein Mißtrauen gegen die politische Repräsentanz der katholischen Interessen, das „Zentrum“, dem nicht wenige Geistliche, auch als Reichstagsabgeordnete, angehörten[14].

Die Kaskade der Kulturkampfgesetze begann am 10. Dezember 1871 mit dem sogenannten Kanzelparagraphen, der eine den öffentlichen Frieden gefährdende Erörterung staatlicher Angelegenheiten durch Geistliche in Ausübung ihres Amtes mit Gefängnis bedrohte[15]. Ihm folgten am 11. März 1872 das Schulaufsichtsgesetz und am 4. Juli das Gesetz über die Ausweisung der Jesuiten. Durch die Maigesetze von 1873 wurde das staatliche Aufsichtsrecht verstärkt, die kirchliche Disziplinargewalt eingeengt und ein staatliches Einspruchsrecht bei der Einstellung von Geistlichen eingeräumt. Das Expatriierungsgesetz vom Mai 1874 erlaubte es den Regierungen, Geistlichen einen Aufenthaltsort zuzuweisen oder sie aus dem Reich auszuweisen. Es folgten im April 1875 das sogenannte Brotkorbgesetz zur Sperrung staatlicher Zuschüsse an die katholische Kirche und im Mai 1875 das Klostergesetz, das alle geistlichen Orden in Preußen aufhob, ausgenommen die Krankenpflegeorden[16].

Es setzt den heutigen Betrachter jener bedrängenden Zeitläufe in helles Erstaunen, daß es möglich war, trotz der widrigen Umstände ein neues und zudem vorzügliches Gesang- und Gebetbuch, das „Sursum corda!“ von 1874, herauszubringen. Ein Stimmungsbild der Zeit vermittelt der aus Paderborn gebürtige Priester und Dichter Ferdinand Heitemeyer (1828-1892)[17], dessen Kirchenlied „Nimm, o Herr, die Opferspende“ bis heute in überarbeiteter Fassung in der Meßfeier gesungen wird[18]. Der Dichter schickte am 17. Februar 1873 ein Preisgedicht an Bischof Konrad Martin mit dem Titel „Dem muthigen Streiter!“ In der Schlußstrophe sind Mut und Entschlossenheit im Kampf, basierend auf heilsgeschichtlicher Hoffnung und auf Brüderlichkeit, hervorgehoben:

            „Wie Hathumar und Badurad[19] besiegten

            Den Irrwahn eines blinden Heidenthumes,

            So wirst auch Du die Krone Dir erwerben.

            Doch nicht allein. Wo Feinde Dich bekriegten,

            Sind wir Genossen Deines Kampfs und Ruhmes

            Und wollen mit Dir siegen oder sterben!“[20]

 

3. Das „Sursum corda“ als Bekenntnisbuch

Die Ankündigung und die vorbereitenden Maßnahmen zur Herausgabe eines neuen Diözesangesangbuchs standen zunächst seit 1863 unter einer spirituellen und liturgischen Zielsetzung. Im Verlauf der Erarbeitung und seit dem Publikationsjahr 1874 mehrten sich jedoch die Stimmen, welche das „Sursum corda“ auch als Bekenntnisbuch erwarteten und begrüßten[21].

Am 1. Juni 1863 forderte das Bischöfliche Generalvikariat alle Pfarrer auf, binnen zwei Monaten Verzeichnisse solcher Gesangbuchlieder einzureichen, die in den Gemeinden beliebt und deren Übernahme in das geplante neue Gesangbuch notwendig oder wünschenswert sei. Als Zielvorgabe wurde dabei genannt, den Gläubigen ein „ihre Erbauung und ihre Theilnahme am Gottesdienste förderndes Mittel“ darzubieten[22].

Von dem großen Interesse an einem neuen Gesangbuch zeugen engagierte Publikationen in der kirchlichen Presse. Die „Blätter für kirchliche Wissenschaft und Praxis“ brachten in den beiden ersten Jahrgängen 1867 und 1868 einen ausführlichen vierteiligen Aufsatz „Zur Geschichte des deutschen katholischen Kirchenliedes“ mit einer Übersicht der Paderborner Gesangbuchgeschichte[23]. Der anonyme Verfasser (E. K.-B.) wehrt darin u. a. die Behauptung ab, der deutsche Kirchengesang sei erst durch die Protestanten entstanden; „sein Ursprung ist vielmehr vorreformatorisch und ächt katholisch“[24]. Konfessionsbewußt behauptet er: „Es würde der Fortschritt und die Ausbreitung des deutschen Kirchenliedes auch ohne die Reformation Statt gefunden haben, denn diese Entwickelung war eine naturwüchsige und organische.“[25] Eine ähnliche konfessionelle Abgrenzung nimmt der Verfasser S.-M. vor in seinem Artikel „Zur Gesangbuchliteratur“ im sechsten Jahrgang (1872) eben dieser Zeitschrift[26].

Am 15. Juni 1874, zwei Wochen nach der bischöflichen Empfehlung, das „Sursum corda“ in den Gemeinden einzuführen[27], veröffentlichte der leitende Redakteur der „Blätter für kirchliche Wissenschaft und Praxis“, Franz Xaver Rintelen (1830-1916)[28], eine Würdigung des neuen Diözesangesangbuchs. Einer scharfzüngigen Abwertung der bisher im Bistum benutzten Gesangbücher von Joseph Tillmann und Melchior Ludolph Herold[29] folgt ein konfessionsbetontes und gegenwartsbezogenes Plädoyer für einen baldigen Einsatz des „Sursum corda“ in den Gemeinden: „Lassen wir doch, liebe Confratres, das werthvolle kernkatholische Kapital, das im ‘Sursum corda’ niedergelegt ist, nicht unverwerthet liegen! Ich lasse hier die matte Einrede, die ich von zwei Confratres gehört, als ob die jetzige Zeit sich weniger zur Einführung eigne, durchaus nicht gelten; behaupte vielmehr, daß gerade unsere dem Glauben gefahrdrohende Zeit zur Einführung anspornen muß. In dem ‘Sursum corda’ gibt man eben unserm Volke einen Schild des Glaubens in die Hand, dessen es jetzt und in nächster Zukunft so sehr bedarf.“[30]

Im wörtlichen Bezug auf die Empfehlung Konrad Martins vom 2. Juni 1874[31], die Rintelen seiner Würdigung vorangesetzt hat, zerstreut er die Befürchtungen des Bischofs und mißt dessen Beliebtheit und Akzeptanz beim Kirchenvolk jene Durchsetzungskraft zu, die der Bischof amtlich nicht beansprucht hatte. Rintelen fährt fort: „Aufregungen, wie sie bei der Einführung eines - Herold (ich möchte fast sagen mit Recht!!) entstanden, befürchte ich nicht; unserm Volke genügt als völlige Garantie für den echt katholischen Charakter des ‘Sursum corda’ der Name seines begeistert verehrten Oberhirten Conrad Martin. Bietet dieser Bischof seinen Diöcesanen das Buch, so weiß jeder Katholik, daß er es mit einem wahrhaft katholischen Gesang- und Gebetbuch zu thun hat.“[32]

Gut zwei Jahre nach dem Erscheinen des „Sursum corda“ berichtete ein anonymer Verfasser im „Westfälischen Kirchenblatt für Katholiken“[33] vom 16. September 1876 über die begeisterte Aufnahme des neuen Gesang- und Gebetbuches in den Gemeinden: „Wie seit wenigen Jahren fast sämmtliche Diözesen Deutschlands neue Gesangbücher erhalten haben, so erfreut sich auch nunmehr die Paderborner eines solchen in dem „Sursum corda“, und von demselben möge ausschließlich hier die Rede sein. Dieß neue Gesang- und Gebetbuch wird von den Gemeinden freudig begrüßt, und findet bei seinem reichen und gediegenen Inhalte sowie wegen seiner zweckmäßigen Anlage und Darstellung überall lauten Beifall. Es wehet darin der Geist des katholischen Glaubens und der wahren Herzensandacht.“[34] Weiter heißt es in Benennung der kirchlichen Situation und in Kennzeichnung des neuen Gesangbuchs als eines sicheren Horts: „Möchte man doch ungesäumt an allen Orten mit der Einführung des Buches gleichmäßig voranschreiten; denn gerade unsere gegenwärtige Lage fordert die Anwendung aller geeigneten Mittel zur Belebung und Förderung des innern, wahren Geistes- und Glaubenslebens! Was für die Priesterschaft das Meßbuch mit Brevier, das ist für die Gemeinde das Diözesan-Gesangbuch! In ihm findet auch der katholische Christ den reinen und vollständigen, öffentlichen und gemeinschaftlichen Ausdruck seines Glaubens und Lebens, den ihm der „Culturkampf“ nicht fälschen kann.“[35]

Während das neue Gesangbuch in den Gemeinden große Zustimmung, reißenden Absatz und eifrigen Gebrauch fand, zeitigte der Kulturkampf im Bistum Paderborn verheerende Folgen, die hier nur skizziert werden können.

Am 2. Dezember 1872 verließen die Jesuiten die Domstadt, am 24. September 1873 die Redemptoristen ihre Niederlassung in Bochum[36]. Nach dem 31. Mai 1875 (Publizierung des Klostergesetzes) wurden in Paderborn weitere Niederlassungen geschlossen. Die Franziskaner, die Vinzentinerinnen, die Schwestern der Christlichen Liebe und die „französischen Nonnen“ des Michaelsklosters verließen Paderborn[37]. Das gleiche Bild bot sich im Bistum, z. B. in den Klöstern der Franziskaner in Werl und Wiedenbrück, in den Niederlassungen der Vinzentinerinnen im Lehrerseminar in Büren sowie in den Waisenhäusern in Ostuffeln und Minden[38].

Im Juni 1873 wurde der katholischen theologischen Hochschule „Seminarium Theodorianum“ in Paderborn die staatliche Anerkennung entzogen, weil das Studienangebot nicht den staatlichen Vorschriften über die Geistlichenausbildung (Maigesetze von 1873) entsprach. Deshalb fand eine Abwanderung von Theologiestudenten nach Eichstätt, Freiburg im Breisgau und Innsbruck statt[39]. Viele blieben als junge Priester im Süden; folglich fehlte in den 400 Pfarreien des Bistums bald eine ganze Priestergeneration.

Zahlreiche Pfarrer und Kapläne wurden verhaftet und abgesetzt. Die Verabschiedungen durch die Gemeinden gestalteten sich wie Triumphzüge zur Begleitung der Scheidenden; ebenso begleiteten Tausende den Abschied der Ordensleute mit öffentlichen Dankadressen und Demonstrationen. Dazu erklang häufig das Bekenntnislied „Fest soll mein Taufbund immer stehn“, wie es z. B. bezeugt ist für die Verabschiedung der Franziskaner aus Wiedenbrück (August 1875), die öffentlich begleitete Ausweisung der drei Diözesanpriester an der Redemptoristenkirche in Bochum (Juli 1875) und anläßlich der staatlich verordneten Zuweisung der Marienkirche in Bochum zur Mitbenutzung durch die Altkatholiken (Oktober 1876)[40]. Das Bekenntnislied wurde in das „Sursum corda“ von 1874 übernommen aus dem 1810 in Münster erschienenen Gesangbuch von Christoph Bernhard Verspoell[41] und damit erstmals im Bistum Paderborn allgemein verbreitet.

Eine wichtige Funktion hatte das „Sursum corda“ auch in den von Laien geleiteten Gottesdiensten in den zahlreichen Gemeinden ohne Priester. Weil 1875 schon etliche der rund 400 Pfarreien im 700.000 Katholiken zählenden Bistum verwaist waren, ordnete Bischof Konrad Martin für alle diese priesterlosen Pfarreien Laiengottesdienst an mit Gesängen, Gebeten und Lesungen „in gewohnter Weise“, nur daß der Priester fehlte[42]. Für die Sonntagsmessen bot das „Sursum corda“ mit seinen zahlreichen Meßliedreihen zweifellos eine große Hilfe, ebenfalls für Begräbnisgottesdienste[43].

Die seiner Zeit weit vorauseilende Anordnung der Laiengottesdienste traf der Bischof als Inhaftierter. „Nicht unerwartet, aber dennoch überraschend“[44] war Bischof Konrad am 4. August 1874 in seiner Wohnung verhaftet und zu 18 Wochen Freiheitsstrafe in das Paderborner Kreisgefängnis an der Königsstraße abgeführt worden wegen „gesetzwidriger“ Besetzung der Pfarrstellen in Alme, Olpe und Fürstenberg[45].

Am 5. Januar 1875 sprach die preußische Regierung die Amtsentlassung des Bischofs aus, weil er die Staatsgesetze und -anordnungen (Maigesetze von 1873) so schwer verletzt habe, daß sein Verbleiben im Amt „mit der öffentlichen Ordnung unverträglich“ erscheine[46]. Der Zentrumsabgeordnete im deutschen Reichstag, Hermann von Mallinckrodt (1821-1874), bezog am 7. Februar 1875 zu dieser Amtsenthebung folgendermaßen Stellung: „Sie können, so viel Sie wollen, in die Gesetze hineinschreiben, daß durch ein Erkenntnis des Staatsgerichtshofes ein katholischer Bischof aufhöre, ein Bischof zu sein, Sie kriegen’s nicht fertig, meine Herren, es geht nicht; ... eine Sedisvakanz (Erledigung des Bischöflichen Stuhles) schaffen Sie dadurch nicht ... Wenn die Regierung das will, dann giebt’s wirklich nur ein ... Mittel, den betreffenden Bischof, wie es dem Apostel Paulus geschehen ist, zu köpfen.“[47]

Am 18. Januar 1875 beschloß die preußische Regierung die Überführung des Bischofs zur Festungshaft nach Wesel[48]. Von Wesel floh er im August 1875 nach Holland und weiter nach Belgien. Dort traf er mit Pauline von Mallinckrodt (1817-1881) zusammen, der Schwester des oben zitierten Zentrumsabgeordneten und Gründerin sowie Generaloberin der Genossenschaft der Schwestern der Christlichen Liebe (Gründung 1849 in Paderborn). Im neuen Mutterhaus, dem Exil der Schwestern in St. Guibert, fand Bischof Konrad Aufnahme bis zu seinem Tod (16. Juli 1879)[49].

Über seinen Geheimsekretär Christian Stamm (1837-1920) hielt der Bischof, dem am 15. August 1875 von der preußischen Regierung die Staatsangehörigkeit aberkannt worden war, aus dem Gefängnis und dem Exil Kontakt zu seiner Diözese und vermittelte den Diözesanen durch zahlreiche Schriften Mut und Perspektiven[50]. Als ein Beispiel unter vielen[51] sei „Das christliche Leben“ genannt, 23 „Vorträge“ zur christlichen Ethik und Asketik für „gebildete Laien“. „Die unvergänglichen flammenden Wahrheiten, wie sie diese Schrift darstellt, sind zugleich jene hellen glanzreichen Waffen, denen keine feindliche Macht Stand hält und wodurch wir auch in dem ernsten Kampfe, der jetzt gegen uns herauf beschworen ist, sicherlich obsiegen werden!“ So schließt Konrad Martin sein Vorwort, das datiert ist: „Paderborn, im Kreisgefängnisse, Januar 1875.“[52] Der letzte Vortrag „ Die Feier der heiligen Zeiten und Feste“[53], das frömmigkeitspraktische Resümee des Buches, ordnet den Betrachtungen zu den Festen und Hochfesten die Texte von deutschen Gesangbuchliedern im vollen Wortlaut zu, die dem „Sursum corda“ von 1874 oder der Paderborner Auflage (1851) des im Bistum verbreiteten „Cantate“ von Heinrich Bone entstammen

Der oben genannte Stellenwert des Gesangbuchs im hier skizzierten historischen Umfeld wird einmal mehr deutlich: Es hat eine spirituelle und liturgische Zielbestimmung und ist zugleich ein Bekenntnisbuch.

 

 

II. Zur Paderborner Gesangbuchgeschichte

Vor 1874, dem Erscheinungsjahr des „Sursum corda“[54], hat es im Bistum Paderborn bereits drei Gesangbuchserien gegeben. Paderborn kann sich rühmen, eines der frühesten bischöflich autorisierten Gesangbücher (1609) gehabt zu haben nach Bamberg (1575), Speyer (1599), Konstanz (1600) und Mainz (1605)[55] und deutlich vor Würzburg (1628), Osnabrück (1628) und Münster (1677)[56]. Es liegt somit eine Jahrhunderte währende Paderborner Tradition des deutschen Gemeindegesangs vor, die im gedruckten Zeugnis 1609 beginnt, sich im 18. Jahrhundert mit zwei weiteren Gesangbuchserien (ab 1726 und ab 1765), im 19. Jahrhundert mit dem „Sursum corda“ (1874) fortsetzt, um im 20. Jahrhundert mit dem Erscheinen des Einheitsgesangbuchs „Gotteslob“ (1975) zu enden und zu münden.

 

1. Die drei Gesangbücher vor dem „Sursum corda“

a. Das Gesangbuch von 1609

Unter Fürstbischof Dietrich von Fürstenberg (1585-1618), dem „dritten Begründer der Paderborner Kirche“[57] nach den konfessionellen Wirren des 16. Jahrhunderts, gründete der Drucker Matthaeus Pontanus (um 1565-1622)[58] im Jahr 1596 eine Offizin in Paderborn. Die Drucke aus dieser Offizin standen weitestgehend im Dienst der Rekatholisierung von Stadt und Hochstift Paderborn[59].

Bereits 1600 und 1602 wurden von Pontanus zwei Gesangbücher gedruckt, die verschollen und nur literarisch nachweisbar sind[60]. Im Jahr 1609 erschien das autorisierte Gesangbuch „Alte Catholische Geistliche Kirchengesäng / auff die fürnemmste Feste / auch in Processionen / Creutzgängen und Kirchenfärten: Bey der H Meß / Predig / in Häusern / und auff dem Feldt zugebrauchen / sehr nützlich / sampt einem Catechismo. Durch gnedigem Consens Deß Hochwürdigen Fürsten und Herrn / Herrn Dietherichen Bischoffen des Stiffts Paderborn / etc. Außgangen. Gedruckt zu Paderborn / Bey Matthaeo Pontano M.DC.IX.“[61].

Es handelt sich, dem Usus der Zeit entsprechend, um ein reines Gesangbuch mit 133 mehrheitlich deutschen Liedern unter Noten[62], noch nicht um ein Gesang- und Gebetbuch, wie es sich seit dem 17. Jahrhundert, oder um ein Gesang-, Gebet- und Tugendbuch, wie es sich seit dem 18. Jahrhundert entwickelte[63].

Der hochinformative Titel gibt Auskunft über Inhalt und Verwendung des Buches. Die im Titel zuletzt genannten Katechismuslieder bilden den einleitenden Abschnitt. Die folgenden Liedgruppen sind weitgehend nach dem Kirchenjahr geordnet, von Adventsliedern bis zu eschatologisch ausgerichteten Gesängen. Bezüglich der Verwendung ist an öffentliche Gottesdienste, Hausandachten und den arbeitbegleitenden Gesang gedacht.

Liturgiegeschichtlich interessant ist die ausdrückliche Nennung der Meßfeier als Verwendungsort. Neben der Nennung im Titel, die an die Liedbegleitung des Propriums denken läßt, fallen innerhalb des Liedkorpus zwei Zuweisungen von Leisen zu Teilen des Ordinariums auf: „Unter der Elevation, und bey der Communion“[64], ferner: „Ein Dancksagung nach der heiligen Communion...“[65]. Hier zeigt sich ein erster Ansatz, einen Bezug des deutschen Gesangs auf den Gang der Meßfeier herzustellen[66], aber auch die Bewahrung der mittelalterlichen Praxis des Volkes, durch Gesänge „im Umkreis der Konsekration“ partizipierend präsent zu sein[67].

Die wohldurchdachte Konzeption des Paderborner Gesangbuchs von 1609 ist einerseits eine Leistung des gebildeten Druckers Pontanus, andererseits verdankt sie sich wahrscheinlich auch der Zusammenarbeit des Druckers mit Leonhard Ruben (1551-1609), dem Abt des Paderborner Abdinghofklosters[68], und mit den Jesuiten, die seit 1580 in Paderborn in Schule und Seelsorge wirkten.

Matthaeus Pontanus druckte zwei weitere Auflagen des Gesangbuchs in den Jahren 1616 (verschollen) und 1617[69]. Sein Sohn Heidenreich Pontanus druckte 1628 eine vierte Auflage[70]. Die letzte Auflage des Gesangbuchs erschien 1720 bei Johann Ditherich Todt in Neuhaus[71]; damit übertraf es die Geltungsdauer des „Sursum corda“ um ein gutes Jahrzehnt.

 

b. Das Gesangbuch von 1726

Mit dem bischöflich autorisierten Gesangbuch von 1726, gedruckt in der Hof-Buchdruckerei Todt, begann „ein neuer Abschnitt“ in der Paderborner Gesangbuchgeschichte[72]. Das Buch erlebte zahlreiche Auflagen, von denen ein Exemplar von 1737, identisch mit der ersten Auflage 1726[73], dieser Abhandlung zugrunde liegt. Nach 1737 wurde das Gesangbuch ohne Jahresangaben gedruckt bei der Wittib Schirmer[74] und ab 1760 bei W. Junfermann in Paderborn, dort zuletzt 1790[75].

Die Ausgabe von 1737 hat folgenden Titel:

„Christ-Catholisches Gesang-Buch / Nach Meynung Ihro Päbstl. Heil. Benedicti XIII. in dem Concilio so gehalten zu Rom 1725 / Und auf ggste Anordnung Ihro Churfürstl. Durchl. Clementis Augusti also eingerichtet / Daß darinn begriffen: 1. Alle zum Himmel nützliche / oder nothwendige Stück. 25 Andächtig-Christliche Wercke / als Morgens-Abends- und Meß-Gesänge. Außerlesene Gesäng auff die fürnehmste Fest-Tage des gantzen Jahrs und bey Proceßionen / mit höchsten Nutzen der Seelen zu gebrauchen. 1737. Cum Privilegio Serenissimi Electoris Colon. Paderborn / bey Joh. Dit. Todt / Hoff-Buchtr.“[76]

Das Buch, das außer drei Litaneien keine Gebete enthält, umfaßt 328 Seiten, zuzüglich 8 unpaginierter Registerseiten zu den Liedanfängen. Es enthält 207 deutsche und 34 lateinische Liedtexte ohne Noten, aber mit Verweisen zu bekannten Melodien[77].

Die im Titelblatt erwähnte „Anordnung“ des Kurfürsten Clemens August, Fürstbischofs von Regensburg, Münster, Köln, Hildesheim, Osnabrück und Paderborn (1719-1761)[78], ist auf den ersten beiden Seiten des Buches mit einer Bestätigung von Weihbischof Pantaleon Bruns (1721-1727), abgedruckt. Nach einer Erneuerung des Druckerprivilegs, die wirtschaftlichen Interessen dient, befiehlt der Bischof „allen Pastoribus, Schulmeisteren und Schulmeisterinnen“, „keine unapprobirte und ausser Paderborn getruckte Gesang-Evangelien-Catechismus- und A, B, C Bücher in Kirchen und Schulen zu gebrauchen/oder zu dulden.“[79]

Die Anordnung von Papst Benedikt XIII. (1724-1730), getroffen auf dem Provinzialkonzil zu Rom (1725), nach der Messe - vor und nach der Predigt - Katechismuslieder einzuüben, ist in recht unpräziser inhaltlicher Wiedergabe dem Buch als „Vorrede“ beigegeben[80].

Das Gesangbuch von 1726 hat eine eigenwillige inhaltliche Anordnung, die weitgehend schon im Titel angekündigt ist. Den ersten Teil bildet ein Zyklus von Katechismusgesängen[81]. Es schließt sich ein ausführliches Kapitel an mit Liedern zum Glaubensleben und zur Heiligung des Alltags unter der Überschrift „Fünff und zwantzig Christl. Werck“[82]. Die „christl. Werck“ 10, 11 und 12 sind der Beichte, der Kommunion[83] und der Meßfeier[84] zugeordnet. Der folgende umfangreichste Teil ist weitgehend nach dem Kirchenjahr geordnet[85]. Den sich anschließenden Marien-, Engel- und Heiligenliedern folgt ein Liederzyklus in der Anordnung eines mystischen Stufenweges: „Im Weg der Reinigung. Im Weg der Erleuchtung. Im Weg der Vereinigung“[86], thematisch den „letzten Dingen“, der Ergebenheit in den Willen Gottes und der Jesus- und Gottesminne gewidmet. Den Abschluß des ganzen Liedkorpus bildet eins der ältesten deutschen Einheitslieder „Nun lobet Gott im hohen thron“, das fortan in allen Paderborner Gesangbüchern und auch im „Gotteslob“ (Nr. 265) zu finden ist[87].

Aus den auffälligen Merkmalen des Buches können hier nur einige schlaglichtartig beleuchtet werden: Die Konzeption und textliche Realisation lassen auf einen jesuitischen Einfluß schließen[88], z. B. die Liedkatechese, die Heiligung des Alltags, die Josephsverehrung[89], ein dem hl. Aloysius von Gonzaga nachempfundenes Lied[90], zahlreiche Lieder von Friedrich Spee[91] (1591-1635) und nicht zuletzt die deutsche Meßliedreihe[92].

Diese Meßliedreihe ist eine der frühesten, die überliefert ist. Es handelt sich um Lieder zu folgenden Teilen des Ordinariums:

- „Unter dem Gloria“

- „Vor dem Evangelio“

- „Unter dem Offertorio“

- „Nach der Präfation“[93]

- „Unter der Elevation“[94]

- „Unter dem Agnus Dei“

- „Unter der Communion“.

Nicht eins der sieben Lieder dieser Reihe ist im Gesangbuch von 1609 zu finden. Alle Texte sind in Inhalt und Länge auf die Struktur und den zeitlichen Rhythmus der Meßfeier abgestimmt. Damit fand nicht ein Übertönen der Liturgie durch das Volk statt - wie etwa beim auch üblichen Überbeten durch den Rosenkrenz und durch Privatandachten[95] -, sondern eine Singbegleitung gemäß den Teilen der Feier. Man darf hier von einer frühen Form der aktiven Teilnahme der Gemeinde an der liturgischen Feier sprechen. Es ist nicht auszuschließen, daß es sich nicht nur um den additiven Volksgesang zur lateinischen Liturgie handelt, sondern um eine substitutive Funktion des deutschen Liedes anstelle des nur gehörten lateinischen Priester- oder Chorgesangs. Wie anders sollte man die Ortszuweisungen („Unter“) in der Meßliedreihe von 1726 verstehen? Eine Frühform des Deutschen Hochamts ist hier nicht von der Hand zu weisen[96].

Da das Gesangbuch von 1726 nur diese eine Meßliedreihe anbietet und ansonsten keine liturgische Verwendung von Liedern empfiehlt oder vorschreibt, bleibt die Frage nach üblichen Propriumsliedern offen[97].

Abschließend sei erwähnt, daß das Gesangbuch von 1726 erstmals ein Liboriuslied enthält, dessen Text der Melodie des Elevations- und Kommunionlieds „Frewt euch jhr lieben Seelen“ (Paderborn 1609)[98] unterlegt ist und dessen erste Strophe hier zitiert werden soll:

„Freuet euch ihr Paderborner /

Euch ist ein freud beschert:

Uns ist der Cenomanner[99] /

der größte schatz verehrt /

den vor neun hundert jahren /

der bischoff Badurad /

Auß Franckreich hat gefahren /

Zu uns in aller gnad /

Kyrie eleison.“[100]

 

c. Das Gesangbuch von 1765

Es ist ein wenig verwirrend, daß während der Geltungsdauer, des Gebrauchs und der wiederholten Drucklegung des Gesangbuchs von 1726 ein neues approbiertes Diözesangesangbuch erscheint, das kürzere Zeit auf dem Buchmarkt ist (bis 1780) als das genannte ältere (bis 1790). Die Erstausgabe dieser dritten Paderborner Gesangbuchserie vor dem „Sursum corda“ hat den Titel:

 „Gott, und der allerseeligsten Gottes-Gebährerin, und Jungfrauen Mariae gewidmetes, Neues, verbessert - und vermehrtes Catholisch-Paderbornisches Gesang-Buch, Welches zum Gebrauch des öffentlichen Gottesdienstes in denen Kirchen so wol, als zu eines jeden besonderen Andacht, und Seelen-Heyl, zu gebrauchen. In eine bequemere Ordnunge eingetheilet, und mit Noten, zu denen neuen, und unbekannten Gesängen, versehen. Mit Approbation und Erlaubnüß hoher Obrigkeit. Paderborn: Gedruckt und verlegt von Wilhelm Junffermann, Hoff-Buchdrucker 1765.“[101]

Das mit Noten ausgestattete Buch enthält 321 numerierte Texte auf 542 Seiten, wobei 5 Litaneien mitgezählt sind. Es handelt sich, wie schon bei den älteren Paderborner Gesangbüchern, ansonsten um ein reines Gesangbuch mit weitestgehend deutschen Liedern. Vorgeschaltet sind 11 unpaginierte Seiten mit Bibelzitaten, der Approbation durch Generalvikar Johann Adolf von Dierna (1759-1799) mit der Anweisung zum Gebrauch des Buches in allen Kirchen der Diözese, einer siebenseitigen Vorrede und einer klar gegliederten Übersicht über die 34 Kapitel des Buches. Den Liedern folgt am Ende ein unpaginiertes zwölfseitiges alphabetisches Register.

Die Vorrede begründet die neue Ausgabe eines Gesangbuchs mit der wünschenswerten Anpassung der überlieferten Lieder an den „Geschmack“ der „jetzigen Zeiten“[102] und mit der Erweiterung des Angebots an Texten und Melodien. Dabei ergeht eine Mahnung an die „Tadler“ des Buches, „daß sie die neu zugesetzten Gesänge, (bis dahin sie bessere werden gemachet haben) werden ohnbeschnarchet lassen.“[103].

Ferner wird in der Vorrede hingewiesen auf die „Beysetzung des General-Basses, um die rechte Melodey heraus zu bringen.“[104] Damit ist das Gesangbuch von 1765 das erste Paderborner Orgelbuch[105].

Unter den neu aufgenommenen Liedern stammen mindestens 80 von protestantischen Autoren[106]. Diese Lieder hatten jedoch im Bistum Paderborn keine Überlebenschance, denn bereits 1767 erschien eine approbierte gekürzte Neuauflage, die literarisch bezeugt, aber verschollen ist[107]. Eine zweite Auflage dieser Neuauflage, gedruckt 1770 bei Wilhelm Junffermann, enthält nur noch 209 Lieder: bis auf drei Lieder sind alle anderen protestantischen Ursprungs weggelassen oder, in zwei Fällen, umgedichtet worden[108]. Zu dieser Auflage von 1770 ist im gleichen Jahr ein „Handweiser“ erschienen „sowohl für ausgelernte, als mittelmäßig erfahrne Organisten“ mit Generalbaß[109]. Trotz dieser editorischen Anstrengungen erreichte das Gesangbuch von 1765 nur noch eine einzige, wiederum veränderte Auflage, die dritte der Neuauflage, gedruckt 1780[110].

In der Auflage von 1765 ist die inhaltliche Abfolge der Lieder und damit der Aufbau des Buches deutlich deklariert[111]. An die Lieder zur Heiligung des Tages schließen sich Meßgesänge an. Darauf folgen Lieder gemäß dem Kirchenjahr von Advent bis Fronleichnam. Als nächste finden sich Buß- und Kommuniongesänge[112], dann folgt ein umfangreiches Korpus mit Tugendliedern und Gesängen zu unterschiedlichen Anlässen. Darin sind die Katechismusgesänge und Lieder „Von der Schöpffunge“ enthalten. Den Abschluß bilden Marien-, Engel- und Heiligenlieder, denen die Litaneien und die lateinisch-deutschen Lieder und Gebete zum sakramentalen Segen angefügt sind[113].

Aus der Fülle der bemerkenswerten inhaltlichen Details sollen hier nur einige herausgegriffen werden: Die Meßgesänge von 1726 sind, bis auf das Lied zum Agnus Dei, alle in das Buch von 1765 übernommen worden. Zugleich ist die Meßliedreihe von 1765 gegenüber dem Gesangbuch von 1726 um folgende Zuordnungen erweitert worden:

 

- „Kyrie“

- „Zu der Epistel“

- „Unter dem Credo“

- „Unter dem Vatter unser“

- „Wann der Segen gegeben wird, am Ende der Meß“[114].

Damit kann zu allen Teilen der Meßfeier substitutiv ein deutsches Lied gesungen werden, und zwar weitgehend in Auswahl aus mehreren nacheinander angebotenen Gesängen. Unter den neu hinzugekommenen sind 9 Lieder von protestantischen Dichtern, darunter beide Credo-Lieder: „Ich gläube, Herr, ich gläube“ von Benjamin Schmolck (1672-1737)[115] und „Wir glauben all an einen Gott“ von Martin Luther (1483-1546)[116], ebenso das Lied zum Agnus Dei „O Lamm Gottes unschuldig“ von Nikolaus Decius (um 1485 - nach 1546)[117].

Nach wie vor sind die Meßgesänge auf das Ordinarium bezogen. Hinweise bei den am Kirchenjahr und Heiligenkalender orientierten Liedern lassen jedoch den Schluß zu, daß diese auch für Meßfeiern gedacht waren, z.B. „Passions Lied auf den Fastnachts Sonntag Esto mihi“[118], „Am Grünen Donnerstag“[119] und zahlreiche Zuweisungen zu den Marienfesten[120].

Unter den Heiligenliedern finden sich nun drei „Von dem H. Liborio“:

- „Sey gegrüsset, o Libori!“[121]

- „Rühm und lobe, sing und preise, Du beglückte Pader-Stadt!“[122]

- „Freut euch ihr Paderborner“[123].

Das Gesangbuch von 1765 besticht u.a. durch die Reichhaltigkeit seines Liedangebots[124], durch die Offenheit gegenüber qualitativ anerkannten Liedern der katholischen und protestantischen Tradition[125], durch die Stützung der am Gottesdienst aktiv teilnehmenden Gemeinde[126] und nicht zuletzt durch die frische und lebenspralle Sprache vieler Texte[127].

Dennoch war das Buch ein „Flop“. Nach nur fünfzehn Jahren (1780) mußte es seinem lebenskräftigeren, noch immer akzeptierten Vorgänger (bis 1790) das Feld räumen[128]. Versuche, durch mehrere Kurskorrekturen eine Akzeptanz in den Gemeinden zu erreichen, schlugen fehl[129]. Die Zeit war reif für eine neue Gesangbuchgeneration, wie die anderwärts zu verzeichnenden Erfolge der Aufklärungsgesangbücher verdeutlichen[130].

In Paderborn ist es nach 1790 erst mit dem Erscheinen des „Sursum corda“ 1874 gelungen, ein neues einheitliches Diözesangesangbuch herauszubringen. In der Zwischenzeit ging die Kontinuität der Paderborner Gesangbuchgeschichte durch die Verbreitung und Verwendung zahlreicher konkurrierender Gesangbücher für rund 80 Jahre verloren.

 

2. Zu den konkurrierenden Gesangbüchern nach 1790

a. Zu den Ursachen der Gesangbuchvielfalt

Das Auslaufen der beiden Paderborner Gesangbuchserien des 18. Jahrhunderts verursachte ein Vakuum, das den Druck, die Verbreitung und den Gebrauch von (genehmigten) Gesangbüchern begünstigte, die keine Diözesangesangbücher waren. Hinzu kam eine liturgiegeschichtlich einschneidende innerdiözesane Maßnahme zu weiterem Gunsten dieser neuen Bücher:

Am 4. Juni 1785 wurden im „Domprobsteylichen Archidiaconats-Bezirk“ Paderborn deutsche Meßgebete und deutsche Meßlieder offiziell eingeführt und damit die lateinische Meßfeier, ferner lateinische Metten und Vespern abgeschafft, „weil durch ein verständliches Gebet das Herz und wahre Andacht mehr gewinnt, als durch ein unverständliches“. Das Singen beim öffentlichen Gottesdienst wird in diesem Erlaß definiert als „das laute Gebet der Gemeine“. Der Erlaß, der bei Nichtbefolgung den Pfarrern und Seelsorgern „mit willkürlicher Strafe“ droht, benennt auch jüngste Widerstände gegen die deutsche Sprache im öffentlichen Gottesdienste“: Es sind „bereits im verflossenen Jahre den sämmtlichen Pfarrern des Domprobsteylichen Archidiaconats-Bezirks, die Messe-Lieder und Gebete in deutscher Sprache zugestellet, und auch von ein und andern eifrigen Seelsorgern schon eingeführt; hingegen von andern bis hiehin theils vernachlässiget, theils auch, wo sie schon eingeführet waren, von blödsinnigen Fanatikern hinwieder gestöret, und gänzlich unterlassen worden.“[131]

Von den überdiözesanen Entwicklungen, in die das Hochstift und das Bistum Paderborn involviert waren, sollen hier die Säkularisierung und die Inbesitznahme des Fürstbistums Paderborn durch Preußen im Jahr 1802[132] genannt werden; ferner die Neuumschreibung des Bistums Paderborn als preußischen Landesbistums mit der päpstlichen Bulle „De salute animarum“ im Jahr 1821. Mit der Neuzuweisung weiter Gebiete in Westfalen und Waldeck und durch das Hinzukommen des Eichfelds, der Stadt Erfurt und der sächsischen Diasporagebiete um Magdeburg und Halberstadt wurde Paderborn eine der größten deutschen Diözesen[133].

Diese einschneidenden Gebietsänderungen wirkten sich insofern auf die Gottesdienste und das religiöse Leben im Bistum aus, als in den neuen Bistumsteilen bis dahin übliche Gesangbücher weiterhin benutzt wurden[134], während in den alten Bistumsteilen bereits mehrere unterschiedliche neue Bücher in Gebrauch waren. Eine Fülle konkurrierender Gesangbücher bestimmte den deutschen Kirchengesang. Ein einheitliches neues Diözesangesangbuch war jedoch nicht in Sicht.

 

b. Das Gesangbuch von Joseph Tillmann (1796)

„Auf Gutheißen“ des letzten Fürstbischofs von Paderborn, des Freiherrn Franz Egon von Fürstenberg (1789-1825), erschien 1796 in Paderborn das Gesang- und Gebetbuch von Joseph Tillmann (1753-1819), des Pfarrers in Erkeln bei Höxter. Das Werk hat den Titel:

„Katholisches Gesangbuch nach den alten und bekannten Melodien, (wenige ausgenommen) mit einem Gebetbuche zum Gebrauche bei dem öffentlichen Gottesdienste und der Hausandacht.“ Gedruckt wurde es „Mit gnädigstem Privilegio“ bei J. W. Junfermann in Paderborn, ohne Angabe des Druckjahrs[135].

Das Buch erlebte 13 Auflagen; die letzte erschien „Mit Genehmigung des hochw. Bischofs Conradus“ in der Junfermann’schen Buchhandlung (J. C. Pape Wwe) im Jahr 1876[136], also noch zwei Jahre nach dem „Sursum corda“ von 1874. Gemäß dem Einführungserlaß von Bischof Konrad Martin zum „Sursum corda“ war die Beibehaltung bisheriger Gesangbücher möglich[137].

 

Wie bereits der Titel sagt, besteht das Buch von Joseph Tillmann aus zwei deutlich abgegrenzten Teilen, dem Gesangbuch mit 202 (teilweise in cumulo) gezählten Liedern bis Seite 366 und dem Gebetbuch bis Seite 561[138].

Auch hier können nur einige Eigenarten des Buches exemplarisch herausgestellt werden: Der Gesangsteil, der auch Gebete enthält, hat keine Noten, sondern verweist unter Angabe der Kopfzeile auf alte, in Paderborn beliebte Melodien[139] zu den fast durchgängig neuen Texten, die ausnahmslos auf deutsch verfaßt sind[140].

Das Buch enthält 19 Singmessen zu den Festen und Zeiten des Kirchenjahrs, in allgemeinen Nöten und für Verstorbene. Die Singmessen sind mit liturgienahen und auch persönlichen Gebeten versehen[141]. Zusätzlich (und gegensätzlich) ist im Gebetsteil eine Meßandacht für die stille Messe abgedruckt. Diese Andacht vermischt ins Deutsche übersetzte Texte des Missale Romanum mit subjektiven Betrachtungen und Gebeten, so daß sowohl das Sprecher-Wir als auch das Sprecher-Ich nicht eindeutig zugeordnet werden kann[142].

Aufschlußreich sind die Melodienangaben, die Rückschlüsse auf jene Lieder zulassen, die bei Erscheinen des Tillmannschen Gesangbuchs im Bistum Paderborn bekannt und wahrscheinlich in Gebrauch waren, darunter nicht wenige Spee-Lieder[143]. Die erste der Meßliedreihen hat den summarischen Hinweis „In eigenen Melodien“[144]. Es handelt sich um die weit und lange Zeit verbreitete Messe „Hier liegt vor deiner Majestät / im Staub die Christenschaar“ aus dem wirkungsgeschichtlich bedeutsamen Gesangbuch von Franz Seraph Kohlbrenner (1728-1783) „Der heilige Gesang zum Gottesdienste in der römisch-katholischen Kirche“. Landshut 1777[145]. Die bekannte „Majestätsmesse“ ist fast vollständig in das Tillmannsche Buch übernommen worden[146]. Der summarische Melodienhinweis läßt annehmen, daß diese Meßliedreihe den Paderborner Diözesanen nicht unvertraut war. Sie wurde ab 1874 in alle Ausgaben des „Sursum corda“ übernommen.

Erwähnenswert im Hinblick auf das „Sursum corda“ ist auch die wörtliche Wiedergabe der Einsetzungsworte in Betrachtung und Gebet bei der Wandlung im Tillmannschen Gesangbuch[147]. Das „Sursum corda“ verzichtet darauf „aus Ehrfurcht“[148]. Eine Neuerung bei Tillmann sind auch die verdeutschten Psalmen und das deutsche „Magnificat“ zur „Vesper an den hohen Festtagen“[149], ferner das singuläre Liboriuslied „Gottes Ehre zu vermehren, / und Libori! dich zu ehren, / machen wir dein Lob bekannt.“[150]

 

c. Das Gesangbuch von Melchior Ludolf Herold (1803)

Dieses Gesangbuch von 1803 ist keine genuin Paderborner Publikation. Sein Herausgeber Melchior Ludolf Herold (1753-1810), Pfarrer in Hoinkhausen, zwischen Rüthen und Lippstadt gelegen, hat es zuerst für seine Pfarrei herausgebracht, die bis zur Neuumschreibung der preußischen Diözesen (1821) zur Erzdiözese Köln gehörte[151]. Im „Kölnischen Westfalen“ war das Buch auch nach der Zuweisung des Gebiets zum Bistum Paderborn weit und hauptsächlich verbreitet[152].

Nach der ersten Auflage, die 1803 ohne Nennung des Herausgebers, aber auf dessen Initiative und Kosten durch die Druckerei C. Fr. Lange in Lippstadt erstellt worden war[153], erschien 1807 eine in Köln approbierte verbesserte und erweiterte Auflage bei C. A. Steuber in Rinteln:

„Der heilige Gesang oder vollständiges katholisches Gesangbuch für den öffentlichen Gottesdienst und die häusliche Andacht. Hrsg. von M. L. Herold, Pfarrer zu Hoinkhausen im Herzogthum Westphalen. Mit Gutheißen der geistl. Behörde. 2. verbesserte Aufl. Gedr. auf Kosten des Herausgebers 1807.“[154]

Diese Fassung erlebte zahlreiche Auflagen in verschiedenen Druckereien. Die dritte Auflage erschien 1809 wieder bei C. Fr. Lange in Lippstadt[155], die vierte ebendort 1818, acht Jahre nach dem Tod Herolds[156]. Die letzte greifbare Auflage, die 24., kam 1860 in Lippstadt heraus[157].

Die für die Folge maßgebliche zweite Auflage von 1807, ohne Noten, aber mit Melodiehinweisen, mit XX und 548 Seiten, enthält 330 numerierte Liedtexte und zahlreiche Gebete. 122 Lieder sind protestantischen Ursprungs[158]. Aus dem Gesangbuch von Tillmann stammen 26 Gesänge, aus dem von Kohlbrenner 23[159]. Insgesamt kommen die Lieder fast ausnahmslos aus anderen Gesangbüchern[160]. Damit nimmt „Der heilige Gesang“ zwangsläufig eine Brückenfunktion ein zwischen den Gesangbüchern der Aufklärungszeit und dem „Sursum corda“.

 

d. Das Gesangbuch von Heinrich Bone (1847)

Das Gesangbuch von Heinrich Bone (1813-1893) mit dem liturgiesprachlichen Titel „Cantate!“ (Ps. 98,1) ist, wie das Buch von Herold, ebenfalls keine genuin Paderborner Publikation. Der Herausgeber, der aus Drolshagen im „Kölnischen Westfalen“[161] stammte und als Gymnasiallehrer und -direktor außerhalb des Bistums Paderborn tätig war, ließ die Erstauflage seines Buches mit „hoher geistl. Genehmigung“ 1847 zu Mainz bei Kirchheim drucken[162]. Besondere Beachtung verdient die 40 Seiten umfassende Vorrede der ersten Auflage über Gottesdienstformen sowie Wesen und Gebrauch lateinischer und deutscher Kirchenlieder[163].

Für die Paderborner Gesangbuchgeschichte ist die zweite, stark vermehrte Auflage von 1851 bedeutsam. Sie wurde, wie zahlreiche weitere Auflagen bis 1905 (11. Auflage), in Paderborn veröffentlicht im Verlag Ferdinand Schöningh[164]. Diese Paderborner Auflage hat den Titel:

„Cantate! Katholisches Gesangbuch nebst einem vollständigen Gebet- und Andachtsbuche. Herausgegeben von Heinrich Bone. Zweite, sehr vermehrte Auflage. Größere Ausgabe. Mit hoher geistlicher Genehmigung. Paderborn. Verlag von F. Schöningh. 1851“[165]. Im Jahr 1852[166] erschien im gleichen Verlag ein Melodienbuch zum „Cantate“, 1858 dessen zweite Auflage[167].

Die sehr umfangreiche Paderborner Auflage des „Cantate“ von 1851 hat 600 Seiten, großenteils in kleinen Drucktypen zweispaltig bedruckt. Der erste Teil („Gesänge“) reicht von Seite 1 bis 228, der zweite („Gebete und Andachten“) von 229 bis 600. Noten sind nirgendwo beigegeben.

Der erste Teil enthält zunächst auf vier Seiten lateinisch-deutsche „Strophen zum sacramentalischen Segen und zu einigen anderen häufigeren Gelegenheiten“. Daran schließen sich 58 numerierte, weitgehend deutsche Lieder an, geordnet nach dem Kirchenjahr einschließlich der Marien-, Engel- und Heiligenfeste und abgeschlossen durch Lieder für außerliturgische Gelegenheiten. Querverweise zu einzelnen Texten fördern die Mehrfachverwendung des reichen Liedangebots. Unter den Heiligenliedern findet sich als einziges Liboriuslied „Sei gegrüßet, o Libori“[168].

Der zweite, umfassendere Teil des „Cantate“ bietet zunächst „tägliche Gebete“ einschließlich der katechetischen Hauptstücke an (S. 229-268), die auch als „tägliche Meßandacht“ gebraucht werden sollen, offensichtlich auch ohne Teilnahme an der Meßfeier[169].

Unter der Überschrift „Die heilige Messe“ (S. 269-398) sind sehr unterschiedliche Texte subsumiert. Außer einem vollständigen lateinisch-deutschen Meßformular mit dem Proprium von der heiligen Dreifaltigkeit, gezählt als Meßandacht[170], und fünf weiteren Meßandachten finden sich fünf deutsche Singmessen „mit beigefügten Gebeten“[171]; ferner die zweisprachigen liturgischen Texte zur Vesper und Komplet[172]. Diesen folgen der Rosenkranz[173], 12 Litaneien[174] und die sieben Bußpsalmen mit Beichtgebeten und einer Gewissenserforschung in Frageform[175].

Im folgenden umfangreichen Kapitel „Das Kirchenjahr“ (S. 399-528) finden sich Gebete und zahlreiche Andachten. Unter letzteren sind viele Meßandachten mit den Propriumstexten.

Besondere Erwähnung verdient der „Anhang“ (S. 529-600). Er enthält die „sonn- und festtäglichen Evangelien, nebst Introitus, mehreren Episteln und lateinischen Liedern.“[176] Damit stellt das „Cantate“ sozusagen einen frühen „Sonntags-Schott“ dar[177].

Insgesamt markiert Bones „Cantate“ einen Meilenstein auf dem 1851 noch unvollendeten Weg zur gemeinsamen eucharistischen Feier der Gemeinde (zu der auch die Vorsteher gehören), wenn auch die Trennung von Klerikerliturgie und Tun der Gemeinde noch nicht überwunden ist[178]. Hilfreich auf diesem Weg sind die zahlreichen liturgischen Erläuterungen, die Bone den Benutzern seines Buches übermittelt[179].

Ein anderer großer Vorzug des „Cantate“ liegt in der Qualität der Liedtexte, die im ersten Teil versammelt sind. Teilweise handelt es sich um Übersetzungen Bones aus dem lateinischen Hymnenschatz der Kirche, teilweise um Übernahmen aus älteren und ältesten Gesangbüchern oder der mündlichen Tradition, viele Lieder sind jedoch von Bone neu gedichtet worden. Der Anteil der von Bone bearbeiteten oder neu verfaßten Lieder ist mit 160 Texten sehr hoch[180].

Der Rückgriff auf voraufklärerisches Liedgut, vor allem auf das Kölner „Geistliche Psälterlein“ (1637)[181] und die Paderborner Gesangbücher von 1726[182] und 1765[183], führte zur Übernahme von 73 (teils veränderten) Liedern Friedrich Spees[184].

Das Gesangbuch von Heinrich Bone fand im Bistum Paderborn rasch Zustimmung und Verbreitung. Dabei war die freundschaftliche Verbindung Bones zu Bischof Konrad Martin, die aus gemeinsamer Kölner Zeit herrührte[185], nicht ohne Belang[186]. Dennoch ging der Wunsch von Heinrich Bone, sein Werk als Diözesangesangbuch oder gar als deutsches Einheitsgesangbuch eingeführt zu sehen, nicht in Erfüllung[187]. Es wurde allerdings zu einer maßgeblichen Grundlage für das „Sursum corda“ von 1874, über dessen Erscheinungsjahr hinaus das „Cantate“ noch bis 1905 aufgelegt wurde[188].

 

e. Weitere Hinweise zur Vielfalt des Kirchengesangs vor dem „Sursum corda“

Im Jahr 1840 erschien bei Junfermann in Paderborn das „Choral-Buch für katholische Kirchen; zunächst für den ältern Theil der Diöcese Paderborn. Vierstimmig und durchgehends mit Zwischenspielen bearbeitet von Hermann Ignaz Knievel, Lehrer und Organist an der katholischen Kirche zu Lippstadt.“[189]

Das Buch hat eine Vorrede mit Angabe der Quellen und enthält 276 numerierte Melodien auf 274 Seiten[190]. Es ist erschienen im Auftrag des Paderborner Generalvikariats[191]. Das Choralbuch greift auf die früheren Paderborner Gesangbücher und auf das Choralbuch von Herold 1808[192] zurück, enthält aber auch rund 20 Eigenschöpfungen von Knievel. 13 Gesänge stammen aus der lateinischen Tradition[193]. Die hier präsentierte Vielfalt sicherte dem Choralbuch einen Einfluß auf das „Sursum corda“ und das „Gotteslob“.

 

Auffällig sind die zahlreichen kleinen Gesangbücher mit stark begrenzter Liederauswahl, die um die Mitte des 19. Jahrhunderts an verschiedenen Orten der Diözese erschienen sind[194]. Sie waren preiswert, berücksichtigten regionale Bedürfnisse und entsprachen dem Geschmack einzelner Pfarrer und/oder Gemeinden. Eine Approbation war offensichtlich nicht vorhanden. Als Beispiel aus vielen soll ein Büchlein mit 101 numerierten Liedern nebst Melodien auf 96 Seiten genannt werden:

„Geistliche Lieder gesammelt und mit Melodien versehen von C. J. Belke, Lehrer in Oberveischede. Olpe, Ruegenberg’sche Buchh. 1861“.[195]

Schließlich sei das Augenmerk auf die Vielfalt an Gesangbüchern im sächsisch-thüringischen Bistumsteil gerichtet[196]. Der Richtungsstreit unter verschiedenen Herausgebern und der Kompetenzstreit mit dem einführungsberechtigten Paderborner Generalvikariat führten auch dort zu unübersichtlichen Verhältnissen in Verbreitung und Gebrauch von Gesangbüchern[197]. Der dringende Wunsch nach einem neuen Diözesangesangbuch blieb allzu lange unerfüllt. So teilte z. B. der Paderborner Bischof Franz Drepper (1845-1855) seinem Magdeburger Kommissarius Christoph Beckmann (1846-1873) am 20. Februar 1854 auf eine entsprechende Anfrage mit: „Die Zeit, in welcher ein neues Diözesangesangbuch promulgiert werden wird, läßt sich noch nicht bestimmen und dürfte, da die diesfältigen Vorarbeiten noch nicht begonnen haben, damit noch ein und ein anderes Jahr hingehen ...“ Der Bischof empfiehlt die Einführung des „Cantate“ von Heinrich Bone, „welches bereits in einigen Missionsgemeinden der dortigen Gegend in Gebrauch ist.“[198]

Auch nach dieser bischöflichen Empfehlung erschienen im östlichen Teil des Bistums verschiedene Gesangbücher[199], die teilweise nach der Publikation des „Sursum corda“ (1874) weitere Auflagen hatten[200].

 

 

III. Das „Sursum corda“ (1874-1974) als diözesanes Gesang- und Gebetbuch

 

1. Der „Triumphzug“ des „Sursum corda“ von 1874

Als das lange erwartete neue Paderborner Gesangbuch[201] erschien, entstand und wuchs sofort eine überraschend große Akzeptanz, so daß noch im Erscheinungsjahr 1874 zwei Auflagen zu jeweils 10.000 Exemplaren herausgebracht wurden[202].

Der leitende Redakteur der „Blätter für kirchliche Wissenschaft und Praxis“, Franz Xaver Rintelen (1830-1916), teilte am 15. Juni 1874 in seinem Blatt den Wortlaut eines Privatbriefes mit, den ihm ein betagter Pfarrer unmittelbar nach der Publizierung des neuen Buches geschickt hatte[203]:

„Zuerst sollen Sie erfahren, was mir gegenwärtig am innigsten am Herzen liegt, nämlich den Stand unserer Gesangbuchs-Angelegenheit. Am vorletzten Sonntag hatte ich meinen Leuten angekündigt, daß das Buch „Sursum corda“ bei mir für 12 Sgr. zu haben sei[204], und daß wir am nächstfolgenden Sonntag den „Herold“[205] zum letztenmal brauchen würden. Nun ging’s Kaufen los. Am Ende der Woche war über die Hälfte der Communikanten[206] schon im Besitze des Buches. Am letztverflossenen Sonntag im Hochamte sagte ich ihnen: ... Das sei ein neues Buch voll alter Lieder, jener Lieder, die ihre Vorfahren nur mit blutendem Herzen sich hätten nehmen lassen ... Kurz, das „Sursum corda“ sei ein Geschenk der Gnade Gottes, besonders in unsrer trostbedürftigen Zeit.“[207]

Der betagte Pfarrer berichtet weiter, daß „am letztverflossenen Sonntag“ der Nachmittags-Gottesdienst wegen des erstmaligen Gebrauchs des neuen Buches ungewöhnlich gut besucht worden sei. Zum spöttischen Vorschlag eines Gottesdienstteilnehmers, die vielen „Herölde“ nächstes Jahr zum „Pascha-Feuer“ einzuliefern, schreibt der Pfarrer abschließend: „Nicht übel; nur fürchte ich, daß die fröhliche Flamme durch das kältende Material gedämpft werde.“[208]

Ein Jahr später, am 15. August 1875, ist im gleichen Blatt zu lesen, daß „eine Auflage rastlos die andere treibt, und die Druckerpresse bislang den zahlreichen Bestellungen wirklich nicht genügen konnte“. Der Verfasser sieht die Erfolgsgeschichte des „Sursum corda“ voraus, indem er prophezeit, daß „das gediegene Buch doch mit der Zeit seinen wohlverdienten Triumphzug durch die ganze Diözese halten“ werde[209].

Diesen „Triumphzug“ illustrieren die Auflagenzahlen. 1889 erschien die 59. Auflage, 1897 die 100.[210] 1917 erreichte das „Sursum corda“ die 250., 1934 die 300., 1942 die 315. Auflage. Jede Auflage hatte nach wie vor 10.000 Exemplare[211].

Zum Vergleich sollen einige Zahlen aus der Bevölkerungsstatistik genannt werden: 1873 gehörten 719.730 Katholiken zur Diözese Paderborn (18,28 % der Gesamtbevölkerung; im westfälischen Anteil waren etwa 41 %, im sächsisch-thüringischen Anteil gut 6 % katholisch). 1900 gab es 1.260.201 Diözesanen (19,55 % der Gesamtbevölkerung), 1929 waren es 1.763.951 (21,92 %)[212].

 

1919 z. B. gab der Verlag Junfermann eine Preiserhöhung von 1 Mark auf 1,20 Mark für das ungebundene Exemplar („in albis“) an, 1920 auf 1,35 Mark[213]. Vom Mai 1930 existiert eine Preisliste des Verlags; die preiswerteste Feindruckausgabe in Halbleinen mit Rotschnitt kostete im Laden 2,20 Mark, die teuerste Dünndruckausgabe im schwarzen Seehund-Einband, wattiert, mit Goldschnitt und im Kästchen kostete 13,15 Mark[214].

Die erste Fassung des Buches blieb bis 1948 nahezu unverändert im Gebrauch. 1903 erfolgte eine um 13 deutsche Lieder erweiterte Ausgabe[215], 1916 wurden 23 deutsche Einheitslieder als Anhang beigebunden, 1920 zudem 10 volkstümliche Weihnachtslieder[216]. 1948 erschien eine zweite, stark veränderte Fassung des „Sursum corda“[217].

Da die ersten Auflagen des Buches keine Melodien enthielten, erschienen bald die musikalischen Begleitbücher. Noch 1874 verlegte W. Junfermann in Paderborn „Melodien zu dem kath. Gesang- und Gebetbuch Sursum corda“ in Natorpscher Ziffern-Notation. Das Büchlein im Oktavformat hat 127 Seiten. Jeweils die erste Liedstrophe mit Liednummer ist der Ziffern-Notation textlich unterlegt[218].

 

Im Jahr 1877 kam bei W. Junfermann ein einstimmiges „Choralbuch zum Sursum Corda mit Vor- und Zwischenspielen“ heraus, verfaßt von dem Seminarlehrer Wilhelm Schrage (+ 1878) aus Büren[219]. 1881 folgte das „Choralbuch zum Katholischen Gesang- und Gebetbuch Sursum corda für vier Singstimmen und Orgel“, bearbeitet von Pfarrer Wilhelm Sahlmen (1839-1905), Verlag Ferdinand Schöningh, Paderborn 1881[220]. 1904 erschien bei W. Junfermann das „Orgelbuch zum katholischen Gesangbuch ‘Sursum corda’. Im Anschluß an die Bearbeitung von W. Schrage neu hrsg. von Johannes Cordes, Domvikar und Domorganist zu Paderborn“[221].

 

2. Altes und Neues im Gesangbuch von 1874

Eine erste lobende Rezension erfuhr das „Sursum corda“ bereits 1872 anläßlich eines provisorischen Teilabdrucks im Umfang von zwölf Bogen. Der anonyme Verfasser (S.-M.), der in dem Provisorium das „lang ersehnte Diöcesangesangbuch“ vermutet[222], stellt heraus, daß das Werk „von großer Umsicht und praktischem Sinn“ zeuge. „Die meisten Meßgesänge ... sind neu und schließen sich enge der Liturgie an ... Die meisten Lieder sind dem einstmals so unterschätzten und verkannten alten Liederschatze entnommen. Es heimelt Einen an, wenn man mal wieder die so kindlichen und andächtigen Weihnachtslieder, die kräftigen Fastenlieder u.s.w. zu Gesichte bekommt.“[223]

Die große Anzahl von 23 Singmessen, die allerdings ausnahmslos nicht aus den Paderborner Büchern von 1726 und 1765 stammen, ist das auffälligste Merkmal des neuen Gesang- und Gebetbuchs von 1874. Der liturgiesprachliche Titel „Sursum corda!“ zitiert nicht zufällig das (seit dem 3. Jahrhundert n. Chr. überlieferte) Eröffnungswort vor dem eucharistischen Hochgebet[224], den Zuruf des Vorstehers an die Gemeinde: „Erhebet eure Herzen“[225]. Das Eröffnungswort ruft zur aktiven Teilnahme der Gemeinde am Gottesdienst auf, wie sie im Bistum traditionell gefördert wurde[226]. Es schließt sich stilistisch an den Titel des verbreiteten „Cantate“ von Heinrich Bone an[227]. Schließlich zeigt es auch die liturgische Akzentuierung, die von den Verfassern des Buches beabsichtigt war und vor allem in den erwähnten zahlreichen Singmessen und in dem ausführlichen lateinisch-deutschen Vesperteil sinnfällig wird.

Die Verfasser des „Sursum corda“ von 1874 waren zwei Landdechanten im Bistum Paderborn, Joseph Kleinschmidt (1819-1892), Pfarrer in Warburg-Altstadt, und Ferdinand Wacker (1834-1911), Pfarrer in Wünnenberg. Beide kamen aus der praktischen Seelsorge und waren mit der Paderborner Liedtradition vertraut[228]. Die Anregung zur Herausgabe des Buches ging zunächst vom Verlag Junfermann aus, in dem bereits die letzten Auflagen des Gesangbuchs von 1726[229], das Gesangbuch von 1765[230] und u. a. das Gesangbuch von Joseph Tillmann seit 1796[231] erschienen waren. Joseph Kleinschmidt, der zuerst vom Verlag angesprochen worden war, zog Ferdinand Wacker hinzu[232]. Marginal beteiligt waren Peter Sömer (1832-1902), Pfarrvikar in Büderich, und Ferdinand Heitemeyer (1828-1892), Pfarrer in Oesdorf[233].

Konzeptionell folgten Kleinschmidt und Wacker folgenden Grundsätzen für die liedmäßige Ausstattung des Buches:

- Anknüpfung an die Paderborner Gesangbücher von 1609[234], 1726 und 1765.

- Übernahme der alten Paderborner Lieder in der Fassung von Bones „Cantate“[235].

- Übernahme überarbeiteter tragbarer Lieder aus den Büchern von Tillmann und Herold[236].

- Aufnahme neuen Liedguts aus den Büchern von Bone und Mohr[237].

- Schaffung und Aufnahme neuer Lieder für Paderborner Verhältnisse[238].

Der Facettenreichtum dieser Konzeption läßt es nicht zu, das „Sursum corda“ von 1874 kurzerhand einer der Strömungen zuzuordnen, die für die Gesangbuchgeschichte des ausgehenden 19. Jahrhunderts von Belang sind. Das Paderborner Buch ist nicht mehr aufklärerisch, bewahrt aber die volksliturgischen Neuerungen dieser Epoche[239]. Es ist nicht caecilianisch, respektiert aber die lateinische Tradition der Hymnen und Sequenzen und greift „die Erneuerung der Liturgie im Sinne einer Hinwendung zur Eucharistie“ auf[240]. Es ist noch kein Buch der sich entwickelnden Liturgischen Bewegung, begreift aber Gottesdienst als gemeinsame Feier von Priester und Kirchenvolk[241].

Allenfalls wäre dem „Sursum corda“ eine restaurative Ausrichtung zuzuerkennen, weil es ererbte Gesangbuchlieder aufnimmt[242]; doch diese bilden im Kontext um- und neugestalteter Lieder sowie alter und neuer Gebetstexte ein in seiner Zeit progressives Gesang- und Gebetbuch[243].

Einer einseitigen historischen Etikettierung steht vor allem die früh einsetzende, über Jahrhunderte sich mehrfach erneuernde Paderborner Gesangbuchtradition und damit eine kontinuierliche Singepraxis entgegen[244].

Die ungewöhnlich hohe Akzeptanz des neuen Gesangbuchs beruht gerade auf der Vermeidung von zeitgenössischen Einseitigkeiten, die das Verdienst der kenntnisreichen Verfasser, des erfahrenen Verlegers und des souveränen Bischofs ist.

 

3. Struktur des Gesang- und Gebetbuchs von 1874

Das mit XVI und 560 Seiten recht umfangreiche „Sursum corda“ von 1874 im Duodezformat hat eine deutliche Zweiteilung, und zwar nicht, wie man vermuten möchte, in einen Lied- und einen Gebetteil, sondern in einen liturgiebezogenen und einen privaten Teil. Der erste Teil ist durchnumeriert, so daß eine schnelle Orientierung in einer gottesdienstlichen Versammlung möglich ist (Nr. 1-387). Im zweiten Teil bieten nur noch die Überschriften und die Seitenzahlen, abgesehen vom Inhaltsverzeichnis des Buches, eine Orientierung an (nach Nr. 387).

Während der erste Teil Gesänge und Gebete enthält, ist der zweite ein reiner Gebetteil. Die Gebete und Andachtsübungen sind fast ausschließlich in der Ich-Form formuliert. Responsorische Elemente finden sich im allgemeinen nicht[245].

Zwei Formulare fallen in dem privat gehaltenen Gebetteil des Buches aus dem Rahmen: Die „Zweite Kommunionandacht“ für die „gemeinschaftliche Kommunion der Jugend und der Bruderschaften“ hat zwar Antwortverse der Gemeinde, zeigt aber durchgängig die Ich-Form (S. 500-507). Die „Schulmesse“ (S. 474-476) enthält Wechselgebete zwischen Vorbeter und Schülergemeinde nur zu zwei Teilen der Meßfeier: „Zum Staffelgebet“ und „Zur Opferung“. Ansonsten sind der Rosenkranz[246], eine Litanei oder eine Andacht vorgesehen[247]; nach der Wandlung bis zum Schluß kann gesungen, wahlweise zwischendurch ein Gebet zur „geistlichen Kommunion“ vorgebetet werden. Damit wird die Struktur der Meßfeier überlagert und verwischt. Angesichts der im Bistum gepflegten eucharistischen Feierkultur und auch des entwickelten katechetischen Bewußtseins[248] ist eine solche „Schulmesse“ geradezu ein liturgischer Anachronismus.

Der Liedteil beginnt mit Gebeten und Liedern „Das Jahr hindurch“ zur Meßfeier (Nr. 1-41). Auf die lateinisch-deutschen Texte und Gesänge zum Asperges und sakramentalen Segen (Nr. 1-8) folgt das vollständige, ins Deutsche übersetzte Ordinarium der Meßfeier mit dem Proprium „von der allerheiligsten Dreifaltigkeit“ (Nr. 9). Die Einsetzungsworte sind „aus Ehrfurcht“ weggelassen und durch persönliche bekennende Gebete ersetzt worden[249]. Diesen offiziellen liturgischen Texten folgen 5 Meßliedreihen, deren erste sich in den Liedern weitgehend, in den Gebeten kaum an die „Majestätsmesse“ aus dem Landshuter Gesangbuch von 1777 anlehnt[250]. Die folgenden 4 Meßliedreihen sollen um die Gebete der ersten Reihe ergänzt werden.

Auf dieses zeitlich unspezifische Eingangskapitel des Buches folgen am Kirchenjahr orientierte Kapitel, dann solche zu Maria, den Engeln und Heiligen und für Totenfeiern. Diese alle enthalten weitere Meßliedreihen, Einzelgebete und Andachten.Die drei Rosenkranzandachten sind hier integriert: Der freudenreiche Rosenkranz in die Weihnachtszeit (Nr. 96), der schmerzhafte in die Passionszeit (Nr. 129) und der glorreiche in die Osterzeit (Nr. 163).

Weiteren Liedern, Gebeten und Andachten folgt das lateinisch-deutsche Kapitel zur Vesper (Nr. 359-380). Daran schließen sich Bruderschaftsandachten (Nr. 381-384) und Litaneien an (Nr. 385-387).

Auch hinsichtlich dieses Buches können hier nur einige auffällige Phänomene hervorgehoben werden. Auf die große Anzahl von 23 Singmessen ist im vorausgehenden Abschnitt III.2 bereits hingewiesen worden. Die Gesänge „Nach der Wandlung“ und die weniger zahlreichen Kommuniongesänge beziehen sich mehrheitlich auf die geistliche Kommunion[251].

Von den vielen Liboriusliedern sind in das „Sursum corda“ von 1874 nur zwei aufgenommen worden: „Du großer Hirt und Gottesmann“[252] und „Sei gegrüßet, o Libori“[253]. Dagegen enthält das Buch die stattliche Anzahl von 31 Liedern von Friedrich Spee[254].

Im Hinblick auf das historische Umfeld von Entstehung, Erscheinen und Gebrauch des „Sursum corda“[255] sind ein Lied (Nr. 351) und ein Gebet (S. 517) für den „Landesherrn“ von Interesse. Das Lied „Für unsern Fürsten beten wir“ ist fast wörtlich, aber um eine Strophe gekürzt, aus Bones „Cantate“ übernommen worden[256]. Der Landesherr ist der König von Preußen, König von Gottes Gnaden. Im zweiten Teil des Buches ist das „Gebet für den Landesfürsten“ zu finden. Sowohl Lied als auch Gebet betonen, daß die irdische Macht von Gott kommt und zum Segen aller ihr anvertrauten Menschen dienen solle. Lied und Gebet, zusammen mit dem „Te Deum“, waren für das gottesdienstliche Gedenken am Geburts- oder Namenstag des Landesherrn vorgeschrieben[257]. Noch in den dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts sind Lied und Gebet im „Sursum corda“ enthalten[258].

 

4. Die neue Ausgabe von 1948

Wie die erste Ausgabe von 1874 war auch die zweite von 1948 lange erwartet worden. Drei Jahre nach Kriegsende (1945) und unmittelbar nach der Währungsreform (20. Juni 1948) erschien das neugestaltete Buch, das 838 Seiten umfaßt:

„Sursum corda. Gesang- und Gebetbuch für das Erzbistum Paderborn. Junfermannsche Verlagsbuchhandlung Paderborn o. J. (1948).“[259]

Die kirchliche Druckerlaubnis wurde am 1. April 1948 von Generalvikar Friedrich Maria Rintelen (1941-1951) erteilt; der Einführungserlaß des Erzbischofs Lorenz Jaeger (1941-1973. Erhebung zum Kardinal 1965) ist vom 1. Adventssonntag 1948 datiert[260].

Noch stärker als in der Ausgabe von 1874 tritt 1948 das Kirchenjahr als dominantes Aufbauprinzip des Buches hervor[261]. Die Gebete und Lieder sind in fünf Abschnitten dargeboten, markiert durch kalligraphisch gestaltete Zwischentitel:

 

- Der heilige Tag (S. 1-29)

- Im Hause Gottes (S. 30-182)

- Heiliges Jahr (S. 183-570)

- Gemeinschaft der Heiligen (571-754)

- Leben im Herrn (755-818)

Den größten Teil des Buches nimmt der Abschnitt „Heiliges Jahr“ ein, orientiert am Proprium de tempore, fortgesetzt durch ein Proprium de Sanctis und die Texte der Begräbnisfeier und des Totengedächtnisses unter dem Zwischentitel „Gemeinschaft der Heiligen“. Am Ordinarium orientiert sich größtenteils der Abschnitt „Im Hause Gottes“ mit dem teils zweisprachig, größerenteils deutsch abgedruckten Ordo Missae (mit dem Proprium von Ostersonntag)[262] und sechs zeitlich unspezifischen Bet-Singmessen[263]. Im letztgenannten Abschnitt sind auch die zweisprachigen Formulare für das Singen der Vesper und Komplet zu finden[264].

Insgesamt enthält das „Sursum corda“ von 1948 die große Anzahl von 26 Singmessen, von denen 14 eigene Gebetstexte haben[265]. Die Singmessen folgen weitestgehend den Vorbildern aller in Paderborn gebräuchlichen Gesangbücher ab 1726, teilweise unter starken Veränderungen und Umstellungen[266]. Die sechste Singmesse (Nr. 57-63) besteht allerdings ausschließlich aus Einheitsliedern. Insgesamt enthält das Buch alle 74 Einheitslieder der deutschen Bistümer, die 1947 im Druck erschienen waren[267].

Die beiden Liboriuslieder aus dem „Sursum corda“ von 1874 sind auch in dem neuen Buch zu finden[268]. Die Zahl der Spee-Lieder ist auf 39 erweitert worden[269].

Im Jahr 1950 erschien das „Orgelbuch zum Sursum corda“, erstellt von dem Organisten Theodor Pröpper aus Balve, gedruckt von den „Gebr. Zimmermann, Balve 1950“[270].

Nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965), speziell nach der Verabschiedung der Liturgiekonstitution vom 3. Dezember 1963[271], reagierten die Herausgeber des neuen „Sursum corda“ mit zwei Anhängen, welche u. a. die neuen Singweisen für die deutschen Gemeinderufe (1965) und neue Meßgesänge und Zeitlieder (1967) enthielten[272]. Mit der Aufnahme dieser und der obengenannten Einheitstexte und -lieder verstand sich das neue „Sursum corda“ zugleich als Wegbereiter des Einheitsgesangbuchs „Gotteslob“, das nach Überwindung großer Gegensätze zwischen 40 Diözesen 1975 endlich erscheinen konnte[273].

Abschließend soll ein Blick auf die ersten Nachkriegsjahre geworfen werden, in denen das „Sursum corda“ von 1948 für den Druck vorbereitet und schließlich publiziert wurde[274].

Das nahezu fertige Manuskript, das seit 1942 unter der Leitung des Generalvikars Friedrich Maria Rintelen in einer kleinen Kommission (J. Kollwitz, A. Reineke und E. Stakemeier) erarbeitet worden war, konnte gerettet werden, als kurz vor Kriegsende die Innenstadt Paderborns in der Karwoche 1945 fast völlig zerstört wurde. Im Frühjahr 1946 ging das Manuskript in den Satz. Weihnachten 1947 wurden dem Generalvikar die ersten vorgedruckten Exemplare überreicht[275].

Inzwischen war eine Altpapiersammlung angelaufen, damit in einer Papierfabrik das für das neue „Sursum corda“ benötigte Papier hergestellt werden konnte. Die Sammlung ging wegen unzureichender Transportmöglichkeiten nur stockend voran[276]. Zur Jahresmitte 1948 war das Buch auf dem Markt zum Preis von 7 DM, zunächst auf starkem Papier gedruckt und mit einem festen Einband versehen[277]. Zu Weihnachten 1948 kam die zweite Auflage als Dünndruck-Ausgabe heraus, wegen der noch anhaltenden Papierbewirtschaftung zunächst in kleiner Auflage[278].

Der Einführungserlaß des Erzbischofs Lorenz Jaeger vom 1. Adventssonntag[279] beginnt mit einer Würdigung des neuen Diözesangesang- und Gebetbuchs: „Lange ist an dem Werk gearbeitet worden, und ich glaube, daß es wohl gelungen ist.“ Nach dem Dank an alle Bearbeiter fährt der Erzbischof optimistisch fort: Es ist „mein Wunsch, daß im Jahre 1949 das neue ‘Sursum Corda’ möglichst in allen Gemeinden eingeführt wird“[280]. Trotz der schwierigen wirtschaftlichen Verhältnisse fand das Buch rasch Aufnahme und Zustimmung in den Gemeinden, so daß, wie 1874, noch im Erscheinungsjahr die zweite Auflage herausgebracht wurde[281].

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Quellen und Literatur

 

Archivalien:

 

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Zum Choralbuche zu dem Diöcesan-Gesangbuche „Sursum corda“ (A. M.) In: Blätter für kirchliche Wissenschaft und Praxis, herausgegeben unter Mitwirkung des Clerus der Diöcese Paderborn 8, 1874, 43-46

Zur Gesangbuchliteratur (S.-M.) In: Blätter für kirchliche Wissenschaft und Praxis, herausgegeben unter Mitwirkung des Clerus der Diöcese Paderborn 6, 1872, 133-136.

Zur Geschichte des deutschen katholischen Kirchenliedes (E. K.-B.) In: Blätter für kirchliche Wissenschaft und Praxis, herausgegeben unter Mitwirkung des Clerus der Diöcese Paderborn, 1, 1867, 2-6; 27-31; 85-88 und 2, 1868, 49-53.

 

 

 

 

 

 

Erinnerungen von Prälat Franz Wüstefeld an die Vorarbeiten für die Neuausgabe des Sursum corda 1948

 

Betr.: Sursum corda – Gesang- und Gebetbuch für das Erzbistum Paderborn, veränderte Auflage 1948

 

Für die Änderung und Ergänzung des Gesang- und Gebetbuches beauftragte Generalvikar Dr. Friedrich Maria Rintelen 1947 zur Mitarbeit auch den „Kaplanskreis“ in Halle/Saale. Dr. Rintelen war vordem in Halle Studentenpfarrer gewesen.

Kopf und Seele des Halleschen Kaplanskreises war der Vikar an der St. Elisabeth Propsteikirche und Studentenpfarrer Hugo Aufderbeck, später Seelsorgeamtsleiter in Magdeburg und danach Bischof in Erfurt, sehr aufgeschlossen gegenüber der Liturgiebewegung, den Nöten der Diasporaseelsorge und den Heimatvertriebenen. Er wurde „die Seele der Seelsorge“ auch über die Grenzen der DDR hinaus. Sein Mitwirken an der Erneuerung der Liturgie der Weltkirche -–zusammen mit Wilhelm Weskamm, Bischof in Magdeburg und Berlin - ist gewiss nicht gering und müsste für sein Lebensbild noch mehr erforscht werden.

Zum Kaplanskreis gehörten: Pfarrvikar/Pfarrer Ludwig Esser, Schkeuditz bei Leipzig, Vikar an St. Elisabeth und Religionslehrer Martin Fritz, 1948 Leiter des neuen Seelsorgehelferinnenseminars für die DDR in Magdeburg, Hermann Gabriel, Vikar an St. Elisabeth und danach Pfarrer in Wittenberg, Wilhelm Hennes, Pfarrvikar/Pfarrer in Zappendorf, Alfons Theele (Laie), Wissenschaftlicher Rat an der Universität Halle und Franz Wüstefeld, Caritasdirektor der südlichen Hälfte des heutigen Bistums Magdeburg, später Geschäftsführender Vizepräsident des Bonifatiuswerkes der Deutschen Katholiken.

Der Hauptauftrag des Generalvikars betraf die Gebets- und Betrachtungstexte der Messen des Kirchenjahres. Sie sollten im Geiste der heranwachsenden liturgischen Erneuerung geformt werden. Aufderbeck baute das Gerüst, und wir gaben aus der Gemeindepraxis regelmäßig und fleißig unsere Erfahrungen und Vorschläge hinzu. Für Lieder und Vorschläge jeglicher Art war der Generalvikar auch dankbar. Ob er für die Kirchenjahrtexte noch andere Personen oder Gremien gebeten hatte, ist mir nicht mehr in Erinnerung.

Die damals neuen Gebete und Betrachtungen dürfen natürlich nicht an den Ergebnissen der großen Liturgischen Erneuerung gemessen werden, die noch lange nicht auf den Wegen war, die wir heute so selbstverständlich gehen.

Einen Sonderauftrag bekam Caritasdirektor Wüstefeld: Er gestaltete in altdeutscher Fraktur neben dem Titelblatt noch fünf grafische Blätter für die großen Abschnitte des neuen Sursum corda.

Vom Halleschen Kaplanskreis leben heute noch Prälat Fritz in Magdeburg und Prälat Wüstefeld in Paderborn.

 

Franz Wüstefeld

Piepenturmweg 18c

33100 Paderborn

Tel. 05251-55573

 

 

 

 

Liborius-Lieder in den Gesangbüchern, die in der (Erz-)Diözese Paderborn benutzt wurden

Zusammengestellt von Hermann-Josef Schmalor

 

I. In den „Diözesan“-Gesangbüchern

 

Paderborner Gesangbuch 1726 - 1790

Von H. Liborio, dem h. Bischof und Beichtiger, des Stifts Paderborn Patron. Im Thon: Freuet euch ihr lieben.

1. Freuet euch, ihr Paderbörner, Euch ist ein freud beschert:,: Uns ist der Cenomanner, Der gröste Schatz verehrt, Den vor neunhundert jahren der bischof Baduard Aus frankreich her gefahren Zu uns in aller gnad, Kyrie eleis.

2. O wohl ein grosses kleinod Ist uns das heilig pfand, Es war ein wilde einöd Allhier in diesem land, Es waren blinde heiden, Und lauter dunckelheit, die niemand konnte meiden Hier war unwissenheit, Kyrie eleison.

3. Mit diesem licht und cörper Nimmt zu die christlich lehr: Es geben städt und dörfer dem wahren Gott die ehr. Es thun groß wunderzeichen liborii gebein, Dadurch die hertz erweichen, Und glauben insgemein, Kyrie eleison.

4. Lobt Gott ihr ersten christen, Die solchen Schatz gesehn, Und jetzt ins himmel lüften das jährlich fest begehn. Wir eure kinder dancken, So viel als möglich ist, So oft wir daran gedencken, daß Gott so gnädig ist, Kyrie eleison.

5. Dir fallen wir zu füssen, du unser Schatz und Schutz Dein heilig gebein wir küssen, Zu unserm trost und nutz, Sey unser hirt und weide, das ganze vatterland, Daß kein von hinnen Scheide, Er nehm das himmels pfand, Kyrie eleison.

 

(Der Druck von 1790 enthält auch das Lied „Sei gegrüßet, o Libori)

 

Paderborner Gesangbuch 1765- 1780

 

Verehrung der dahie im Thum ruhenden Gebeinen des h. Liborii. In bekandter Melodie.

1. Sey gegrüsset, o Libori! Dessen Namen, Ehr und Glori, Gott auf Erden groß gemacht, Seyd gegrüsst, o ihr reine Und beglückte Leibs-Gebeine, Die aus Franckreich hergebracht.

2. Schon vor vielen hundert Jahren Hat man euch hieher gefahren, Wo die schöne Pader springt: Hie ein jeder euch verehret, Hülf und Trost von euch begehret, Euren Lob mit Freuden singt.

3. Euch mit Andacht zu begrüssen, Werff ich mich zu euren Füssen: Hör, o Heilger meine Bitt! Deine Ohren zu mir neige, Und mir dein Gunst erzeige: In der Noth verlaß mich nit!

4. Gib, daß mich und meine Nieren Keine Pein des Steins berühren, Und was sonsten schmertzlich fällt: Dann diß alles kanst du heilen, Und darwider Hülf ertheilen, Als ein Artzt von Gott gestellt.

5. Quaal und Kranckheit an den Lenden, An den Füssen, an den Händen, An dem Aug und gantzen Leib; Wie auch alle Fieberschmertzen, Alle Noth und Angst des Hertzen, Als ein Helffer von mir treib.

6. Doch vor allen, meiner Seelen Helff, und laß sie nicht verfehlen Von dem Weg der Seligkeit! Wil der Satan mich bestreiten, Und von meinem Gott verleiten, Kehr ihn ab von meiner Seit.

7. Wann ich diß von dir empfange, Wie ich hertzlich es verlange, Wil ich immer preisen dich; Wil dir auch mein Opfer bringen, Wil dein Lob mit Freuden singen, Und dir sagen Danck für mich.

8. Dann so werd ich frölich leben, Und in stäten Freuden schweben, Ohne Schmertz und alle Pein. Ja, ich werde mich bestreben, Deinen Namen zu erheben, Und dein treuer Knecht (treue Magd) zu seyn.

 

Von dem Schutz des h. Liborii. das 2te. In eigener Melodie.

1. Rühm und lobe, sing und preise, Du beglückte Pader-Stadt! Den die wunderbahrer Weise Dich so oft beschirmet hat. Werff dich vor die Gnaden-Lade Der so heiligen Gebein, Welche, daß kein Feind dir schade, Deine stäte Brustwehr seyn.

2. Licht und Schein war uns benommen, Da man sie geraubet hat; So bald sie nur wieder kommen, Spührt die Hülf gleich diese Stadt. Nun Libori! bey uns bleibe, Schütz dein anvertrautes Land; Alles Unheyl von uns treibe, Dieses kanst du, wie bekannt.

3. Treuer Bischof unsrer Seelen, O Libori! unsre Cron, Dessen Gnaden nicht zu zählen, Werther Stadt-und Lands-Patron: Beyde haben dir zu dancken, Daß durch dich, und dein Gebett, Nun ihr Zustand in den Schrancken Eines wahren Glückes steht.

4. Drückt uns die Verfolgungs-Menge, Du o Vatter! schwächst den Last; Du hilfst uns aus dem Gedränge; Wann uns Forcht und Angst umfaßt: Du bist unser Schutz im Leben, Von dir Heyl und Wohlfahrt fließt, Deine Fürbitt woll uns geben Was uns nütz und selig ist.

5. Laß die Andacht nicht erkalten, Und den Eyfer deiner Ehr: Der du uns bisher erhalten Bey der wahren Glaubens-Lehr. Gib anbey daß wir bedencken, Was für deine Lieb und Treu, Dein ergebnes Volck zu schencken, Dir hinwieder schuldig sey.

 

Das dritte im Thon: Freuet euch ihr liben

1. Freuet euch, ihr Paderborner, Euch ist ein Freud beschert: Uns ist der Cenommanner, Der größte Schatz verehrt, Den vor neunhundert Jahren, Der Bischof Badurad, Aus Franckreich hat gefahren, Zu uns, in aller Gnad, Kyrie eleison.

2. O wohl ein grosses Kleinod, Ist uns das heilge Pfand, Es war ein wilde Einöd Allhier in diesem Land, Es waren Finsternüssen, Und lauter Dunckelheit, Dies alle sagen müssen, Hier war Unwissenheit, Kyrie eleison.

3. Mit diesem Licht und Cörper, Nimm zu die Christlich Lehr: Es gaben Städt und Dörfer, Dem wahren Gott sein Ehr. Es thun groß Wunderzeichen Liborii Gebein, Die jetzt das Hertz erweichen, Und glauben insgemein, Kyrie eleison.

4. Lobt Gott ihr ersten Christen, Die solchen Schatz gesehn, Und jetzt ins Himmels Lüften, Das jährlich Fest begehn, Wir eure Kinder dancken, So viel als möglich ist, So oft wir daran gedencken, Daß Gott so gnädig ist. Kyrie eleison.

5. Dir fallen wir zu Füssen, Du unser Schatz und Schutz, Dein heilig G´bein wir küssen, Zu unserm Trost uns Nutz, Sey unser Hirt und Weide, Im gantzen Vatterland, Daß kein von hinnen scheide, Er nehm das Himmelspfand, Kyrie eleison. 

 

Das 4te von den Tugenden des h. Liborii und Bitte um Gnade zur Nachfolge. Im Thon: Sey gegrüsset o Libori. Oder in eigener Melodie.

1. O Libori! groß daroben, Wo die Engeln Jesum loben, Vor dem hohen Himmelsthron, Unser Trost in Aengstigkeiten, Unsre Hülf in schweren Zeiten, Unser Schutz- und Schirm-Patron!

2. Schau vom Himmel ab und mercke Meine geringe Andachtswercke, Dir zu Ehren angestellt. Von Verstreuung mich errette, Helf mir, daß ich also bette, Wie es meinem Gott gefällt.

3. Grosser Bischoff! in der Jugend Warst du schon geneigt zur Tugend, Und beflissen from zu seyn: Diese ist mit deinen Jahren Stets zu wachsen fortgefahren Bis zum hellen Mittagsschein.

4. Schaffe, daß ich auch mich lencke Zu der Tugend, und versencke Mich in meinem Gott allein: Daß im Glauben, Hoffnung, Liebe, Ich mein Herz beständig übe, Bis zu meinem Grab hinein.

5. Nach der Lehr, so Gott gegeben, hast gericht dein gantzes Leben Ohne Anstoß, ohne Fehl: Keiner hat dich je gesehen, Einen falschen Tritt begehen, Wider Gott und sein Befehl.

6. Bitte Gott, daß ich auch wandle Ohne Tadel, und nichts handle Wider ihn und sein Gebott: Bitte mir die Gnad beneben, Daß ich allzeit möge leben Keusch und rein vor meinem Gott.

7. Deine Demuth gegen allen, Und dein Sanftmuth hat gefallen Gott und Menschen jederzeit: In dem Hertzen und Gemüthe Warest immer voller Güte, Voller Lieb und Freundlichkeit.

8. O Mann Gottes! helf bey Zeiten Zorn und Hoffart zu bestreiten, Die den Sinn und Hertz verkehrt: Schaffe, daß ich sey demüthig, Und von Hertzen mild und gütig, Wie mein Heyland Jesus lehrt.

9. Ehr der Welt hast du verachtet, Ihre Freud für nichts geachtet, Und in Gott beruhet still: Dessen Willen hast du eben Stets gefolgt in deinem Leben, Alles wollend, wie Gott wil.

10. O Freund Gottes! für mich bette, Daß ich auch mit Füssen trette Alle Welt und ihre List: Daß ich auch, so lang ich lebe, Mich in Gottes Willen gebe, Gleich wie ihm gefällig ist.

11. Sanct Martinus, wie wir lesen, Ist bey deinem Tod gewesen, Bis zu deiner letzten Stund. O wie schöne Leibsbewegung, O wie süsse Hertzenregung, Flossen da aus deinem Mund.

12. O Libori! wann ich sterbe; Mir auch diese Gnad erwerbe, Daß ich nicht ohn Beystand sey: Wann die Todangst an mich dringet, Und in letzte Nöthen bringet, Komm zu mir, und steh mir bey.

 

188. Das 5te. Ein uralte Antiphon von dem h. Liborio, um Befreyung von Steinschmerzen durch seine Fürbitt zu erhalten. In bekandter Melodie

1. Du grosser Hirt und Gottesmann, Liborius halt für uns an, Damit nicht Grieß- und Nierenstein Die Strafe unsrer Sünden seyn.

2. Du auserwählte Englen Schaar Durch deine Hülf uns auch bewahr, Und bringe, nach vollbrachtem Streit, Uns zu der wahren Himmelsfreud.

 

189. Das 6te. Im Thon: Dilecte  mi. Oder in eigener Melodie.

1. O grosser Gott, im höchsten Thron, Du Schöpffer aller Dingen, Durch Jesum Christum deinen Sohn Erhöre was wir singen.

2. Den heilgen Geist in unser Hertz Schick mit den sieben Gaben, Der wolle uns in allem Schmertz Erquicken, trösten, laben.

3. Viel Wunderwerck durch die Gebein Liborii hast bewiesen: Dein Nahm dafür gelobt soll seyn, Und ewiglich gepriesen.

4. Weil dieser unser werthe Schatz, Des wir und billig freuen, Allhier zur Ruh genommen Platz, Dich Gott, wir benedeyen.

5. Libori zeig, daß deine Hand Noch wunderthätig bleibe: Unglück und Noth von diesem Land Und was uns schad´t, abtreibe.

 

Joseph Tillmann, Katholisches Gesangbuch (1796 – 1876)

 

Zum heiligen Liborius. Mel. Sey gegrüßet, o Libori!

1. Gottes Ehre zu vermehren, und Libori! dich zu ehren, machen wir dein Lob bekannt. Großer Bischof! deine Tugend lehrt das Alter und die Jugend, sie erbauet jeden Stand.

2. Demuthsvoll, gerecht, geduldig, menschenfreundlich, fromm, unschuldig bist du lieber Gottesmann! deine Beyspiel´ glänzen immer; schön ist deiner Tugend Schimmer, herrlich deine Lebensbahn.

3. Du vermehrst hier Gottes Ehre, du verbreitest Jesus Lehre, führst getreu das Hirtenamt. Tugendliebe zu erwecken, und von Sünden abzuschrecken, ist dein Eifer angeflammt.

4. Liebevoll zeigst du dich den Armen, reichst die Hände voll Erbarmen der Bedrängten Dürftigkeit; stärkst die Schwachen, und den Kranken gibst du Trost- und Heilsgedanken; heilig wirst du allezeit.

5. So verharrst du bis an´s Ende, bis dein Geist in Gottes Hände sich ergibt. Dein heil´ger Tod schafft dir dort die Lebenskrone, und zu deinem Tugendlohne freust du ewig dich in Gott.

6. Blick, Libori, auf uns nieder! Schütze uns und unsre Brüder, laß uns deinen Beystand sehn. Laß dein Beyspiel uns belehren, daß wir Gottes Ehr´vermehren, und den Weg des Heiles geh´n.

7. Hilf hier, Vater! deinen Kindern; laß ihr Elend sich vermindern. Sey stets Vater! Steh uns bey. Wenn uns in den bittern Tagen Unglück, Noth und Jammer schlagen; Vater, mache uns dann frey!

8. Führe unsre Obrigkeiten, daß sie Glück und Heil verbreiten, streit für unser Vaterland. Mach´ daß auch die Unterthanen sich den Weg des Segens bahnen, mache glücklich jeden Stand.

9. Gott den Vater laßt uns preisen, seinem Sohne Ehr´ erweisen, und dem heil´gen Geist´ zugleich. Gott, du Freude der Gerechten! nimm einst hin zu deinen Knechten uns von hier in´s Himmelreich.

 

Ab 1868 auch: Du großer Hirt und Gottesmann (s.o.)

 

 

Sursum Corda 1874

 

Zum hl. Liborius. Du großer Hirt und Gottesmann

1. Du großer Hirt und Gottesmann, Liborius, halt für uns an, auf daß nicht Gries und Nierenstein die Strafen uns´rer Sünden sei´n.

2. Du, auserwählte Engelschaar, durch deine Hülf uns auch bewahr und führe nach volllbrachtem Streit uns zu der wahren Himmelsfreud.

 

Sei gegrüßet, o Libori

1. Sei gegrüßet, o Libori, dessen Name, Ehr und Glorie Gott auf Erden groß gemacht; sei gegrüßt im Himmel droben, wo dich Christus hoch erhoben und die Krone dir gebracht!

2. Durch dein Beispiel, deine Lehre hast für Gott und seine Ehre du geeifert allezeit; deine Heerde treu geleitet, Christi Namen ausgebreitet in der dunklen Heidenzeit.

3. Dich mit Andacht zu begrüßen, liegen wir zu deinen Füßen, flehn zu dir mit Zuversicht: deine Ohren zu uns neige und uns deine Huld erzeige, in der Noth verlaß uns nicht.

4. O Libori, deine Güte unsern Leib vor Leid behüte, lindre, was ihm schmerzlich fällt; denn du kannst die Schmerzen heilen, wider Krankheit Hülf ertheilen, als ein Arzt von Gott bestellt.

5. Hilf vor Allem unsrer Seele, daß ihr Ziel sie nicht verfehle auf der Reis´zur Ewigkeit; will der Satan uns bestreiten und zum Bösen uns verleiten, steh uns hülfreich dann zur Seit.

6. O Freund Gottes, Gut und Leben sei in deinen Schutz gegeben, nimm uns auf in deine Hut! Sind wir einst in Todesnöthen, dann woll uns bei Gott vertreten, führ uns dann zum höchsten Gut!

 

Sursum Corda 1900

 

Wie 1874, jedoch mit einer um zwei Strophen erweiterten Fassung von Du großer Hirt und Gottesmann:

3. Du großer Hirt und Gottesmann, Liborius, ach, hör´ uns an! Durch Gottes Gnad´ auf dein Gebot flieht Krankheit, Schmerz und naher Tod.

4. Sei unser Arzt für Seel´ und Leib, all´ Sündenübel von uns treib´ und hilf, daß wahrer Tugendsinn des Lebens Krone uns gewinn´.

 

 

Sursum Corda 1948:

 

Sei gegrüßet, o Libori (wie 1874)

 

Du großer Hirt und Gottesmann (gegenüber 1900 leicht veränderter Text)

1. Du großer Hirt und Gottesmann, Liborius, halt für uns an, auf daß nicht Gries und Nierenstein die Strafen unsrer Sünden sein! Du Licht in der Bekenner Schar, durch deine Hilfe uns bewahr und führe nach vollbrachtem Streit uns zu der wahren Himmelsfreud!

2. Du großer Hirt und Gottesmann, Liborius, ach, hör uns an! Durch Gottes Gnad auf dein Gebot flieht Krankheit, Schmerz und naher Tod. Sei unser Arzt für Seel und Leib, all Sündenübel von uns treib und hilf, daß wahrer Tugendsinn :,: des Lebens Krone uns gewinn! :,:

 

 

Gotteslob / Paderborner Anhang

 

Sei gegrüßet, o Libori (Neufassung)

1. Sei gegrüßet, o Libori, dessen Namen, Ehr und Glorie Gott auf Erden groß gemacht; sei gegrüßt im Himmel droben, wo dich Christus hocherhoben und die Krone dir gebracht!

2. Durch dein Beispiel, deine Lehre hast du dich um Gottes Ehre treu gemüht zu aller Zeit; hast dein Volk zu Gott geleitet, Christi Namen ausgebreitet als ein Licht in Dunkelheit.

3. Sankt Libori, sieh uns beten und aus allen unsern Nöten flehn zu dir mit Zuversicht. Leib und Leben uns behüte, Kranken hilf in deiner Güte, und im Tod verlaß uns nicht.

4.Sieh im Lebenskampf uns ringen! Hilf, das Böse zu bezwingen! Steh als Helfer uns zur Seit! Stärke kraftvoll unsre Seele, daß sie nicht das Ziel verfehle auf dem Weg zur Ewigkeit!

5. Sankt Libori, unser Leben sei in deine Hand gegeben, unser Schutzherr, Gottes Freund. Steh uns bei, wenn wir einst sterben, daß das Himmelsreich wir erben, immerdar mit Gott vereint.

 

Großer Gott, in deinen Freunden

1. Großer Gott, in deinen Freunden loben wir dich allezeit. Wehre unsres Glaubens Feinden, mach zum Frieden uns bereit. Sankt Libori, Gottes Freund, bleibe fest mit uns vereint.

2. Frankreich rühmt dich und Westfalen heute und zu jeder Zeit. Laß des Friedens Sonne strahlen und verbanne jeden Streit. Sankt Libori......

3. Gottes Ehre war dein Leben, Gottes Wille dein Gebot. Ihm hast du dich hingegeben, treuer Knecht bis in den Tod. Sankt Libori......

4. Jesu Vorbild ließ dich sehen Gottes Menschenfreundlichkeit; und sein Geist half zu bestehen in des Lebens Kampf und Streit. Sankt Libori......

5. Die Verfolgten und die Armen nahmst du auf in deine Hut. Stärktest sie durch dein Erbarmen, teilest mit von deinem Gut. Sankt Libori......

6. Gottes Volk hast du geleitet brüderlich als guter Hirt; sichre Wege ihm bereitet und zur Wahrheit es geführt. Sankt Libori......

7. Gott, der Herr hat dich erhoben uns zum Zeichen in der Zeit. Darum wollen wir dich loben heute und in Ewigkeit. Sankt Libori......

 

Du großer Hirt und Gottesmann, Liborius (Neufassung)

1. Du großer Hirt und Gottesmann, Liborius, halt für uns an, auf daß nicht Gries und Nierenstein die Strafen unsrer Sünden sein! Du Licht in der Bekenner Schar, durch deine Hilfe uns bewahr.

2. Du großer Hirt und Gottesmann, Liborius, halt für uns an. Durch Gottes Gnad auf dein Gebot flieh´n Krankheit, Schmerz und naher Tod. Sei unser Arzt für Seel und Leib, all Schuld und Übel von uns treib.

3. Du großer Hirt und Gottesmann, Liborius, halt für uns an. So führe uns nach allem Streit zu Gottes ewiger Himmelsfreud und hilf, daß starker Glaubenssinn des Lebens Krone uns gewinn.

 

 

 

II. Liborius-Lieder in regionalen Gesangbüchern

 

Hüser, J.A., Katholisches Gebet- und Gesangbuch, Soest und Olpe 1850

 

Am Feste des h. Liborius.

1. Herrlich in den heil´gen Schaaren, Die des Heilands Boten waren, Glänzt Liborius dein Bild; Als ein treuer Hirt der Heerde Trugst du Mühen und Beschwerde, Glaubensstark und lieberfüllt.

2. Segen folgte deinem Worte, Vor ihm floh von Ort zu Orte Rings des Heidenthumes Nacht; Deinem Gotte nur ergeben, hättest du gern Leib und Leben Ihm zum Opfer dargebracht.

3. Drum des Lobes Huldigungen Weihen wir mit lauten Zungen Dir, der seinen Gott nun schaut; Drum die heiligen Gebeine Ehrt die gläubige Gemeine, Die sich deinem Schutz vertraut.

4. Gottesmann! blick auf uns nieder, Schütze uns und unsre Brüder, laß uns deinen Beistand sehn; Hülf, daß wahrhaft wir dich ehren, Daß wir Gottes Lob vermehren, Und den Weg des Heiles gehn.

5. Mach´uns willig, unser Leben, Hab und Gut dem Herrn zu geben, Ihm zu dienen sündenfrei; Denen auch laß Hülf erscheinen, Die in Erdennöthen weinen, Steh´ uns allen liebreich bei!

6. Gott den Vater laßt uns preisen, Seinem Sohne Ehr´ erweisen, Und dem heil´gen Geist zugleich; Gott du Freude der Gerechten, Nimm einst hin zu deinen Knechten Uns von hier in´s Himmelreich!

 

An demselben Feste.

1. O Libori, guter Hirte! Arme sind wir und Verirrte, Welche flehend zu dir schaun; Jeder darf ja auf dich hoffen, Welche Noth ihn auch betroffen, Und sich deinem Schutz vertraun.

2. Sieh´ herab von Himmelshöhen, Wo der Selg´en Hütten stehen, Deinen Schutz befohlenen; Meine Bitten gnädig höre, Und das Lied zu deiner Ehre Woll´st du, Heil´ger, nicht verschmäh´n.

3. Schon von Anbeginn der Jugend hast du Herz und Sinn der Tugend Ernsten Willens zugewandt; Und ausharrend hast zum Lohne Du erlangt die Ehrenkrone Droben in dem Heimathland.

4. Laß dein Beispiel vor mir schweben, Hilf mir nach der Tugend streben Mit Geduld und ächter Treu, Daß ich glaubend, hoffend, liebend, Böses meidend, Gutes übend, Einst mit dir im Himmel sei.

 

 

Katholisches Gesangbuch nebst Gebeten... Erfurt 1859, 1868

 

Am Feste des h. Liborius (Meßreihe, die übrigen Gesänge sind ohne Bezug zu Liborius)

Zur Aufopferung. Mel.: Ich glaube, Gott, mit Zuversicht

1. Liborius, der sich, Herr, Dir und Deiner Kirch geweihet, der Deiner Lehre Samen hier mit Eifer ausgestreuet: der ist´s, in dem die Christenschaar Dein Lob alljährlich singet und dem zur Ehr´sie am Altar Dir Dankesopfer bringet!

2. Zum Leuchter Deiner Christenwelt, zum Führer Deiner Heerde hast Du, o Herr, ihn aufgestellt, daß er ihr Vorbild werde! Durch dieses Opfer, Vater mild, uns wolle Kraft verleihen, daß wir nach solchem Musterbild Dir unsre Tage weihen!

 

Nach der h. Wandlung. Mel.: O Gabriel, du treuer Knecht

1. Erlöser Aller, Gottessohn, der Kirchenfürsten ew´ge Kron, sieh mild aus Deinen sel´gen Höhn herab auf Deines Volkes Flehn!

2. Den Tag, an dem Du hast verklärt Liborius, hier treu bewährt, deß Leben Dir geheiligt war, begeht heut Deiner Diener Schaar.

3. Stets von der Welt und ihrem Tand hielt sein Gemüth er abgewandt; er hat nun in der heil´gen Kreis die Seligkeit dafür zum Preis.

4. Gib uns, Barmherziger, die Gnad, zu folgen seinem Tugendpfad; neig seinen Bitten Dich mit Huld, verzeih uns unsre Sündenschuld!

5. Dir, Jesu, König mild und hehr, sei mit dem Vater Preis und Ehr; auch Dir, o Geist der Heiligkeit, sei gleiches Lob in Ewigkeit!

 

Am Feste des Diöcesan-Patrons Liborius. Mel.: Preis, Anbetung Dir zu schenken

Herrlich in den heil’gen Scharen (wie oben bei Hüser) mit veränderter fünfter Strophe:

5. Laß dein Beispiel vor uns schweben, hilf uns Heiligkeit erstreben, bis zum Tode Gott getreu; daß auch uns die Siegeskrone, die dich schmückt an Gottes Throne, einst zum Lohn beschieden sei.

 

 

Katholisches Gesang- und Gebetbuch, Heiligenstadt [1874, 1901]

 

St. Liborius (Franciae quondam decus)

1. Frankreichs eh´malge Glaubensleucht´ und Zierde, den Sarth und Pader ehrt mit Heilsbegierde, steh hülfreich nieder aus des Himmels Glorie, heil´ger Libori!

2. Bescheiden, mäßig, keusch im Staubgewande, der Selbstsucht abhold und dem Sinnentande, bist kühnen Muthes du in´s Land der Frommen emporgeklommen.

3. Du, deiner Priester klarer Sittenspiegel, ja, alles Volkes Tugendbrief und Siegel, hast deiner Lippen Predigt mit dem Leben Nachdruck gegeben.

4. Arme beschenktest du mit vollen Händen, zahllose Tempel sind durch deine Spenden der Erd´ entstiegen, herrliche Altäre zu Gottes Ehre.

5. Nun da du schauest Gott nach Engelweise, der Erbe Umschwung und die Sonnenkreise, still´ unsern Kummer, heil´ all´ unsre Schwächen und Leibsgebrechen.

6. Dir, ein´ge Gottheit, dreifach in Personen, der ewig jubeln, die im Lichte wohnen: dir sei hienieden Lob und Dank gesungen von allen Zungen.

 

 

Kirchengesänge für katholische Gymnasien ins besondere zum Gebrauche des Theodorianums zu Paderborn, Paderborn 1835

 

O Libori, praesul bone

1. O Libori, praesul bone, advocate et patrone; quovis in discrimine! nostra spes in rebus duris, consolator in pressuris corporis et animae.

2. De coelorum celsa aede, Beatorum laeta sede, Me clientem respice. Gratiose preces audi, Quas dicabo tuae laudi, Nec orantem despice.

3. Ab ingressu juventutis Cor et mentem ad virtutis Contulisti studium. Haec deinceps in te crevit, Et constanter adolevit Ad stuporem omnium.

4. Fac et ego sic intendam Rebus sacris, et impendam Me virtutum cultui; Fac in fide, spe, amore Probe crescam te ductore, Uti semper debui.

 

Eja salve pretiosum

1. Eja salve pretiosum munus datum coelitus, salve munus gratiosam, nostris datum moenibus! te, Libori, defensore et tuorum protectore nil timendum civibus.

2. Quas dedere Cenomani Corporis exuvias, Salutamus Paderani Hilares reliquias. Te, Libori, salutamus, Et nos tibi commendamus, Tu tuere incolas.

3. O quot mira perpetrasti Isto in itinere, O quot bonis nos donasti In ingressu patriae. Perge tuos sic amare, Et a malis conservare, Tutor potentissime!

 

 

Deutsche und lateinische Kirchengesänge ... für katholische Gymnasien, Paderborn 1862

 

O Libori, praesul bone (s.o.)

 

Eja salve pretiosum (s.o.)

 

O, inclyta urbs

1. O, inclyta urbs Paderae, O, quantum refers bonum! Iam denuo Liborio Coeleste debes donum; Quae aberant reliquiae, Iam revertuntur integrae Carissimam ad sedem, Stant Paderae ad sedem.

2. O gaudeant iam patriae Et cives et coloni, O gaudeant iam incolae In reditu patroni! Qui olim hinc abductus est, Liborius reversus est Carissimam ad sedem, Stat Paderae ad aedem.

3. Recludite, recludite Iam portas, grex fidelis! Intrare vult, qui patriae Patronus est in coelis. Reclude seras, ianua; Attolle vectes, incola; Qui semper te amabit, Liborius, intrabit!

 

 

 

 



[1] „Sursum corda! Katholisches Gesang- und Gebetbuch für die Diöcese Paderborn. Mit Bischöfl. Approbation. Paderborn, Junfermann’sche Buchh. 1874“. XXI und 560 S. Eins der seltenen Exemplare befindet sich in der Erzbischöflichen Akademischen Bibliothek Paderborn (EAB), Sign. 88A1. Zur Gesangbuchgeschichte und zur liturgiewissenschaftlichen Erforschung von diözesanen Gesang- und Gebetbüchern als Desideraten vgl. Kohlschein, F., Diözesane Gesang- und Gebetbücher in der katholischen Aufklärung (ca. 1770-1840). Eine Einführung. In: „Der große Sänger David - euer Muster.“ Studien zu den ersten diözesanen Gesang- und Gebetbüchern der katholischen Aufklärung, hg. v. F. Kohlschein u. K. Küppers (Liturgiewissenschaftliche Quellen und Forschungen, hg. v. W. Heckenbach, 73). Münster 1993, 1-14.11f.

[2] Amtliches Kirchenblatt für die Diözese Paderborn, 23, 1874, 49f.

[3] Ebd., 50.

[4] Ebd.

[5] Metzler, K., Art. Athanasius von Alexandrien. In: Dörpp, S./Geerlings, W. (Hg.), Lexikon der antiken christlichen Literatur. Freiburg 1998, 58-63. Vgl. auch Brandt, H. J./Hengst, K., Das Erzbistum Paderborn. Geschichte. Personen. Dokumente (Veröffentlichungen zur Geschichte der Mitteldeutschen Kirchenprovinz, hg. v. K. Hengst u.a., Bd. 3). 2. Aufl., Paderborn 1993, 110.

[6] Brand,H. J./Hengst, K., Geschichte des Erzbistums Paderborn. Bd. 3: Das Bistum Paderborn im Industriezeitalter 1821-1930 (Veröffentlichungen zur Geschichte der Mitteldeutschen Kirchenprovinz, hg. v. K. Hengst u.a., Bd. 14). Paderborn 1997, 94. Innerkirchliche, speziell innergemeindliche Irritationen galt es zu vermeiden, erst recht die „Gesangbuchkriege“ vorausgegangener Jahrzehnte. Ebd., 384.

[7] Liese, W., Konrad Martin. Professor und Bischof. 1812-79. Paderborn 1937, 132-134.

[8] Wittig, M., Paderborn als kirchlicher Vor-Ort. Die Bedeutung für Stadt und Region. In: Hüser, K. (Hg.), Paderborn. Geschichte der Stadt in ihrer Region. Bd. 3: Das 19. und 20. Jahrhundert. Traditionsbindung und Modernisierung (Paderborn, Geschichte der Stadt in ihrer Region, 3 Bde., hg. v. F. Göttmann u.a.). Paderborn 1999, 337-401. 367f. Über das „Unzeitgemäße dieses Dogmas“ vgl. ebd., 368.

[9] Liese, W., Konrad Martin, 150-153. Konrad Martin nannte die Altkatholiken meistens „Protestkatholiken“ oder „Neuprotestanten“. Ebd., 152. Vgl. auch Martin, K., Ein letztes Wort an die Protestkatholiken. Paderborn 1873. EAB Paderborn, Sign. 76590. Zur Förderung der kleinen altkatholischen Gemeinden in Bochum, Dortmund und Witten durch die preußische Regierung vgl. Brandt, H. J./Hengst, K., Die Bischöfe und Erzbischöfe von Paderborn. Paderborn 1984, 307. Zur Rauferei und zum Gejohle bei einer Beerdigung in Attendorn vgl. Brandt, H. J.,/Hengst, K., Das Bistum Paderborn, 104.

[10] EAB Paderborn, Sign. AV1409. Vgl. auch Stamm, Chr., Dr. Conrad Martin, Bischof von Paderborn. Ein biographischer Versuch. Paderborn 1892, 314f. Christian Stamm war Geheimsekretär des Bischofs und Domkapitular, wie das Titelblatt ausweist, 1906-1920 Offizial

[11] Ebd., 316-319. Zur unbeabsichtigten Polarisierung zwischen den Konfessionen vgl. Gatz, E., Martin, Konrad (1812-1879). In: Gatz, E. (Hg.), Die Bischöfe der deutschsprachigen Länder. 1785/1803 bis 1945. Ein biographisches Lexikon. Berlin 1983, 478-481. 479.

[12] Abschrift des Schreibens des Oberpräsidenten von Westfalen in: Stamm, Chr., Dr. Conrad Martin, 318.

[13] Brandt, H. J./Hengst, K., Das Bistum Paderborn im Industriezeitalter, 99.

[14] Zu irrigen Einschätzung der Zentrumspartei als „Sammlung der Reichsfeinde“ seitens des Reichskanzlers Otto von Bismarck vgl. Lill, R., Der Kulturkampf in Preußen und im Deutschen Reich (bis 1878). In: Jedin, H. (Hg), Handbuch der Kirchengeschichte, Bd. VI/2. Freiburg/Basel/Wien. Sonderausgabe 1985, 28-48. 30f.

[15] Wittig, M., Paderborn als kirchlicher Vor-Ort, 370.

[16] Klueting, H., Geschichte Westfalens. Das Land zwischen Rhein und Weser vom 8. bis zum 20. Jahrhundert. Paderborn 1998, 354f. Bewegende Szenen der Ausweisung von Ordensleuten, der Betroffenheit von Waisenkindern und der Rettung von Sakralräumen durch spendenbereite Bürger schildert der Pfarrer J. Falter in: Der preußische Kulturkamp von 1873 bis 1880 mit besonderer Berücksichtigung der Diöcese Paderborn dem jüngeren Klerus und dem schlichten Volke in erzählender Form auf Grund quellenmäßiger Studien und von Selbsterlebnissen dargeboten. Paderborn 1900, 190-228.

[17] Liese, W., Necrologium Paderbornense. Totenbuch Paderborner Priester (1822-1930). Paderborn 1934, 254.

[18] Sursum corda, 1874, Nr. 25. In der Neufassung von Friedrich Kienecker lautet die Kopfzeile „Vater, nimm die Opfergaben“, in: Gotteslob. Katholisches Gebet- und Gesangbuch mit dem Anhang für das Erzbistum Paderborn. Paderborn 1975, Nr. 819.

[19] Hl. Hathumar (805/6-815), erster Bischof des 799 gegründeten Bistums Paderborn, das bis zu seiner Bestellung vom Würzburger Bischof verwaltet worden war. Hl. Badurad (815-862), zweiter Bischof von Paderborn, ließ 836 die Reliquien des hl. Liborius aus Le Mans nach Paderborn übertragen. Brandt, H. J./Hengst, K., Das Erzbistum Paderborn, 63.

[20] Stamm, Chr., Aus der Briefmappe des hochseligen Bischofs Dr. Conrad Martin von Paderborn. Paderborn 1902, 338.

[21] Brandt, H. J./Hengst, K., Das Bistum Paderborn, 382-385.

[22] Amtliches Kirchenblatt für die Diözese Paderborn 12, 1863, 54. Vgl. auch die Nachricht vom offiziellen Beschluß, ein neues Diözesangesangbuch herauszugeben (14. Januar 1863), in: Liese, W., Konrad Martin, 88f. Vgl. Anm. 241.

[23] E. K.-B., Zur Geschichte des deutschen katholischen Kirchenliedes. In: Blätter für kirchliche Wissenschaft und Praxis, herausgegeben unter Mitwirkung des Clerus der Diöcese Paderborn, 1, 1867, 2-6; 27-31; 85-88 und 2, 1868, 49-53.

[24] Ebd., 1, 1867,3.

[25] Ebd., 1, 1867, 87. Zum modischen Gebrauch und kritisch-polemischen Wortinhalt des Begriffspaares in der Mitte des 19. Jhdts. vgl. Dabag, M., Art. „Naturwüchsig“. In: Ritter, J./Gründer, K. (Hg.), Historisches Wörterbuch der Philosophie, Bd. 6, Darmstadt 1984, 650-653.

[26] S.-M., Zur Gesangbuchliteratur. In: Blätter für kirchliche Wissenschaft und Praxis, 6, 1872, 133-136. Zur „Gegenüberstellung von Katholiken und Protestanten“ vgl. Naarmann, M., Die Bischofsstadt Paderborn im Kulturkamp 1871-1882 (Paderborn. Geschichte in Bildern-Dokumenten-Zeugnissen. Heft 7). Paderborn 1992,12.

[27] Vgl. Anm. 2.

[28] R., Die Einführung des neuen Diöcesan-Gesangbuches „Sursum corda“. In: Blätter für kirchliche Wissenschaft und Praxis, 8, 1874, 70f. Zur Identität des anonym schreibenden Redakteurs vgl. Liese, W., Necrologium, 451.

[29] Vgl. Anm. 135 und 155.

[30] R., Die Einführung des neuen Diöcesan-Gesangbuches, 71.

[31] „Wohl aber muß ein solcher Antrag ... die Versicherung enthalten, daß Aufregung und Störung in der Gemeinde nicht zu befürchten sei.“ Vgl. Anm. 3.

[32] Vgl. Anm. 30.

[33] Über den Kirchengesang. In: Westfälisches Kirchenblatt für Katholiken 29, 1876, 589-593. Das von Geistlichen und Laien als Autoren gestaltete Blatt wurde 1848 in Paderborn gegründet von dem Verleger Ferdinand Schöningh (1815-1883) und den Geistlichen Heinrich Gaucksterdt (1816-1854) und Friedrich Gelshorn (1814-1875). Brandt, H. J./Hengst, K., Das Bistum Paderborn, 92. Vgl. einen ähnlichen Artikel eines anonymen Verfassers M. H., Noch ein Wort über das neue Gesangbuch „Sursum corda“. In: Blätter für kirchliche Wissenschaft und Praxis 9, 1875, 93-95.

[34] Über den Kirchengesang. In: Westfälisches Kirchenblatt für Katholiken 29, 1876, 591.

[35] Ebd., 592.

[36] Falter, J., Der preußische Kulturkampf, 43 und 48.

[37] Wittig, M., Paderborn als kirchlicher Vor-Ort, 373.

[38] Falter, J., Der preußische Kulturkampf, 195-199 und 216-219. Zur Auswanderung zahlreicher Ordensleute nach Nord- und Südamerika vgl. ebd., 199 und 207.

[39] Klueting, H., Geschichte Westfalens, 355.

[40] Falter, J., Der preußische Kulturkampf, 196; 86f. und 146.

[41] „Gesänge beym Römischkatholischen Gottesdienste nebst angehängtem Gebethbuche. Hrsg. von C. B. Verspoell. Vicarius zu Münster, in der Aschendorff’schen Buchh. 1810“. Ein Exemplar der 2. Aufl. von 1812 befindet sich in der EAB Paderborn, Sign. IX 369. Verspoell (1743-1818) war Vikar an St. Lamberti in Münster. Vgl. Gödden, W. u. a. (Hg.), Westfälisches Autorenlexikon 1750-1800. Paderborn 1993, 417f. Der Textdichter des Liedes „Fest soll mein Taufbund immer stehn“ ist wahrscheinlich Friedrich Matthias Berghaus (+ 1814), Pfarrer an St. Lamberti. Vgl. Bäumker, W., Das katholische deutsche Kirchenlied in seinen Singweisen, 4 Bde., Freiburg 1883-1911 (Nachdruck Hildesheim 1962). Bd. IV, hg. v. J. Gotzen, 132f. Im „Sursum corda“ (wie Anm. 1) hat das einstrophige Lied die Nr. 225, im „Gotteslob“ (wie Anm. 18) die Nr. 902.

[42] Brandt, H. J./Hengst, K., Das Bistum Paderborn, 283 und 397-400. Zu den gegenwärtigen Überlegungen zu Laiengottesdiensten aufgrund des Priestermangels vgl. die Buchreihe „Laien leiten Liturgie“, hg. v. Dietmar Thönnes, bes. den grundlegenden Eröffnungsband: Thönnes. D., Gottesdiensten vorstehen. Eine Einführung in die Praxis. Kevelaer 1998. Vgl. auch die verbindliche „Rahmenordnung für die Zusammenarbeit von Priestern, Diakonen und Laien im Bereich der Liturgie“ der deutschen Bischöfe. Bonn 1999, bes. 25-28.

[43] Vgl. Abschnitt III.2 und 3.

[44] Naarmann, M., Die Bischofsstadt Paderborn im Kulturkampf, 36.

[45] Westfälisches Kirchenblatt für Katholiken 27, 1874, als Faksimile in: Naarmann, M., Die Bischofsstadt Paderborn im Kulturkampf, 36.

[46] Ebd., 41. Dort Abdruck der Urteilsbegründung „Im Namen des Königs“.

[47] Falter, J., Der preußische Kulturkampf, 174.

[48] Naarmann, M., Die Bischofsstadt Paderborn im Kulturkampf, 42.

[49] Ebd., 64. Es gibt im Bistum Paderborn Bestrebungen, den Prozeß der Seligsprechung des Bekennerbischofs Konrad Martin zu beantragen.

[50] Vgl. Anm. 10. Vgl. auch Stamm, Chr., Dr. Conrad Martin, 437. Über die politische Gefährdung des Gemeimsekretärs vgl. Falter, J., Der preußische Kulturkampf, 185, 231f. und 238.

[51] Für die Jahre 1874-1879 sind 23 Titel aus der Feder Konrad Martins nachgewiesen. Vgl. Liese, W., Konrad Martin, 234f.

[52] Martin, K., Das christliche Leben. Mainz 1875, VI (EAB Paderborn, Sign. Is10). Im gleichen Jahr erschien die 2. Auflage, 1878 in Paris eine französische Übersetzung. Vgl. Liese, W., Konrad Martin, 209f.

[53] Martin, K., Das christliche Leben, 319-341.

[54] Vgl. Anm. 1. Wertvolle Funde und Erkenntnisse zur Paderborner Gesangbuchgeschichte sind dem Paderborner Liedforscher Theo Hamacher (1912-1999) zu verdanken, dem Organisten und Chorleiter an der Busdorf-Kirche. Vgl. Hamacher, Th., Tausend Jahre Paderborner Kirchengesang. In: Paderbornensis Ecclesia. Beiträge zur Geschichte des Erzbistums Paderborn. FS für Lorenz Kardinal Jaeger, hg. v. P. W. Scheele. Paderborn 1972, 817-834. 825-830.

[55] Küppers, K., Diözesan-Gesang- und Gebetbücher des deutschen Sprachgebietes im 19. und 20. Jahrhundert. Geschichte. Bibliographie (Liturgiewissenschaftliche Quellen und Forschungen, hg. v. W. Heckenbach, 69). Münster 1987, 5.

[56] Heitmeyer, E., „Münsterisch Gesangbuch / Auff alle Fest und Zeiten deß gantzen Jahrs... 1677“. Zu Struktur und Genese des ersten Münsterer Diözesangesangbuchs. In: Kranemann, B./Richter, K., Zwischen römischer Einheitsliturgie und diözesaner Eigenverantwortung. Gottesdienst im Bistum Münster (Münsteraner Theologische Abhandlungen, hg. v. A. Angenendt u.a. 48). Altenberge 1997, 79-101. 79f.

[57] Brandt, H. J./Hengst, K., Das Erzbistum Paderborn, 96.

[58] Zur Neuermittlung der biographischen Daten des ersten Paderborner Druckers vgl. Kohle, M., „Getruckt tho Paderborn bey Matthaeo Pontano“. Die Paderborner Druckerei des Matthaeus Pontanus seit 1597 im Dienst der Katholischen Reform. In: 400 Jahre Buchdruck in Paderborn 1597-1997. Begleitheft zur Ausstellung der Erzbischöflichen Akademischen Bibliothek Paderborn zum Gesamtwerk des ersten Druckers Matthäus Pontanus (Brückner). (Veröffentlichungen der Erzbischöflichen Akademischen Bibliothek Paderborn, hg. v. K. Hengst, Heft 4). Paderborn 1997, 11-44. 16f. und 20.

[59] Zu einem der ersten in Paderborn gedruckten Bücher vgl. Heitmeyer, E., Der „Kleine Catechismus“ des Johann von Detten. Reprint des Drucks von 1597 und Kommentar. Paderborn 1994, 62f.

[60] „Catholisch Gesangbüchlein, mit einem Catechismo und Ordinario festorum“ von Jacob Schlobruch, Paderborn 1600. „Catholische Advent und Weihenachten Gesäng“, Paderborn 1602. Vgl. Bäumker, W., Das katholische deutsche Kirchenlied, Bd. II, 30.

[61] Das einzige erhaltene Exemplar befindet sich in der Stadt- und Regionalbibliothek Erfurt (Sign. 5-12°-T.lit.50). Die EAB Paderborn ist im Besitz einer Kopie (Sign. K: 89A1). Eine Faksimilierung ist geplant.

[62] Zählung nach Bäumker, der jedoch seine Zählweise nicht transparent macht. Vgl. Bäumker, W., Das katholische deutsche Kirchenlied, II, 30f.

[63] Hacker, J., Die Messe in den deutschen Diözesan-Gesang- und Gebetbüchern von der Aufklärungszeit bis zur Gegenwart. Mit einem Überblick über die Geschichte dieser Bücher (Münchener Theologische Studien, hg. v. F. X. Seppelt u. a. Syst. Abt. 1). München 1950, 2f.

[64] „Alte Catholische Geistliche Kirchengesäng“, 220-223. Wie Anm. 61.

[65] Ebd., 223-226.

[66] Hacker, J., Die Messe, 49. Der Liedtypus der Leise, hervorgegangen aus dem geistlichen Volksgesang des Mittelalters, hat seinen Ursprung in den Kyrie-eleison-Rufen des Volkes. Hamacher, Th., Die Paderborner Gesangbuchdrucke. In: Ders., Musik und Musiker. Beiträge zur Musikgeschichte Westfalens, insbesondere des Paderborn-Corveyer Raumes. Paderborn 1982, 101-135. 102. Zur wechselvollen Rezeption und Adaption der im Gesangbuch von 1609 abgedruckten Leise „Gott sey gelobt und gebenedeyet“ (223-226. Wie Anm. 65) vgl. Heitmeyer, E., Das Gesangbuch von Johann Leisentrit 1567. Adaption als Merkmal von Struktur und Genese früher deutscher Gesangbuchlieder (Pietas liturgica. Studia 5, hg. v. H. Becker). St. Ottilien 1988, 172-186.

[67] Heinz, A., Schweigen - Stille. In: Gottesdienst der Kirche. Handbuch der Liturgiewissenschaft, hg. v. H. B. Meyer u.a., Bd. 3, Regensburg 1987, 240-248. 247f. Vgl. Anm. 241.

[68] Schmalor, H.-J., Abt Leonhard Ruben und Matthäus Pontanus. Das Zusammenspiel von Autor und Drucker - ein Kapitel Paderborner Buchgeschichte. In: 400 Jahre Buchdruck in Paderborn (wie Anm. 58), 47-75. 47f. und 51.

[69] Kohle, M., „Getruckt tho Paderborn“, 42. Ein Exemplar von 1617 befindet sich in der Staatsbibliothek Berlin - Preußischer Kulturbesitz. Sign. Hb 3475m. Ebd., Anm. 94.

[70] Ebd., 29. Ein Exemplar von 1628 befindet sich in der EAB Paderborn. Sign. AV 3723. Zur frühesten Paderborner Spee-Rezeption vgl. Anm. 91.

[71] Hamacher, Th., Tausend Jahre Paderborner Kirchengesang, 826. Vgl. Bäumker, W., Das katholische deutsche Kirchenlied, III, 51. Vgl. auch Hamacher, Th., Die Paderborner Gesangbuchdrucke, 108.

[72] Ebd., 109.

[73] Bäumker, W., Das katholische deutsche Kirchenlied, III, 57 und 63f.

[74] EAB Paderborn, Sign. AV 2564. Dort weitere Exemplare.

[75] EAB Paderborn, Sign. 27 834. Die frömmigkeits- und liturgiegeschichtliche Erforschung dieses Gesangbuchs (1726-1790) wäre ein lohnendes Projekt.

[76] EAB Paderborn, Sign. 27 838. Beigebunden ist ein 24seitiges Andachtsbüchlein zur „Todt-Angst Jesu Christi“ von 1737.

[77] Bäumker, W., Das katholische deutsche Kirchenlied, III, 57.

[78] Brandt, H. J./Hengst, K., Das Erzbistum Paderborn, 104f.

[79] Wie Anm. 76, 3.

[80] Ebd., 4. Die Anordnung ist im Wortlaut abgedruckt in: Bäumker, W., Das katholische deutsche Kirchenlied, III, 156f. Gedacht ist offensichtlich an Predigten außerhalb der Meßfeier. Vgl. dazu Art. „Predigt“. In: Adam, A./Berger, R., Pastoralliturgisches Handlexikon, 6. Aufl., Freiburg/Basel/Wien 1994, 419f.

[81] Wie Anm. 76, 5-15.

[82] Ebd., 16-81.

[83] Ebd., 49-53. Die unmittelbare Aufeinanderfolge von Beichte und Kommunion und zugleich das liturgisch isolierte Kommunionlied lassen auf einen aus dem eucharistischen Zusammenhang gelösten Kommunionempfang mit vorhergehender Beichte schließen. Zur Kommunion und zur Predigt außerhalb der Meßfeier in der Barockzeit vgl. Adam, A., Grundriß Liturgie. Freiburg/Basel/Wien 1985, 40 und 164f.

[84] Wie Anm. 76, 53-59.

[85] Ebd., 81-267.

[86] Ebd., 300-328. Zum mystischen Stufenweg vgl. Söhngen, G., Art. „Weg“. In: Lexikon für Theologie und Kirche, 2. Aufl., hg. v. J. Höfer/K. Rahner. Freiburg 1986 (Sonderausgabe), Bd. 10, 974-976. 976.

[87] Wie Anm. 76, 328.

[88] Zur jesuitischen Liedmission vgl. Heitmeyer, E., „Münsterisch Gesangbuch“, 97-101.

[89] Wie Anm. 76, 78-80; 180-183; 292-294.

[90] Ebd., 267.

[91] Zu den Lebens- und Schaffensetappen Spees in Stadt und Bistum Paderborn und zum Niederschlag seines Liedschaffens in den Paderborner Gesangbüchern seit 1628 vgl. Schneider, B., Die Rezeption von Spee-Liedern in den Diözesangesangbüchern der (Erz-) Diözesen Köln, Paderborn, Münster, Hildesheim und Osnabrück im 19. und 20. Jahrhundert. In: Von Spee zu Eichendorff. Zur Wirkungsgeschichte eines rheinischen Barockdichters, hg. von E. Grunewald/N. Gussone (Schriften der Stiftung Haus Oberschlesien. Literaturwissenschaftliche Reihe 3). Berlin 1991, 223-253. 241-253.

[92] Wie Anm. 84. Vgl. auch Heinz, A., Die Jesuiten als Förderer deutscher Meßlieder. Ein frühes Zeugnis für die Praxis des „Deutschen Hochamts“ (Friedrichstadt 1687). In: Liturgisches Jahrbuch (1985), 158-167.

[93] Es handelt sich um ein Sanktus-Lied, das Motive des lateinischen Textes aufnimmt.

[94] Zum Gesang während der Elevation vgl. Anm. 67. Das Gesangbuch von 1726 enthält ein weiteres Lied „Nach der Elevation“, eingeordnet bei den Fronleichnamsliedern: „Freut euch ihr lieben seelen“ (263f.). Dieses Lied findet sich seit 1609 (vgl. Anm. 64) in allen Paderborner Gesangbüchern mit Ausnahme der ersten Ausgabe des „Sursum corda“ von 1874. Die zweite Ausgabe von 1948 enthält das Lied wieder (Nr. 296), allerdings mit der falschen Herkunftsangabe „Wien 1774“ statt: Paderborn 1609.

[95] Adam, A., Grundriß Liturgie, 40. Vgl. z. B. auch Linneborn, J., Der Kirchengesang im Dekanate Attendorn (Westfalen) vor 100 Jahren. In: Caecilienvereinsorgan 50, 1915, 172-184. 178f.

[96] Hacker, J., Die Messe, 41. Zum deutschen Liedgesang in gesungenen Ämtern und zur kontinuierlichen Beibehaltung des Deutschen Hochamts im Bistum Paderborn vgl. Harnoncourt, Ph., Gesamtkirchliche und teilkirchliche Liturgie. Studien zum liturgischen Heiligenkalender und zum Gesang im Gottesdienst unter besonderer Berücksichtigung des deutschen Sprachgebiets (Untersuchungen zur Praktischen Theologie, hg. v. A. Exeler, 3). Freiburg/Basel/Wien 1973, 351 und 358. Zum „dringenden Desiderat“ einer Untersuchung der „deutschen Singmesse“ und des „deutschen Hochamts“ vgl. Kohlschein, F., „Christkatholisches Gesang- und Andachtsbuch zum Gebrauche bei der öffentlichen Gottesverehrung im Bisthum Konstanz“ (Konstanz 1812). In: „Der grosse Sänger David - Euer Muster“ (wie Anm. 1). Münster 1993, 137-281. 180, Anm. 163.

[97] Fischer, B., Das „Deutsche Hochamt“. In: Liturgisches Jahrbuch 3, 1953, 41-53. 47.

[98] Wie Anm. 61, 220-223. Vgl. auch Hamacher, Th., Zur Geschichte unserer Libori-Lieder. In: Ders., Musik und Musiker. 194-201. 196. Zum Tagesoffizium des Patrons der Stadt und des Bistums, ferner zur 900-Jahrfeier der Reliquienübertragung und Gründung der Libori-Bruderschaft 1736 ebd., 194f. Vgl. den Augenzeugenbericht vom festlichen Liboritag, dem 23. Juli 1736, in: Brandt, H. J./Hengst, K., Das Erzbistum Paderborn, 229-233.

[99] Liborius aus Le Mans. Vgl. Anm. 19.

[100] Wie Anm. 76, 299-300.

[101] EAB Paderborn, Sign. AV 3724. Nach bisherigen Kenntnissen handelt es sich um ein Unikat.

[102] Ebd., 8f. der vorgeschalteten Seiten.

[103] Ebd.; zum Wortinhalt von „schnarchen“ als „schwatzen, spotten“ vgl. Kluge, F., Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache, 19. Aufl., bearb. v. W. Mitzka. Berlin 1963, 668. Vgl. auch niederdeutsch „snötern“ in der Bedeutung „plappern“. Saß, J., Kleines plattdeutsches Wörterbuch, 16. Aufl. Neumünster 1992, 74.

[104] Wie Anm. 101, 9 der vorgeschalteten Seiten.

[105] Vgl. Hamacher, Th., Die Paderborner Gesangbuchdrucke, 115.

[106] Bäumker, W., Das katholische deutsche Kirchenlied, III, 79f.

[107] Ebd., 84.

[108] Ebd.

[109] Zwei Exemplare sind in der EAB Paderborn, Sign. AV 1586 und AV 2869. Weitere Exemplare sind nicht bekannt.

[110] EAB Paderborn, Sign. 27 819. Zu den Besonderheiten der Auflage von 1780 zählen u. a.: Das Wiederaufleben des lateinischen Gemeindegesangs beim Gottesdienst und der Abdruck von nun sechs Liborius-Liedern. Ein Aufarbeiten dieser in sich gegenläufigen dritten Paderborner Gesangbuchserie dürfte liturgie-, konfessions- und literaturgeschichtlich äußerst ergiebig sein.

[111] Wie Anm. 101, 10f. der vorgeschalteten Seiten.

[112] Vgl. Anm. 83.

[113] Die letztgenannte Zusammenstellung läßt auf ein verbreitetes Volksandachtswesen schließen. Vgl. Adam, A., Grundriß Liturgie, 165.

[114] Wie Anm. 101, Nr. 23-41. Im Gesangbuch von 1726 stehen folgende Gesänge: zum Gloria, Evangelium, Offertorium, zur Präfation, Elevation, zum Agnus Dei und zur Kommunion. Vgl. Anm. 84.

[115] Bäumker, W., Das katholische deutsche Kirchenlied, III, 80f.

[116] „Geystliche Lieder. Mit einer newen vorrhede / D. Mart. Luth. Leipzig 1545 (Das Babstsche Gesangbuch von 1545. Faksimiledruck mit einem Geleitwort hg. v. K. Ameln. Kassel/Basel/London/New York 1988), Nr. 16.

[117]“Gotteslob“, Nr. 470.

[118] Wie Anm. 101, Nr. 80.

[119] Ebd., Nr. 82.

[120] Ebd., Nr. 271-281. In Absetzung zu den Festzuweisungen folgen hier „Fernere Mutter Gottes Gesänge“. Ebd., Nr. 282-302.

[121] Ebd., Nr. 313. Die erste gedruckte Quelle ist das Bruderschaftsbüchlein „Geistliche Arzney“, hg. v. M. Strunck, Paderborn 1736. Die 2. Aufl. von 1754 befindet sich in der EAB Paderborn, Sign. AV 1370. Vgl. Hamacher, Th., Zur Geschichte unserer Libori-Lieder, 196f.

[122] Wie Anm. 101, Nr. 314. Die erste gedruckte Quelle ist das Bruderschaftsbüchlein von 1736 (wie Anm. 121).

[123] Wie Anm. 101, Nr. 314. Die erste gedruckte Quelle ist das Paderborner Gesangbuch von 1726. Vgl. Anm. 98 und 100. Die letzte Auflage des Buches von 1765 (1780) enthält sechs Libori-Lieder. Vgl. Anm. 110.

[124] Vgl. Anm. 111.

[125] Vgl. Anm. 106. Vgl. z. B. auch die Hinweise von W. Bäumker auf die Lieder von Angelus Silesius (1624-1677) und Wilhelm Nacatenus (1617-1682). Ebd. Zu den Liedern von Friedrich Spee (1591-1635) vgl. Anm. 91.

[126]Vgl. Anm. 241.

[127] Vgl. dazu z. B. die Lieder „Von der Schöpffunge“ (Nr. 253-256), „In gemeiner Noth“ (Nr. 268-270) und „Mutter Gottes Gesänge“ (Nr. 271-302). Zur bisher vernachlässigten Erforschung der deutschen Sprache als Liturgiesprache vgl. Häußling, A. A., Um das Rollenbuch der Liturgiegemeinde. Zur Bibliographie der deutschen Diözesan-Gesang- und Gebetbücher von Kurt Küppers. In: Archiv für Liturgiewissenschaft 30, 1988, 41-48. 47.

[128] Vgl. Anm. 75.

[129] Zur Eliminierung der protestantischen Lieder vgl. Anm. 108. Zum Wiederaufleben des lateinischen Gemeindegesangs vgl. Anm. 110.

[130] Zur Bedeutung und Funktion dieser neuen Gesangbuchgeneration vgl. Kohlschein, F., Diözesane Gesang- und Gebetbücher in der katholischen Aufklärung, 4f. Der gesamte Band „Der große Sänger David - euer Muster“ (vgl. Anm. 1) ist eine Fundgrube für die Gesangbuchforschung. Im hier skizzierten Zusammenhang interessiert vor allem die neue Würdigung der Gesang- und Gebetbücher der katholischen Aufklärung (passim).

[131] Abdruck des Erlasses in: Bäumker, W., Das katholische deutsche Kirchenlied, III, 157f.

[132] Brand, H. J./Hengst, K., Das Erzbistum Paderborn, 235f. Vgl. auch Klueting, M., Geschichte Westfalens, 262f.

[133] Ebd., 236-40.

[134] Küppers, K., Diözesan-Gesang- und Gebetbücher, 2f.

[135] Die EAB Paderborn besitzt zahlreiche Exemplare des „Tillmann“, als frühestes die vierte Aufl. von 1802 (Sign. AV 2569), die auch Wilhelm Bäumker benutzt hat. Vgl. Bäumker, W., Das katholische deutsche Kirchenlied, III, 110f. Zum nur literarisch nachgewiesenen Melodienbuch von 1802 vgl. ebd., IV, 81.

[136] Ebd., IV, 247.

[137] Vgl. Anm. 4.

[138] Die Beschreibung fußt auf der 4. Aufl. Vgl. Anm. 135. Zum Buchtyp vgl. Anm. 63.

[139] „Katholisches Gesangbuch“, 4. Aufl. 1802. Vgl. Anm. 135.

[140] Vgl. Anm. 131.

[141] Wie Anm. 139, Nr. 9-13; 33 und 34; 40 und 41; 59 und 60; 79 und 80; 89; 92; 95; 113; 137 und 138.

[142] Ebd., Gebetsteil, Nr. 8. Vgl. z. B. die Gebetstexte „Bei dem Händewaschen“ und „Zur Erhebung des Kelches“.

[143] Ebd., z. B. zu Nr. 33, zur Epistel und zum Offertorium: „O Heiland, reiß die Himmel auf“; zu Nr. 42: „Als ich bei meinen Schafen wacht’“; zu Nr. 79, zur Epistel und zum Beschluß: „Die ganze Welt, Herr Jesu Christ.“

[144] Ebd., Nr. 9.

[145] Diese Singmesse ist vollständig dokumentiert worden; vgl. Ühlein-Sari, H., „Der heilige Gesang zum Gottesdienste in der römisch-katholischen Kirche.“ Der erste Band des Landshuter Gebet- und Gesangbuches (Landshut 1777). In: „Der große Sänger David - euer Muster,“ hg. v. F. Kohlschein u. K. Küppers, 282-321. 306-314. Vgl. auch Brenninger, G., Das Landshuter Kirchengesangbuch von 1777 - ein Bestseller der Aufklärungszeit. In: Liturgie und Dichtung, hg. v. H. Becker und R. Kaczynski (Pietas Liturgica 1). St. Ottilien 1983. Bd. 2, 811-820.

[146] Wie Anm. 139. Gloria- und Schlußlied sind leicht verändert, das Sanktuslied ist auf eine Strophe gekürzt worden. Das Landshuter Lied vor dem Evangelium „Wir sind im wahren Christenthum“ ist bei Tillmann ersetzt worden durch das Lied „Aus Gottes Munde gehet / das Evangelium“; dessen Quelle ist ein Buch aus dem Speyerer Raum „Catholisches Gesang-Buch“, Bruchsal 1770. Vgl. Bäumker, W., Das katholische deutsche Kirchenlied, III, 85. Das Aufdecken der Zusammenhänge zwischen den Büchern von Tillmann und Kohlbrenner wäre eine lohnende, bisher übersehene Aufgabe.

[147] Wie Anm. 139, Nr. 10, „Zweite Messe“.

[148] „Sursum corda“ von 1874 (wie Anm. 1), Nr. 9. Vgl. Anm. 249.

[149] Wie Anm. 139, Nr. 139-143.

[150] Ebd., Nr. 178. Es handelt sich um eine textliche Neudichtung auf die bekannte Melodie des Liedes „Sey gegrüsset, o Libori!“ Vgl. Anm. 121.

[151] Vgl. Anm. 133.

[152] Schmeck, A., Melchior Ludolf Herold. Zum 100. Todestage des bekannten Gesangbuchverfassers. In: Westfälisches Magazin. N. F. 2, 11, 1910. 113-128. 122. Vgl. auch die Berichte über den deutschen Kirchengesang aus den Dekanaten Attendorn und Brilon aus dem Jahr 1817. Linneborn, J., wie Anm. 95. Zum geistlichen und sozialen Engagement Herolds vgl. Meyer, A. H., Die erste Industrieschule in Westfalen gegründet. Pfarrer Melchior Ludolf Herold zum Gedenken. In: Heimatblätter. Beilage zum „Patriot“, 58. Jg., Folge 15. Lippstadt 1978, 1f.

[153] Bäumker, W., Das katholische deutsche Kirchenlied, IV, 76.

[154] Ebd., 88-90. Dort Quellennachweis aller Gesänge. Zum Choralbuch von 1808 ebd., 102-105. Dort Herkunftsnachweis der Melodien, soweit möglich. Die EAB Paderborn besitzt ein Exemplar des Choralbuchs, Sign. 27 808. Zur „Einarbeitung“ des Landshuter Gesangbuchs (1777) in das Heroldsche vgl. Brenninger, G., Das Landshuter Kirchengesangbuch, 814. Vgl. Anm. 145 und 146.

[155] EAB Paderborn, Sign. 27 744.

[156] Bäumker, W., Das katholische deutsche Kirchenlied, IV, 89. Zur wechselvollen Geschichte der Editionen kurz vor und nach dem Tod Herolds vgl. Schmeck, A., Melchior Ludolf Herold, 123-125. Mehrere Exemplare in der EAB Paderborn, z. B. Sign. 27 745 (9. Aufl., 1828).

[157] EAB Paderborn, Sign. 27 750.

[158] Bäumker, W., Das katholische deutsche Kirchenlied, IV, 89. Zum innovativen Einfluß der protestantischen Lieddichtung vgl. Härting, M., Das Kirchenlied unter dem Einfluß der kirchlichen Aufklärung. In: Geschichte der katholischen Kirchenmusik, hg. v. K. G. Fellerer. Kassel/Basel/Tours/London 1976, Bd. II, 173-175. 174.

[159] Schmeck, A., Melchior Ludolf Herold, 126. Vgl. Anm. 13 und 145.

[160] Ebd.

[161] Vgl. Anm. 133.

[162] Hamacher, Th., Ein Lehrer reformiert das deutsche Kirchenlied. In: Deutsche Tagespost 36 (1983), Nr. 67 (7. Juni). Zur Schultätigkeit Bones in Bedburg (1842-1856) in der Entstehungszeit des „Cantate“ vgl. Hamacher, Th., Heinrich Bone, das „Cantate“ und seine Bemühungen um die Erneuerung des katholischen deutschen Kirchenliedes. In: Ders., Beiträge zur Geschichte des katholischen deutschen Kirchenliedes. Paderborn 1985, 344-361. 346. Zu den Vorarbeiten zum Verfassen von Kirchenliedern in Bones Studienzeit in Bonn vgl. ebd., 351-353.

[163] Abgedruckt in: Bäumker, W., Das katholische deutsche Kirchenlied, IV, 303-321.

[164] Zum Verleger F. Schöningh vgl. Anm. 33. Eine Kurzfassung „Kleines Cantate“ ist erhalten aus dem Jahr 1863. EAB Paderborn, Sign. 27 822.

[165] EAB Paderborn, Sign. 27 730.

[166] EAB Paderborn, Sign. 25 257.

[167] Bäumker, W., Das katholische deutsche Kirchenlied, IV, 218f. Dort auch Hinweise auf die von Bone benutzten Quellen, z. B. das in Paderborn 1840 gedruckte Choral-Buch von Hermann Ignaz Knievel, ebd., 191, und das in Erfurt 1840 gedruckte Choral-Buch von Joh. Joseph Adam Homeyer, ebd., 190. Vgl. Anm. 189 und 199.

[168] Wie Anm. 165, Nr. 476.

[169] Auffällig ist der Hinweis, daß die Texte betend auswendiggelernt werden sollen, vor allem von der „Schuljugend“, um während der Meßfeier „auch ohne Gebetbuch“ geistliche Übungen verrichten zu können. Ebd., 239. Der Bezug zur Struktur der Feier ist nur in Ansätzen gewahrt.

[170] Zur Bezeichnung der Meßgebete des Priesters als „Andacht“ (speziell als „Kommunionandacht“) vgl. ebd., 378.

[171] Ebd., 303-314. Die erste Singmesse ist die bereits erwähnte mit dem Eingangslied „Hier liegt vor deiner Majestät.“ Vgl. Anm. 145. Bone übernimmt die Landshuter Fassung von 1777 getreuer als Tillmann.

[172] Ebd., 317-334.

[173] Ebd., 335-341.

[174] Ebd., 341-359.

[175] Ebd., 360-377. 371f.

[176] Ebd., 529.

[177] Bramd. H. J./Hengst, K., Das Bistum Paderborn, 382.

[178] Kohlschein, F., „Christkatholisches Gesang- und Andachtsbuch“, 182 und 270f. Vgl. auch die Vorrede zum „Cantate“ von 1847, wie Anm. 163, 304.

[179] Wie Anm. 165, passim.

[180] Hamacher, Th., Heinrich Bone, 354.

[181] EAB Paderborn, Auflage von 1741, Sign. 28 347 (und weitere Exemplare). Vgl. Anm. 163.

[182] Wie Anm. 76.

[183] Wie Anm. 101.

[184] Zum Nachweis dieser Lieder vgl. Schneider, B., Die Rezeption von Spee-Liedern, 244.

[185] Heinrich Bone war 1839-1842 Gymnasiallehrer, Konrad Martin 1840-1844 Religionslehrer am Marzellen-Gymnasium zu Köln. Liese, W., Konrad Martin, 22-25.

[186] Schneider, B., Die Rezeption von Spee-Liedern, 243f.

[187] Ebd., 244f.

[188] Zur Einräumung von Auflagen früherer Gesangbücher über 1874 hinaus vgl. Anm. 4.

[189] EAB Paderborn, Sign. AV 2747. Vgl. Anm. 167.

[190] Wie Anm. 189. Vgl. auch Bäumker, W., Das katholische deutsche Kirchenlied, IV, 191-193.

[191] Zu Generalvikar Heinrich Drüke (1827-1844) und seinen kirchenmusikalischen Verdiensten vgl. Hamacher, Th., Die Paderborner Gesangbuchdrucke, 124. Vgl. auch dens., Hermann Knievel und sein Choralbuch, Paderborn 1840. In: Ders., Beiträge zur Musikgeschichte des Paderborner Raumes. Paderborn 1982, 306-314. 309. Zu den acht Melodien Knievels im „Gotteslob“ vgl. ebd., 311.

[192] Vgl. Anm. 154.

[193] Bäumker, W., Das katholische deutsche Kirchenlied, IV, 191-193.

[194] Die EAB Paderborn besitzt zahlreiche Exemplare, größtenteils als einfache Pappbändchen, teilweise aber auch höchst individuell eingebunden.

[195] EAB Paderborn, Sign. AV 2563. Zur Olper Eigentradition vgl. „Allgemeines Gesangbuch“ von Adam Heinrich Roberti, Olpe 1804. EAB Paderborn, Sign. 2729. Vgl. auch Wermert, J. (Hg.), Sursum corda. Gesang- und Gebetbücher aus Olpe und dem südlichen Sauerland. Eine Ausstellung des Stadtarchivs Olpe (Quellen und Beiträge des Stadarchivs Olpe, 2). Olpe 1992.

[196] Zur Gebietserweiterung des Bistums Paderborn nach 1821 vgl. Anm. 132 und 133.

[197] Brandt, H. J./Hengst, K., Das Bistum Paderborn, 382f. Vgl. auch die Vorrede von Theodor Tilike (1811-1887) zu seinem Gesangbuch „Magnificat“, Heiligenstadt 1862. In: Bäumker, W., Das katholische deutsche Kirchenlied, IV, 322-327. 322 und 326.

[198] Herold, C., Gemeinde der Zugezogenen. Die katholische Kirche in und um Halle im 18. und in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Leipzig 1983, 96. Zum „Cantate“ vgl. Anm. 165.

[199] Aus den reichen Beständen an Gesangbüchern aus dem östlichen Teil des Bistums in der EAB Paderborn werden hier exemplarisch genannt:

- „Catholisches Unterrichtungs-Gebet- und Gesang-Buch zum Gebrauch für katholische Christen von P. Raymund Bruns ...“ 13. Aufl., Halberstadt 1824. Sign. 56 A 93.

- „Gesang- und Gebet-Buch für katholische Christen ...“ Cöthen o. J. (1839). Sign. AV 2566.

- „Katholisches Gesangbuch ...“. Erfurt 1859. Sign. 27 805. (Es handelt sich um das Textbuch zum Choralbuch von J. A. Homeyer. Erfurt 1840).

- „Katholische Gesänge ...“. 2. Aufl., Magdeburg 1859. Sign. Ix 166.

- „Katholisches Gesang- und Gebetbuch ...“. Heiligenstadt 1874. Sign. 27 854. Aufl. 1901, Sign. 153 1004.

[200] Zur bischöflich empfohlenen Einführung des „Sursum corda“ vgl. Anm. 2. Vgl. auch Anm. 136 und 188. Die Aufarbeitung der Gesangbuchgeschichte des sächsisch-thüringischen Bistumsteils ist ein Desiderat.

[201] Zum Titelblatt vgl. Anm. 1.

[202] Hamacher, Th., Die Paderborner Gesangbuchdrucke, 132. Zur Auflagenstärke von gleichbleibend 10.000 Exemplaren über die Jahrzehnte hinweg vgl. den Schriftwechsel des Generalvikariats mit dem Verlag Junfermann. Erzbistumsarchiv, Acta generalia, XIV, 6 und 7.

[203] Wie Anm. 28, 71.

[204] 12 Silbergroschen waren z. B. 1871 in Preußen der Preis für ein Pfund Butter. Vgl. Persch, M., Das Trierer Diözesangesangbuch von 1846-1975. Ein Beitrag zur Geschichte der Trierer Bistumsliturgie (Trierer Theologische Studien 44). Trier, 1987, 233f.

[205] Wie Anm. 157.

[206] Communikanten sind die Teilnehmer an der Meßfeier, dem Gottesdienst der ganzen Kirche. Vgl. die Übersetzung von „Communicantes“ des Canon Missae im „Sursum corda“ von 1874, Nr. 9: „Wir stehen in Gemeinschaft ...“ (Wie Anm. 1).

[207] Wie Anm. 28, 71.

[208] Ebd.

[209] M. H., Noch ein Wort über das neue Gesangbuch „Sursum corda“. In: Blätter für kirchliche Wissenschaft und Praxis, 9, 1875, 93-95. 94. Vgl. Anm. 33.

[210] Küppers, K., Diözesan-Gesang- und Gebetbücher, 124.

[211] Erzbistumsarchiv, Acta generalia, XIV, 6 und 7. Akten aus der Entstehungszeit des „Sursum corda“ sind in den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts einem Brand zum Opfer gefallen.

[212] Brandt, H. J./Hengst, K., Das Bistum Paderborn, 95.

[213] Wie Anm. 211.

[214] Erzbistumsarchiv, Acta generalia, XIV, 8. Der tarifliche Stundenlohn eines Industriearbeiters (Facharbeiters) betrug 1930 102,8 Pfennig. Petzina, D. u. a., Sozialgeschichtliches Arbeitsbuch, Bd. 3. Materialien zur Statistik des Deutschen Reiches 1914-1945. München 1978, 99.

[215] Bäumker, W., Das katholische deutsche Kirchenlied, IV, 284. Die Exemplare ab 1900 sind in der EAB Paderborn in so reicher Zahl vorhanden, daß sich die Angabe von Signaturen erübrigt. Die Erweiterung der Auflage von 1903 ist so geringfügig, daß von einer neuen Ausgabe nicht gesprochen werden sollte. Vgl. Küppers, K., Diözesan-Gesang- und Gebetbücher, 56 und 124.

[216] Zur Einführungsverordnung für die „unabänderlichen Einheitslieder“ durch Bischof Karl Joseph Schulte (1910-1920) und zu seinem Bedauern, daß an das erwünschte Einheitsgesangbuch „im Augenblick noch nicht zu denken“ sei, vgl. den Erlaß vom 15. August 1916. In: Amtliches Kirchenblatt für die Diözese Paderborn, 59, 1916, Nr. 155.

[217] Stakemeier, E., Das neue Sursum corda. In: „Der Dom“. Kirchenzeitung für das Erzbistum Paderborn. 1948, 149f.; 159f.; 183f.; 193. 149.

[218] EAB Paderborn, Sign. 57 599. Zum Streit um die Ziffern-Notation und die Aufnahme von Noten in das „Sursum corda“ von 1874 vgl. den anonymen Artikel „Notenziffern. Zur Frage des neuen Diöcesan-Gesangbuches.“ In: Westfälisches Kirchenblatt, 26, 1873, 581-583.

[219] Hamacher, Th., Die Paderborner Gesangbuchdrucke, 132f. Zu den kirchenmusikalischen Erwartungen an ein Choralbuch vgl. A. M., Zum Choralbuche zu dem Diöcesan-Gesangbuche „Sursum corda“. In: Blätter für kirchliche Wissenschaft und Praxis, VIII, 1874, 43-46. Zum kostenlosen Druck einer provisorischen Ausgabe des Choralbuchs vgl. B. S..n..., Gedanken und Wünsche in Betreff des Choralbuches zum „Sursum corda.“ In: Blätter für kirchliche Wissenschaft und Praxis, IX, 1875, 21f.

[220] Bäumker, W., Das katholische deutsche Kirchenlied, IV, 252.

[221] Ebd., 284f. EAB Paderborn, Sign. 151 711a.

[222] S.-M., Zur Gesangbuchliteratur. In: Blätter für kirchliche Wissenschaft und Praxis, VI, 1872, 133-136. 136. Offensichtlich handelt es sich um den verschollenen „Vorentwurf“, der somit auf 1872, nicht 1873 datiert werden müßte. Zur Datierung „1873“ vgl. u. a. Hamacher, Th., Die Paderborner Gesangbuchdrucke, 132.

[223] Das „Wiedersehen“ mit den vertrauten alten Liedern zeigt, daß trotz der im Druck vorliegenden neueren Lieder (etwa bei Tillmann und Herold) eine mündliche Tradition die altvertrauten Gesänge lebendig gehalten hat. Vgl. dazu Harnoncourt, Ph., Gesamtkirchliche und teilkirchliche Liturgie, 352, Anm. 157.

[224] Häußling, A. A., Wie beginnt Gottesdienst? Beobachtungen an den Horen der Tagzeitenliturgie. In: Sursum Corda. Variationen zu einem liturgischen Motiv (FS Ph. Harnoncourt), hg. v. E. Renhart und A. Schnider. Graz 1991, 178-184. 178.

[225] Übersetzung des Zurufs im „Sursum corda“ 1874, Nr. 9. Zum Gehalt, zur Funktion und zur Geschichte des Rufs „Sursum corda!“ vgl. Casel, O., Das christliche Opfermysterium. Zur Morphologie und Theologie des eucharistischen Hochgebetes. Graz 1968, 151-167.

[226] Vgl. Anm. 22, 67, 92 und 114.

[227] Vgl. Anm. 165. Auch Joseph Mohr (1834-1892) wählte den Titel „Cantate“ für sein erfolgreiches Gesangbuch von 1873.(EAB: Ausg. von 1914, Sign.: 4,16) Bäumker, W., Das katholische deutsche Kirchenlied, IV, 245.

[228] Schauerte, H., Die Verfasser des Sursum corda. In: Die Warte, 1, 1933, 49.

[229] Vgl. Anm. 75. Der Verlag ist seit 1751 in Paderborn ansässig. Maron, W., Vom Ende des Fürstbistums bis zur Gründung des Deutschen Reiches (1802-1871). In: Paderborn. Geschichte der Stadt in ihrer Region, 2-99. 68.

[230] Vgl. Anm. 101.

[231] Vgl. Anm. 135.

[232] Wie Anm. 228. Vgl. auch den Briefwechsel zwischen dem Verlag Junfermann und W. Bäumker. In: Ders., Das katholische deutsche Kirchenlied, IV, 246. Aus dem Schriftwechsel des Generalvikariats mit dem Verlag Junfermann geht hervor, daß die Verfasser am Erfolg des „Sursum corda“ finanziell partizipierten. Am 7.2.1906 bestätigt die Nichte und Erbin von Joseph Kleinschmidt den Empfang von 17.950 Mark vom Verlag Junfermann für die Abtretung des Urheberrechts am „Sursum corda“ an den Bischöflichen Stuhl. Am 26.2.1906 bestätigt Ferdinand Wacker den Empfang von 12.000 Mark in gleicher Angelegenheit. Erzbistumsarchiv, Acta generalia, XIV, 6 und 7. Zu der Zeit betrug der Wochenlohn eines Buchdruckers 31,25 Mark. Vgl. Stürmer, M., Das ruhelose Reich. Deutschland 1866-1918 (Siedlers Deutsche Geschichte). Berlin 1994, 308.

[233] Hamacher, Th., Die Paderborner Gesangbuchdrucke, 131f. Zu F. Heitemeyer vgl. Anm. 17 und 18. Von P. Sömer stammt z. B. die Übersetzung des Vesper- und Prozessionshymnus „Vexilla regis prodeunt“, die auch in das „Gotteslob“ übernommen ist: „Des Königs Banner wallt empor“, „Sursum Corda“ 1874, Nr. 125a und b; „Gotteslob“, Nr. 844.

[234] Vgl. Anm. 61.

[235] Vgl. Anm. 165.

[236] Vgl. Anm. 155.

[237] Vgl. Anm. 227.

[238] Z. B. Deutsche Meßgesänge und deutsche Vesper. Vgl. Hamacher, Th., Die Paderborner Gesangbuchdrucke, 129. Vgl. auch die intensive Quellenstudie des Paderborner Professors für Moraltheologie und Domchordirektors Hermann Müller (1868-1932), der 1910-1926 Generalpräses des Allgemeinen deutschen Cäcilienvereins war. Ders., Gänge durchs Kirchenlied an der Hand des Paderborner Gesang- und Gebetbuches Sursum corda! Paderborn 1926. Vgl. dort die Angaben über die Eigenschöpfungen von Kleinschmidt und Wacker.

[239] Vgl. Anm. 130 und 145.

[240] Schwermer, J., Der Caecilianismus. In: Geschichte der katholischen Kirchenmusik, Bd. II, 226-236. 226.

[241] Grütters, F., Das neue „Sursum corda“. In: Theologie und Glaube 1947/48, 355-361. 355. Zum liturgiegeschichtlichen Zusammenhang vgl. Aubert, R., Eucharistische Dekrete und liturgische Erneuerung. In: Jedin, H., Handbuch der Kirchengeschichte, Bd. VI. 2, 416-426. 420f. und 426. Vgl. auch den liturgisch folgenreichen Satz aus dem Motu proprio Pius’ X. vom 22. November 1903 (über die Kirchenmusik): Die erste Quelle, aus der das christliche Leben der Gläubigen gespeist werde, sei in „der aktiven Teilnahme am Kultmysterium und an den gemeinsamen und feierlichen Gebeten der Kirche“ zu suchen. Ebd.

[242] Hamacher, Th., Das Kirchenlied der Romantik. In: Geschichte der katholischen Kirchenmusik, Bd. II, 262-270. 263-265.

[243] Stakemeier, E., Das neue Sursum Corda. 149. Dort eine rückblickende Würdigung der ersten Ausgabe von 1874. Die Erforschung der Gebetssprache in einem Diözesangesangbuch ist immer noch ein Desiderat. Vgl. Schnitzler, Th., Die neu erschienenen Gesang- und Gebetbücher der Diözesen Deutschlands und Österreichs. In: Archiv für Liturgiewissenschaft, III/1, 1953, 218-232. 230f.

[244] Vgl. Anm. 67, 96 und 223.

[245] Im ersten Teil sind diese Elemente allerdings nur sparsam vertreten, z. B. in der zweiten Sakramentsandacht (Nr. 229). Zur Entstehung dieser Andacht als Bruderschaftsandacht im 16. Jhdt. und zur Übernahme in die Neufassung des „Sursum corda“ von 1948 vgl. Stakemeier, E., Das neue Sursum Corda, 149.

[246] Vgl. Anm. 95.

[247] Gemeint ist wohl u. a. die einzige Meßandacht des Buches, S. 465-474.

[248] Vgl. Anm. 226. Vgl. auch den zeitgenössischen dringenden Appell an die Lehrer und Geistlichen, das neue Gesangbuch vor allem bei Kindern und Jugendlichen methodisch angemessen einzuführen und den inneren Gehalt zum geistigen Eigentum werden zu lassen, um die den Gottesdienst feiernde Gemeinde „für die Würde des Cultus erfolgreich zu interessiren.“ M. H., Noch ein Wort über das neue Gesangbuch „Sursum corda“. In: Blätter für kirchliche Wissenschaft und Praxis, IX, 8, 1875, 93-95. 94f. Diese „Schulmesse“ hat alle Auflagen des Buches vor 1948 überdauert. Vgl. auch Anm. 147 und 148.

[249] Vgl. Anm. 147 und 148.

[250] Zur Herkunft der Texte und Melodien vgl. Müller, H., Gänge durchs Kirchenlied. Die Lieder sind jeweils unter ihren Nummern aufgeführt. Zur Uneinheitlichkeit des Begriffs „Deutsche Singmesse“ vgl. Kohlschein, F., Christkatholisches Gesang- und Andachtsbuch, 144.

[251] Z. B. Nr. 15 einschließlich des folgenden Gebets zur geistlichen Kommunion. Das Gebet ist für die vier folgenden Singmessen gleichermaßen vorgesehen. Vgl. z. B. auch die „Erste Ostermesse“ (Nr. 148) und die „Erste Sakraments-Messe“ (Nr. 199). Zur Herausbildung einer auf das Schauen eingestellten Frömmigkeit und zur zunehmenden Scheu vor dem Empfang der Kommunion vgl. Adam, A./Berger, R., Pastoralliturgisches Handlexikon, 268. Zum Appell des Bischofs Konrad Martin zur häufigeren wirklichen, nicht nur geistlichen Kommunion vgl. Martin, K., Das christliche Leben, 301 und 306.

[252] Erstmals als Gesangbuchlied in der nur literarisch belegten Neuauflage (1767) des Gesangbuchs von 1765. Vgl. Anm. 107.

[253] Als Gesangbuchlied erstmals im Gesangbuch von 1765, Nr. 313. Vgl. Anm. 101. Vgl. „Gotteslob“, Nr. 887.

[254] Schneider, B., Die Rezeption von Spee-Liedern, 245f. H. Müller kann in seiner gründlichen Quellen-Analyse nur einen Teil der Spee-Lieder identifizieren, weil die Spee-Forschung zu seiner Zeit nur recht magere Ergebnisse zur Liedzuweisung zu Spee aufzuweisen hatte. Vgl. Müller, H., Gänge durchs Kirchenlied, z. B. 24f. und 30 (zu Nr. 74, 75 und 92).

[255] Vgl. Abschnitt I dieser Abhandlung. Vgl. auch Anm. 132 und 133.

[256] Wie Anm. 165, Nr. 197.

[257] Vgl. das von Bischof Konrad Martin veranlaßte neue „Rituale Romanum“ für den Gebrauch in der Diözese Paderborn, gedruckt bei F. Schöningh. Paderborn 1862, Appendix, 102. EAB Paderborn, Sign. IX 347.

[258] Z. B. „Sursum corda“ von 1932, Nr. 351. Hier sind Lied und Gebet zusammen abgedruckt (Exemplar im Privatbesitz; auch in der EAB Paderborn mehrfach vorhanden).

[259] Nachweis des Exemplars wie Anm. 258.

[260] Kirchliches Amtsblatt, 1948, Nr. 356. Zu den für die liturgischen Entwicklungen der Zeit bedeutsamen „Paderborner Gutachten“ vgl. Maas-Ewerd, Th., Die Krise der Liturgischen Bewegung in Deutschland und Oesterreich. Zu den Auseinandersetzungen um die „liturgische Frage“ in den Jahren 1939-1944 (Studien zur Pastoralliturgie, hg. v. B. Kleinheyer und H. B. Meyer, Bd. 3). Regensburg 1981, 370-379.

[261] Grütters, F., Das neue „Sursum Corda“, 356.

[262] Ebd. Vgl. auch Schnitzler, Th., Die neu erschienenen Gesang- und Gebetbücher, 224f. Zu 1874 vgl. Abschnitt III,3 dieser Abhandlung. Zu Bones „Cantate“ vgl. Anm. 170. Zu dem bis 1971 gültigen Einheitstext für den Ordo und Kanon der Messe vgl. Harnoncourt, Ph., Gesamtkirchliche und teilkirchliche Liturgie, 391f.

[263] Zur Entwicklung und Variation dieses Meßfeiertypus vgl. Adam, A./Berger, R., Pastoralliturgisches Handlexikon, 61f. Vgl. auch Kohlschein, F., Christkatholisches Gesang- und Andachtsbuch, 144 und 280f. Zu den Meßliedreihen in den früheren Paderborner Gesangbüchern vgl. Anm. 92, 114 und 250. Die Meßliedreihen von 1948 werden angeführt von der „Majestätsmesse“. Vgl. Anm. 145 und 250. Zur liturgiegeschichtlichen und -rechtlichen Entwicklung der deutschen Messe vgl. Harnoncourt, Ph., ebd., 358-366.

[264] Vgl. Anm. 172. Vgl. Grütters, F., Das neue „Sursum Corda“, 356. Vgl. auch Stakemeier, E., Das neue Sursum Corda, 150.

[265] Grütters, F., ebd.

[266] Stakemeier, E., ebd., 150 und 159. Vgl. auch die Quellenangaben zu Text und Weise in den mit Noten versehenen Auflagen des Buches von 1948.

[267] Harnoncourt, Ph., Gesamtkirchliche und teilkirchliche Liturgie, 392f.

[268] Vgl. Anm. 252 und 253.

[269] Vgl. Anm. 254. Vgl. auch Schneider, B., Die Rezeption von Spee-Liedern, 248-253. Im Jahr 1937 war bei Junfermann eine Liedauswahl als „Vorentwurf“ zum neuen „Sursum corda“ erschienen, die schon 39 Spee-Lieder enthielt. Ebd., 248f. Die EAB Paderborn hat 2 Exemplare des „Vorentwurfs“. Sign. 56 636a/b.

[270] Die EAB Paderborn besitzt mehrere Exemplare. Vgl. auch Hamacher, Th., Die Paderborner Gesangbuchdrucke, 134. Zum Preis von 90 DM vgl. Kirchliches Amtsblatt, 1950, Nr. 70.

[271] Harnoncourt, Ph., Gesamtkirchliche und teilkirchliche Liturgie, 20f.

[272] Hamacher, Th., Die Paderborner Gesangbuchdrucke, 134.

[273] Seuffert, J., Die Schwierigkeiten, ein Gesangbuch zu machen. In: Nordhues, P./Wagner, A. (Hg.), Redaktionsbericht zum Einheitsgesangbuch „Gotteslob“. Paderborn/Stuttgart 1988, 36-42. Vgl. auch den Untertitel zum „Anhang für das Erzbistum Paderborn“ im „Gotteslob“: „Aus der Tradition des Sursum Corda (1874-1974)“.

[274] Zur mehrfachen Berufung verschiedener Kommissionen seit 1918 zur Erstellung eines neuen „Sursum corda“ vgl. Stakemeier, E., Das neue Sursum Corda, 149f.

[275] Ebd., 150.

[276] Kirchliches Amtsblatt, 1948, Nr. 156.

[277] Ebd., Nr. 202. Es sei daran erinnert, daß nach der Währungsreform vom 20. Juni 1948 Privatpersonen ein Kopfgeld von 60 DM erhielten.

[278] Kirchliches Amtsblatt, 1948, Nr. 271 und 272.

[279] Kirchliches Amtsblatt, 1948, Nr. 356.

[280] Ebd.

[281] Wie Anm. 278. Vgl. auch Anm. 202 und 209. Ergiebiges Aktenmaterial zur langwierigen Entstehung des „Sursum corda“ von 1948, auch zu Überlegungen hinsichtlich des überdiözesan geplanten Einheitsgesangbuchs befindet sich im Erzbistumsarchiv Paderborn.