Ferdinand von Fürstenberg und seine Bücher.

Fürstbischof von Paderborn 1661-1683

Dokumentation einer Ausstellung der Erzbischöflichen Akademischen Bibliothek Paderborn in der Volksbank Paderborn vom 8. bis 29. Dezember 1995.

 

Auswahl, Konzeption und Texte: Hermann-Josef Schmalor

 

 

 

 

Übersicht:

 

Literatur

 

Einführung in die Ausstellung. Eröffnungsvortrag

 

Themenkreise der Ausstellung

1. Ferdinand von Fürstenberg - Bischof und Fürst

2. Ferdinand von Fürstenberg - Dichter und Poet

3. Ferdinand von Fürstenberg als Historiker

4. Die Bibliothek Ferdinands von Fürstenberg

 

Nachworte

 

 

 

 

 

 

 

Die wichtigste Literatur in Auswahl:

 

Honselmann, K. Ferdinand von Fürstenberg und der Erstdruck der Capitulatio de partibus Saxoniae Karls des Großen. In: Westfälische Zeitschrift 126/127 (1977), S~ 439440.


Lahrkamp, H.: Ferdinand von Fürstenberg (1626-1683) in seiner Bedeutung für die zeitgenössische Geschichtsforschung und Literatur. In: Westfälische Zeitschrift 101/102 (1953), S. 301-400.


Lahrkamp, H.: Ferdinand von Fürstenberg. In: Westfälische Lebensbilder. Bd. 8. Münster 1959, S. 37-56.


Lahrkamp H.: (zu Ferdinand von Fürstenberg: In:) Fürstenbergische Geschichte. Bd. 3. Münster 1971, S. 119-149.


Micus, F. J.: Denkmale des Landes Paderborn (Monumenta Paderbornensia). Pa­derborn 1844.


Orzschig, J.: Briefe des Fürstbischofs von Paderborn, Ferdinand von Fürstenberg, an seinen Pariser Residenten Christophe Brosseau aus den Jahren 1673/74. In: Westfälische Zeitschrift 129 (1979), S. 247-266.


Richter, W.: Ferdinands von Fürstenberg Bildungsgang und literarische Tätigkeit. In: Westfälische Zeitschrift 56/2 (1898), S. 33-72.


Westfhoff, D.: Ferdinand von Fürstenberg. Fürstbischof von Paderborn und seine Kunstpflege. In: Westfälische Zeitschrift 92/2 (1936), S. 135-179.

 

 

 

Die ausgestellten Materialien (außer den Münzen) stammen aus der Erzbischöfli­chen Akademischen Bibliothek Paderborn, bzw. aus deren Deposita Theodoriani­sche Bibliothek (Signatur Th ...; Pa ...) und Verein für Geschichte und Alter­tumskunde Westfalens, Abteilung Paderborn (Signatur: AV ...; Cod ...; Acta .)

 

 

 

 

 

 

 

Einführung in die Ausstellung (Hermann-Josef Schmalor)

Vortrag, gehalten zur Eröffnung am 8. Dezember 1995

 

Meine sehr geehrten Damen und Herren.

 

Lassen Sie mich gleich mit einem Satz des Fürstbischofs selbst beginnen, der eigentlich die Grundlagen und Voraussetzungen für unsere heutige Ausstellungs­eröffnung darstellt. Er schreibt am 29. April 1683 wenige Wochen vor seinem Tod in seinem Testament, er vermache die gedruckten Bücher ~dem Collegio Societatis Jesu in unßer Stadt Paderborn, selbige zu dasiger Bibliothec zu fügen und dabey zu verwahren“. Allerdings sind im Laufe der Zeit, besonders am Ende des Zweiten Weltkriegs viele dieser Bücher zerstört worden, vorhanden sind noch rund 300 Bände aus Ferdinands Nachlaß; in etwa 60 Bände trug er mit eigener Hand seinen Namen ein. Ohne seine Bücher können wir uns Ferdinand von Fürstenberg kaum vorstellen. Seine Biographie zeigt ihn in allen Le­bensphasen als einen Mann, der sowohl den Wissenschaften wie auch den Kün­sten verbunden war, der dazu auch noch seine geistlichen wie weltlichen Ämter nie vernachlässigte.

Ein kurzer Blick in seine Lebensstationen soll uns den Hintergrund aufzeigen, auf dem sein umfangreiches Werk als Bischof und Fürst, als Poet und Historiker zu verstehen ist.

 

Geboren wurde Ferdinand im südlichen Sauerland, auf der Burg Bilstein 1626, und wäre er nicht ein Sproß der berühmten und weitverzweigten Familie von Fürstenberg gewesen, hätte man ihm als einem echten Kind des Sauerlandes seine spätere Weltläufigkeit gar nicht zugetraut. Zunächst fing es ja auch in der Nähe, nämlich mit der Schule in Siegen an, auch die Paderborner Universität, die er ab 1644 besuchte war noch relativ nah. Doch schon kurz darauf begab er sich zu Studien nach Münster und Köln. In Münster öffnete sich ihm die Tür zur Welt, als er den päpstlichen Legaten Fabio Chigi kennen lernte, der den jungen Ferdinand von Fürstenberg schätzte und förderte und mit dessen Karriere auch Ferdinands Schicksal eng verbunden war. Als Chigi Kardinalstaatssekretär des Papstes in Rom wurde, besuchte ihn Ferdinand auf dessen Einladung hin. Dieser Besuch dauerte schließlich neun Jahre lang. Aber es waren äußerst fruchtbare Jahre in Rom, besonders auch nachdem sein Freund und Gönner zum Papst ge­wählt worden war, Alexander VII. Obwohl sich Ferdinand nun ganz im Zentrum der katholischen Christenheit befand und Umgang oder zumindest Korrespondenz mit den berühmtesten Gelehrten und Künstlern seiner Zeit hatte, vergaß er doch - von klein auf verwurzelt in Westfalen - die Heimat nicht. Mit großem Eifer widmete er sich der westfälischen Geschichte, ließ sich von dem Paderborner Jesuiten Grothaus Urkundenabschriften aus dem Domarchiv machen und zusenden, durchstöberte die Vatikanische Bibliothek, dessen Leiter, Lukas Hol­sten, ihm freundschaftlich verbunden war, erforschte sächsische Quellen aus der Zeit Karls des Großen, arbeitete zusammen mit den Bollandisten an den Acta sanctorum usw.usw.

 

Dann wurde er 1661 zum Bischof von Paderborn gewählt und kehrte in seine westfälische Heimat zurück. Die Regierungszeit Ferdinands allgemein war für das Fürstbistum Paderborn eine Zeit der politischen Ruhe, des wirtschaftlichen Aufschwungs und der kulturellen Blüte. Als Ferdinand 1683 starb, wurde er von allen Seiten betrauert. Begraben wurde er in der Kirche des von ihm gegründeten Franziskanerklosters in Paderborn.

 

Soweit in aller Kürze der Lebensweg des Fürsten.

 

Bevor wir nun zu den einzelnen Themen der Ausstellung kommen, möchte ich Ihnen den Fürstbischof Ferdinand vorstellen, wie er sich zunächst als Bischof, dann als Fürst und schließlich sogar als Poet mit dem Paderborner Bier beschäf­tigt:

Kurz nach seiner Amtseinführung 1661 schreibt er in seiner Funktion als neuer Bischof von Paderborn in einem amtlichen Bericht über den Status seiner Diö­zese nach Rom: „In Paderborn braut man das wunderbarste Bier, das es in Deutschland gibt. ... Das Bier ist so berühmt und geschätzt, daß man es in die verschiedensten Länder, sogar über das Meer und bis nach Norwegen verfrach­tet.“ Dann am 6. Juli 1668 erläßt Ferdinand als Fürst eine Verordnung zum Schutz des Paderborner Bieres, da es ihm unangenehm aufgefallen sei, „daß in diß unser Stifft und Fürstenthumb so viel vom frembden Bier ... eingeführt und ver­zapft werde, daß das inheimbische liggen bleibe... (daher).. befehlen (wir) allen in-heimbischen Wirthen, Krügern und übrigen unseren Unterthanen ernstlich hiermit ... kein ander als inländisches Bier zu verzapfen und zu verkauffen.“ Förderung des Brauereistandorts Paderborn. Aber damit noch nicht genug: Fer­dinand, der sich für alles begeistern konnte, was es an Rühmenswertem in sei­nem Lande gab, hat noch gegen Ende seines Lebens seine Qualitäten als Poet bewiesen, indem er ein Lobgedicht auf das Paderborner Bier schrieb, das in der Ausgabe seiner Gedichte aus dem Jahre 1684, die Ludwig XIV. von Frankreich nach Ferdinands Tod veranlaßt hatte, abgedruckt ist: (Ich zitiere in Auszügen)

 

„Die mit Honig gebrauten Säfte der Gerste und des Hopfens /

fluten fürwahr reichlicher als der Pader sprudelnde Quellen; /

Denn das Bier von der Pader verscheuchet von unserem Munde /

besser den quälenden Durst als der köstlich­ste Wein Ganymeds".

(Die Übersetzung aus dem vollendeten Latein stammt von Alois Fuchs.)

 

Ferdinand war schon etwas Besonderes: Denn wo gibt es eine an­dere Stadt, deren Erzeugnisse vom eigenen Bischof und Landesfürsten besungen worden wären und dazu noch in einem Gedicht, das der König von Frankreich wegen des klassischen Lateins hat drucken lassen?

Sie sehen, der Fürstbischof von Paderborn, Ferdinand von Fürstenberg ist ein universaler Geist, der sich kaum in die Ordnungsschemata einer Ausstellung hineinzwängen läßt. Dennoch scheint eine Darstellung der Thematik „Ferdinand von Fürstenberg und seine Bücher“ anhand verschiedener Einzelthemen - schon aus Gründen der Übersichtlichkeit - geboten zu sein.

 

Zur Gliederung der Ausstellung.

 

Unter „seinen“, d.h. Ferdinands Büchern sind sowohl die Bücher zu verstehen, die er selbst geschrieben, die er veranlaßt oder an denen er mitgearbeitet hat, als auch die Bücher, die er bei seiner Arbeit um sich herum aufbewahrte, die Bücher seiner Bibliothek, die Bücher, die ihm gewidmet wurden oder die er schon zu Lebzeiten an die Paderborner Jesuiten verschenkte.

 

Nach einer kurzen atmosphärischen Einstimmung in die Arbeit eines Bischofs und Fürsten in der Barockzeit, besser gesagt dieses speziellen Bischofs und Für­sten, zeigen wir Ferdinand als Poet in seinen Gedichtbänden, daran schließt sich eine Auswahl der Schriften an, die Ferdinand als Historiker verfaßt oder veran­laßt hat, mit den vielen handschriftlichen Vorarbeiten. Schließlich kommen wir zu Ferdinands Bibliothek, von deren Reichhaltigkeit wir uns trotz der Dezimie­rung doch eine gute Vorstellung machen können.

 

Zu Ferdinand von Fürstenberg als Bischof und Fürst brauchen wir nur auf ihn hinzuweisen als vorbildlichen Bischof und Fürsten, der sich ebenso um Sakra­mentenspendung und Seelsorge persönlich kümmerte wie er es verstanden hat, in seiner Regierungszeit dem Fürstentum den Frieden zu erhalten. Der Friede war ihm, wie er selbst schreibt, wichtiger als eine Reihe von ruhmreichen Siegen.

So konnte das Fürstbistum Paderborn nicht nur in religiöser, sondern auch in politischer und wirtschaftlicher Hinsicht zu einer Blüte gelangen, die es vorher und nachher nur ganz selten erreichte.

 

Zum zweiten Themenbereich: Ferdinand von Fürstenberg, der Dichter und Poet Schon früh beschäftigte sich Ferdinand auch mit der Poesie. In der Schule war die Übung des lateinischen Versbaus ein Bestandteil des Unterrichts, und zu sei­ner Zeit war der Umgang mit der lateinischen Sprache durchaus selbstverständ­lich, gehörte also mit zu den normalen Lebensumständen der gelehrten Welt.

Fürsten, Gelehrte, bedeutende Heerführer oder sonstige große Persönlichkeiten wurden so entsprechend ihrer Stellung öffentlich gefeiert und in das von ihnen gewünschte positive Licht gerückt. Ferdinand war nicht nur eine Persönlichkeit, der solche Gedichte gewidmet wurden, er betätigte sich auch selbst als Poet. Drei Ausgaben seiner Gedichte erschienen zwischen 1659 und 1684 mit jeweils unterschiedlichen Beigaben. Die Ausgabe 1659 wurde noch als Teil eines größe­ren Gedichtwerkes gedruckt mit dem Titel ,,Septem illustrium virorum poemata" (Gedichte der sieben berühmten Männer, des römischen Freundeskreises um Papst Alexander VII., auch Plejas Alexandrina genannt). 1671 brachte Ferdi­nands Neffe Christian Theodor von Plettenberg dessen Gedichte in einem kleinen Bändchen heraus, das als Titelblatt ein Kupferstich von Johann Georg Rudolphi ziert. Die letzte Ausgabe erschien erst nach Ferdinands Tod. Dieser Prachtband stellt geradezu eine posthume Huldigung Ludwigs XIV., der den Druck in seiner königlichen Druckerei in Paris veranlaßt hatte, an den Paderborner Fürstbischof dar.

In der Tat beherrschte Ferdinand meisterhaft die formalen Mittel, und die Verse flossen ihm offensichtlich mühelos aus der Feder, wie etwa die Gedichte auf Ludwig XIV. oder den Minister Colbert, aber auch die dichterische Darstellung der eher belanglosen kleinen Tragödien des Alltags. So widmete er seinem toten Hündchen, einem Mops, eine eigene Totenklage. „Hier nun ruhe ich Mops, ein hübsches Hündchen, hübsch durch hängendes Ohr und breite Schnauze.“ usw. (Das Gedicht ist komplett unten bei den Exponatbeschreibungen enthalten. Die Übersetzung stammt von Herrn Hubert Surrey.)

 

Nun möchte ich Sie bitten, mir in das Gebiet der Historie zu folgen, auf dem sich Ferdinand wirklich bleibende Verdienste erworben hat. Das Interesse an der Geschichte war von Anfang an da. Entscheidend aber war die Bekanntschaft mit dem Päpstlichen Nuntius Fabio Chigi in Münster. Dieser rief ihn 1652 nach Rom, wo er bis zu seiner Wahl zum Fürstbischof von Paderborn blieb. Hier standen dem Gelehrten die Tore zur Geschichte weit offen. Er lernte vor allem Lukas Holste, einen Hamburger Konvertiten kennen, den Vorsteher der Vatika­nische Bibliothek, der ihm freien Zutritt zu Archiv und Bibliothek verschaffen konnte. Mit ihm suchte und fand er wichtige Geschichtsquellen aus der alten Sachsenzeit. Vor allem sammelte er auch Urkunden zur Paderborner Bistumsge­schichte und ließ sich weiteres Material nach Rom schicken, um eine Geschichte der Paderborner Bischöfe zu schreiben.

 

Die Wahl zum Paderborner Fürstbischof beendete seine römische Zeit, die für die Vertiefung seines historischen Wissens von großer Bedeutung gewesen war.

 

Trotz der vielfältigen Aufgaben als Bischof und Fürst unterließ Ferdinand auch nun die historischen Studien nicht. Im Gegenteil: Sogleich nahm er den römi­schen Plan einer Geschichte der Paderborner Bischöfe wieder auf und ließ in seinem neuen Wirkungsbereich nach Quellen und Unterlagen suchen, die diesem Ziel dienten. Dazu versammelte er gelehrte Jesuitenpatres um sich, von denen sich besonders Johannes Grothaus und Nikolaus Schaten hervorgetan haben. Noch heute zeigt eine Reihe von Manuskripten die unermüdliche Tätigkeit des Fürstbischofs auch auf diesem Gebiet. Nicht unterschätzt werden darf auch sein Anteil an den „Annales Paderbornenses“, die letztendlich Nikolaus Schaten zu­sammengestellt hat. Schaten war bereits Historiograph in Osnabrück und Mün­ster gewesen. In Münster sollte er über die Heldentaten des dortigen eher krie­gerischen Fürstbischofs Christoph Bernhard von Galen schreiben, wozu er je­doch wenig Neigung verspürte, und die Berufung nach Neuhaus durch Ferdinand von Fürstenberg 1668 mußte für ihn wie eine Befreiung gewirkt haben. Er starb bereits 1676 und erlebte den Druck seiner Werke nicht mehr. Anerkennung und Dankbarkeit des Fürstbischofs gegenüber seinem treuen Historiographen lassen die Verse erkennen, die Ferdinand selbst für Schatens Grabmal in der Pfarrkirche in Neuhaus dichtete:

,,Schaten, das Licht der Geschichte der Heimat ist uns erloschen, /

ganz hätt' vollendet er sie, raffte der Tod ihn nicht hin. /

Leben verlieh er den Taten, versunken in dunkle Nacht schon, /

Leben dem Autor verleiht wieder das rühmliche Werk."

(Übersetzung nach Micus)

Das rühmliche Werk erschien 1693/94 zuerst in Neuhaus, rund hundert Jahre später noch einmal in Müster.

Die Krönung der historischen Forschungen Ferdinands von Fürstenberg stellen die „Monumenta Paderbornensia“ dar, die in den Jahren 1669 bis 1714 in vier verschiedenen lateinischen und 1844 noch einmal in einer deutschen Ausgabe erschienen und in Kupferstichen und Versen, versehen auch mit wissenschaftlich­historischen Anmerkungen, die Vergangenheit der markanten Orte des Pa­derborner Fürstbistums verherrlichen. Sämtliche Ausgaben finden Sie hier aus­gestellt mit erklärenden Texten, so daß sich an dieser Stelle weitere Ausführun­gen erübrigen.

 

Nun zur Bibliothek Ferdinands von Fürstenberg

 

Eine besondere Bedeutung in dieser Bibliothek haben die Werke, die Ferdinand gewidmet wurden. Offenbar freute er sich über manche Widmung, denn in der Ausgabe seiner Gedichte aus dem Jahr 1671 sind etliche Widmungstexte abge­druckt. Als er Fürstbischof von Paderborn war, widmeten ihm viele Zeitgenos­sen, nicht nur aus seiner engeren Umgebung, sondern auch aus ganz Europa ihre eigenen Werke, was die Bedeutung Ferdinands in der damaligen gelehrten und literarischen Welt unterstreicht, zumal es sich nicht um die damals üblichen Widmungen von unbekannten Leuten handelte, die sich selbst damit ins rechte Licht setzen wollten - ganz im Gegenteil. Genannt seien hier nur einige markante Namen wie Etienne Baluze (Stephanus Baluzius, 1630-1718). Er war einer der bedeutendsten französischen Gelehrten seiner Zeit, Bibliothekar des berühmten Ministers Colbert. Bei dieser Tätigkeit bot sich ihm Gelegenheit, vor allem kirchengeschichtliche Quellen zu sammeln und kritisch herauszugeben, wie z.B. die Briefe von Papst Innozenz III. Für diese Edition benutzte er auch Vorarbeiten Ferdinands von Fürstenberg, die ihm dieser zur Verfügung gestellt hatte. Eine weitere herausragende Persönlichkeit in der damaligen Zeit sei hier noch genannt: Ezechiel Spanheim (1629-1710), reformierter Theologe, Professor der Beredsamkeit in Genf, Prinzenerzieher beim Kurfürsten Karl Ludwig von der Pfalz, hervorragender Diplomat. Beide, Spanheim und Ferdinand, waren einander ebenbürtige Gesprächspartner und schätzten sich trotz des unterschied­lichen Glaubensbekenntnisses gegenseitig.

Diese und noch viele andere Widmungsexemplare machen natürlich nur einen kleinen Teil der Bibliothek des Fürstbischofs aus. Der größere Teil ist von Fer­dinand wohl selbst angeschafft worden, eine Reihe von Erwerbungen läßt sich si­cher bereits in die römische Zeit datieren, die anderen kamen später hinzu. Die Literatur ist im großen und ganzen zeitgenössisch, nur wenige ältere Druckschriften lassen sich feststellen, darunter zwei Inkunabeln; die eine besteht aus vier Schriften über militärische Taktiken (für Ferdinand wohl eher untypische Literatur), bei der anderen handelt es sich um eine niederdeutsche Ausgabe der Kölner Chronik von 1499 (das war schon eher was für Ferdinand). Inhaltlich waren insbesondere historische, hagiographische (Heiligenleben) und juristische Werke vorhanden, aber auch für literarische und poetische Bücher interessierte sich der hochgebildete und weitgewandte Mann. Zum Schluß sei noch genannt die berühmte Schrift gegen die Hexenprozesse, die „Cautio criminalis“ des Je­suiten Friedrich von Spee. Ferdinand besaß dieses Werk in der zweiten Ausgabe, Frankfurt 1632, die noch anonym erschienen war. Auf dem Titelblatt ist Friedrich von Spee handschriftlich als Verfasser nachgetragen.

Soviel zur inhaltlichen Seite.

Zum äußeren Aussehen der Bücher und damit auch der Bibliothek wissen wir relativ wenig. Wahrscheinlich kam es Ferdinand nicht so sehr auf eine damals übliche barocke Repräsentationsbibliothek an - ein eigener Bibliotheksraum ist im Schloß Neuhaus zu Ferdinands Zeit nicht nachzuweisen - als vielmehr auf die inhaltliche Seite. Dennoch war sich Ferdinand als barocker Fürst natürlich auch der Verpflichtung gegenüber seinem Fürstentum bewußt, seinem Umfeld reprä­sentativen Charakter zu geben. So finden wir unter Ferdinands Büchern auch äußerlich sehr schön und wertvoll aussehende Exemplare. Da die Bücher in jener Zeit noch nicht mit Einbänden versehen geliefert wurden, war es Sache des späteren Besitzers, sie den eigenen Vorstellungen gemäß ausstatten zu lassen. Ferdinand bevorzugte - wie zu seiner Zeit üblich - Einbände aus weißem Per­gament und roten Maroquin-Leder, vielfach verziert mit Goldprägungen. Auf einige Bände ließ er sein fürstbischöfliches Wappen anbringen. Aber auch weniger aufwendig verzierte Bände waren in Ferdinands Bibliothek vertreten. Wir haben hier einen kleinen Querschnitt der noch vorhandenen Bücher in die Ausstellung gebracht, der sowohl der inhaltlichen wie auch der äußeren Seite der Bücher Ferdinands gerecht werden soll.

Damit ist der Gang durch die Ausstellung zunächst als Trockenübung beendet. Ich hoffe, Sie werden Gelegenheit haben, in lebendiger Anschauung sich jetzt auch noch ein eigenes Bild zu machen von Ferdinand von Fürstenberg und „seinen“ Büchern.

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Themenkreise der Ausstellung

 

 

 

1. Ferdinand von Fürstenberg - Bischof und Fürst

 

Nach seiner Wahl zum Paderborner Fürstbischof am 20. April 1661 begann Ferdinand umgehend mit der Visitation der Gemeinden und der Sakramentenspendung. Bei den geistlichen Funktionen unterstützte ihn in den letzten Lebens­jahren der berühmte Niels Stensen, der neben dem Fürstbischof selbst als Weihbischof in Münster und Paderborn Westfalen zu einem Anziehungspunkt barocker Gelehrsamkeit werden ließ. In Paderborn selbst und im Hochstift ent­standen mehr als zwanzig Kirchen neu oder wurden von Grund auf renoviert. In der von ihm gestifteten Franziskanerkirche fand Ferdinand seine letzte Ruhe­stätte.

Als Landesherr widmete sich der Fürstbischof dem Tagesgeschäft, erließ Lan­desverordnungen, unterschrieb Urkunden, kurz regierte selbst und residierte im Schloß Neuhaus, also immer vor Ort. Dabei ließ er sich von seinem Wahlspruch „Suaviter et Fortiter“ (sanft und durchgreifend) leiten. Mit Milde und Mut ver­band er ein ausgesprochenes Gerechtigkeitsbewußtsein, das selbst die eigene Verwandtschaft einbezog. Für die Armen sorgte er noch über den Tod hinaus, indem er für sie testamentarisch größere Geldsummen festlegte.

Ferdinand verstand es mit diplomatischem Geschick, während seiner Regierungs­zeit den Frieden im Hochstift zu bewahren, während seine Nachbarn, insbeson­dere der Fürstbischof von Münster, Christoph Bernhard von Galen, dessen Nach­folger Ferdinand schließlich wurde, sich immer wieder in kriegerische Ausein­andersetzungen verwickelten. So konnte das Fürstbistum Paderborn nicht nur in religiöser, sondern auch in politischer wirtschaftlicher und insbesondere kultu­reller Hinsicht zu einer Blüte gelangen, die es vorher und nachher nur ganz sel­ten erreichte. Durch seine Politik schuf sich Ferdinand die Atmosphäre, in der er seinen wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Ambitionen in Ruhe nachgehen und nicht zuletzt auch eine hervorragende Bibliothek aufbauen konnte.

 

 

 

Die Exponate zum Themenkreis 1:

 

1.1 Das Fürstbistum Paderborn zur Zeit Ferdinands von Fürstenberg. Kolorierte Kupferstichkarte von Matthäus Seutter mit Darstellung der Stadt Paderborn und Beschreibung des Fürstbistums. Augsburg 1669. (Signatur: K 334)

 

1.2 Wappen Ferdinands von Fürstenberg (nachgemalt von Paul Michels, Archiv Altertumsverein). (Signatur: Acta 809)

 

1.3 Das Schloß in Neuhaus (Kupferstich von Johann Georg Rudolphi aus den Monumenta Paderbornensia) zur Zeit Ferdinands von Fürstenberg. Hier lebte und residierte der Fürstbischof, immer vor Ort, immer präsent in sei­nem Bistum. Nur ganz selten und für kurze Zeit verließ er Westfalen. (Signatur: AV2691a)

 

1.4 Festschrift der Paderborner Jesuiten zum Amtsantritt Ferdinands von Für­stenberg als Fürstbischof von Paderborn. Bislang war kein Exemplar der Festschrift bekannt. Es gab lediglich eine Beschreibung durch den Kölner Kunsthistoriker Johann Jacob Merlo aus dem Jahr 1895, daneben waren einzelne Stiche und vier Kupferpiatten erhalten geblieben. Die insgesamt neun Stiche stammen alle von Johann Georg Rudolphi. Der Titel lautet Ca­tena aurea, also Goldene Kette, die sich aus Ringen zusammensetzt. Jeder Ring (annulus) beinhaltet eine Huldigung an Ferdinand etwa als ehemaligem päpstlichen Geheimkämmerer, als Mitglied einer bedeutenden Adelsfamilie, als Förderer des Glaubens und der Wissenschaften oder als Beschützer der Universität. Der achte Ring, der Ferdinand von Fürstenberg als Beschützer der Universität darstellt, wurde als Kopie gezeigt. Kupferstich und Text, Übersetzung von StD. i.R. Hubert Surrey. (Signatur: Dpositum Dombibl. Minden C 429)

 

1.5 Vier Originaldruckplatten nach Vorlagen von Johann Georg Rudolphi zur Herstellung von Kupferstichen. Die Platten wurden benutzt für die Illu­stration der Festschrift zum Amtsantritt Ferdinands von Fürstenberg 1661 (s. 1.4). (Signatur: AV o.S.)

 

1.6 Alltag eines Fürsten: Unterschriften, Unterschriften ... (Signatur: Acta 693)

 

1.7 Festschrift zur Eröffnung der Jesuitenkirche in Paderborn, zu der Ferdinand noch kurz vor seinem Tod den Grundstein gelegt hatte. Im ganzen Fürstbi­stum ließ der Fürstbischof zahlreiche Kirchen und Kapellen neu errichten oder renovieren. Die Seelsorge lag ihm ganz besonders am Herzen, zu Pfar­rern machte er fromme und gebildete Persönlichkeiten, die den Intentionen des Tridentinischen Konzils entsprechen sollten. (Signatur: Th 1603a)

 

1.8 Das Stifterbildnis für das Paderborner Franziskanerkloster malte Johann Georg Rudolphi 1672. Dieses Kloster war Ferdinands Lieblingsgründung, hier erhielt er auch seine letzte Ruhestätte. Sein Grabmal wurde 1945 zer­stört. (Kopie aus: Brandt/Hengst: Die Bischöfe und Erzbischöfe von Pader­born. Paderborn 1984, S. 241)

 

1.9 Landesverordnungen, Sammelband mit Übersicht. Originalplakatdrucke, die in den Codices 181 und 182 im Archiv des Vereins für Geschichte und Al­tertumskunde Westfalens, Abt. Paderborn e.V. gesammelt wurden. - Weitere Landesverordnungen Ferdinands befinden sich im Vereinsarchiv an anderen Stellen. Gezeigt wurde eine Verordnung, in der Ferdinand zum Schutz des im Hochstift gebrauten Bieres die Einfuhr von ausländischem Bier verbietet, weil dieses in so großem Maße eingeführt und verzapft werde, daß das ein­heimische liegen bleibe. (Signatur: Cod 181, Bl. 50/51)

 

1.10 Ferdinands Wirtschafts- und Geldpolitik führten das Fürstbistum, das im­mer noch unter den Schäden aus dem Dreißigjährigen Krieg litt, zu einer gewissen wirtschaftlichen Blüte: Dekret gegen die Falschmünzerei vom 24. Mai 1681. (Signatur: Cod 218, Bl. 325)

 

1.11 Münzen, die Ferdinand hat prägen lassen, aus der Münzsammlung der Volksbank Paderborn. Kunstvoll sind die im Auftrag Ferdinands geprägten barocken Dukaten, Doppeltaler und Taler gestaltet. Auch Goldabschläge von den Talern ließ Ferdinand von Fürstenberg schlagen. Diese Münzen galten als reine Prunk- bzw. Repräsentationsmünzen, die zu bestimmten Anlässen an herausragende Persönlichkeiten verschenkt wurden. Alle an­deren in seinem Auftrag geprägten Talerstucke, mit Ausnahme des 1/4 Ta­lers von 1663 waren für den Zahlungsverkehr geprägt worden. Außerge­wöhnlich selten kommen die 1/3 und 2/3 Taler mit der Jahreszahl 1675 und die Mariengroschen der Jahre 1666, 1672 und 1673 vor. Häufig dagegen sind die Kupfermünzen des Jahres 1676 zu III, IV und VI Pfennigen. Fer­dinands Wahlspruch „SUAVITER ET FORTITER“ (mit Milde und Kraft) ist auf einigen Münzen zu lesen. (Text zu den Münzen: Arnold Schwede, ausgestellte Münzen: Volksbank Paderborn)

 

1.12 Dekret über die fürstlichen Meyer- und Pachtgüter vom 1. August 1662 mit eigenhändiger Unterschrift und dem Siegelabdruck Ferdinands. (Signatur: Cod 218, Bl. 239)

 

 

Johann Georg Rudolphi (1.13 - 1.15)

 

1.13 Aus dem Leben der Jesuiten-Universität zur Zeit Ferdinands von Fürstenberg: Originalkupferstich mit einer Thesenveröffentlichung (Dissertation) der Promovenden an der Philosophischen Fakultät der Universität Pader­born, 1673. Die Bildkomponente dieses Kupferstiches wurde vermutlich für mehrere Dissertationen verwendet. Die Thesen links und rechts des Brun­nens und die sonstigen veränderlichen Texte wurden jeweils in einem zwei­ten Druckgang mit kleineren Kupfertafeln in den großen Stich eingedruckt. (Signatur: Theod. Bibl. o.S.)

 

1.14 Huldigungsstich des Ferdinand Benedikt von Galen an Fürstbischof Ferdi­nand von Fürstenberg. Nach 1680. Der Anlaß für die Huldigung geht aus dem Stich selbst nicht hervor. Von Galen erscheint rechts unten, selbst um­geben von den drei personifizierten Disziplinen der Philosophie, Logik, Physik, Metaphysik. (Signatur: Theod. Bibl. o.S.)

 

1.15 Leichenrede des Jesuiten Lucas Nagel auf Ferdinand von Fürstenberg, die am 3. August 1683 im Paderborner Dom gehalten wurde. (Signatur: AV 2314a)

 

 

 

 

2. Ferdinand von Fürstenberg, - Dichter und Poet

 

Schon früh beschäftigte sich Ferdinand von Fürstenberg auch mit der Poesie. In der Schule war die Übung des lateinischen Versbaus ein Bestandteil des Unter­richts, und zu seiner Zeit war der Umgang mit der lateinischen Sprache durchaus selbstverständlich, gehörte also mit zu den normalen Lebensumständen der gelehrten Welt. Insbesondere in Festreden, Inschriften, auf Bildern, an Gebäuden und Grabmälern finden sich die in der heutigen Zeit eher unverständlichen Verse mit dem ganzen zeitbedingten Hintergrund, für den man stark auf Motive aus der griechischen und römischen Mythologie zurückgriff.

Fürsten, Gelehrte, bedeutende Heerführer oder sonstige große Persönlichkeiten wurden so entsprechend ihrer Stellung öffentlich gefeiert und in das von ihnen gewünschte positive Licht gerückt. Ferdinand war nicht nur eine Persönlichkeit, der solche Gedichte gewidmet wurden, er betätigte sich auch selbst als Poet. Drei Ausgaben seiner Gedichte erschienen zwischen 1659 und 1684 mit jeweils unterschiedlichen Beigaben. Ferdinand beherrschte meisterhaft die formalen Mittel, und die Verse flossen ihm offensichtlich mühelos aus der Feder, wie etwa die dichterische Darstellung der eher belanglosen kleinen Tragödien des Alltags zeigt. So widmete er seinem toten Hündchen, einem Mops, eine eigene Toten-klage.

Ferdinand schrieb nicht nur solche Gelegenheitsgedichte, sondern in seinen „Monumenta Paderbornensia“ gab er den einzelnen historischen Beschreibungen auch jeweils einige Verse bei, die wie in ein Monument gemeißelt erscheinen, die von Franz Joseph Micus 1844 in seiner deutschen Ausgabe der „Monumenta“ in dem von Ferdinand vorgegebenen Versmaß übersetzt wurden.

 

 

Die Exponate zum Themenkreis 2:

 

2.1 In einem Sammelband des römischen Freundeskreises um Papst Alexander VII. (Plejas Alexandrina) waren bereits 1659 unter dem Titel Septem illu­strium virorum poemata (Gedichte der sieben berühmten Männer) auch die Verse Ferdinands von Fürstenberg - einer der berühmten Sieben - abge­druckt. (Signatur: AV 1617)

 

2.2 Im Jahr 1671 erschienen diese Gedichte in einer ersten selbständigen Aus­gabe mit einem Titelkupfer von Johann Georg Rudolphi in Amsterdam. (Signatur: AV 14)

 

2.3 Der Band mit den Poemata Ferdinandi, der 1684 (ein Jahr nach Ferdinands Tod) in der Königlichen Druckerei in Paris als Prachtausgabe erschien, war von dem französischen König Ludwig XIV. veranlaßt worden. (Signatur: 61 A 3la)

 

2.4 Totenklage Ferdinands über seinen Hund:

Vom verstorbenen Mops, dem treusten Hund

Hier nun ruhe ich Mops, ein hübsches Hündchen,

hübsch durch hängendes Ohr und breite Schnauze.

Wack’rer Wächter ich war daheim und draußen,

war ein treuer Gefährt unsres Fürsten,

wenn vergnüglich er ausritt oder ausfuhr,

wenn er ausging auf sehr belebter Straße.

Keiner lieber drum war als ich, kein andrer

künftig lieber wird sein als ich in spät’ren

Jahren, keiner geübter auch zu schmeicheln

meinem Herrn, oder schlauer, ihm die Vögel

dort zu jagen, wo tief im Teiche sie schwimmen,

sich zu tummeln im Kreis und hoch zu springen,

steif und stolz auf den Beinchen so zu traben,

wie's kein Rittmeister seinem Pferd je beibringt.

Jetzt entrückte die Zeit mich Altersschwachen.

Meines dankbaren Herren Lieb' mich Toten

barg im Grabe. Jedoch der schwarze Tod mich

Abgeschied’nen nicht so betrübt wie meinen

leidgeschüttelten Herrn die Sehnsucht, ach, nach

meinem Rest, was zum Schmerze mir gereichet.

(Übersetzung von Herrn Stud.-Dir. a.D. Hubert Surrey)

(Signatur: 61 A 31a)

 

2.5 Auch in seinem geschichtlichen Hauptwerk, den Monumenta Paderbornen­sia, finden sich Verse des Fürstbischofs, die auch im Druck so gestaltet sind, als ob sie Inschriften auf Denkmälern wären. Aufgeschlagen: Dersertum Sendae („Die Wüste Senne“ / Ubers. von F.J. Micus 1844). (Signatur: 48,370)

 

 

 

 

 

3. Ferdinand von Fürstenberg als Historiker

 

 

Seit seiner Studienzeit in Münster kam Ferdinand von Fürstenberg immer wieder mit Menschen zusammen, die sich für die Erforschung der Geschichte inter­essierten und schon früh auch Ferdinands Interesse für dieses Gebiet weckten, so der Münstersche Domdechant Bernhard von Mallinckrodt und der eifrige Handschriftensammler Rottendorf. Auch die Bekanntschaft mit dem Päpstlichen Nuntius Fabio Chigi fällt in diese Zeit. Dieser rief ihn 1652 nach Rom, wo er bis zu seiner Wahl zum Fürstbischof von Paderborn blieb. Hier standen dem Gelehr­ten die Tore zur Geschichte weit offen. Er lernte vor allem Lukas Holste kennen, den Vorsteher der Vatikanische Bibliothek. Mit ihm suchte und fand er wichtige Geschichtsquellen aus der alten Sachsenzeit,  die er später in seinen „Monumenta“ erstmals veröffentlichte. Vor allem sammelte er auch Urkunden zur Paderborner Bistumsgeschichte und ließ sich weiteres Material nach Rom schicken, um eine Geschichte der Paderborner Bischöfe zu schreiben. Die Wahl zum Paderborner Fürstbischof beendete seine römische Zeit, die für die Vertie­füng seines historischen Wissens von sehr großer Bedeutung war.

 

Trotz der vielfältigen Aufgaben als Bischof und Fürst unterließ Ferdinand auch nun die historischen Studien nicht. Im Gegenteil: Sogleich nahm er den römischen Plan einer Geschichte der Paderborner Bischöfe wieder auf und ließ in seinem neuen Wirkungsbereich nach Quellen und Unterlagen suchen, die diesem Ziel dienten. Dazu versammelte er gelehrte Jesuitenpatres um sich, von denen sich besonders Johannes Grothaus und Nikolaus Schaten hervorgetan haben. Noch heute zeigt eine Reihe von Manuskripten die unermüdliche Tätigkeit des Fürstbi­schofs auch auf diesem Gebiet. Die Krönung seiner historischen Forschungen stellen die „Monumenta Paderbornensia“ dar, die in den Jahren 1669 bis 1714 in verschiedenen Ausgaben erschienen und in Kupferstichen und Versen, versehen auch mit wissenschaftlich-historischen Anmerkungen, die Vergangenheit der markanten Orte des Paderborner Fürstbistums verherrlichen.

 

 

Die Exponate zum Themenkreis 3:

 

3.1 Grundlage für die historisch-wissenschaftliche Arbeit des Fürstbischofs waren auch die Auszüge, die seine Historiker aus alten Dokumenten und Urkundenbüchern für ihn machten. Hier die Auszüge, die der Jesuit Johan­nes Grothaus aus den Kopiaren A und B der Paderborner Kirche (Bistum) schon im Jahre 1660 für Ferdinand gemacht hatte, als dieser noch in Rom weilte. (Signatur: Pa 130,3)

 

3.2 Der Katalog der Paderborner Bischöfe von Hermann von Kerssenbrock, der 1578 in Lemgo gedruckt wurde, diente Ferdinand von Fürstenberg als Grundlage für eine Neubearbeitung der Paderborner Bistumsgeschichte. Die teilweise seitenlangen Ergänzungen, immer mit den entsprechenden Litera­turangaben, stammen von Ferdinands eigener Hand. Die Fortführung des ,,Catalogus" geht bis zu seinem eigenen Pontifikat, und zwar bis zum 6. Mai 1664, als er aus Regensburg zurückkehrte, wo er mit großem Gefolge am Reichstag teilgenommen hatte. Danach unternahm er keine Reisen außerhalb Westfalens mehr. (Signatur: Pa 68)

 

3.3 Abschriften von Kaiser- und Königsurkunden zur Paderborner Bistumsge­schichte, z.T. mit exakten Siegelzeichnungen. Bei rund 25 dieser Urkundenabschriften bestätigte Ferdinand von Fürstenberg in der Woche vom 23. Fe­bruar bis zum 2. März 1666 eigenhändig die Richtigkeit der Texte und trug an verschiedenen Stellen auch Korrekturen ein. (Signatur: Pa 77)

 

3.4 Manuskript der Collectanea ad historiam episcoporum Paderbornensium (Sammlung zur Geschichte der Paderborner Bischöfe) von Ferdinand von Fürstenberg; Autograph des Verfassers. - Aufgeschlagen: die Eintragung des großen Paderborner Stadtbrandes im Jahr 1000 mit Angabe der Literatur, wo dieser Brand erwähnt wird, u.a. in einem Manuskript der Bibliotheca Palatina im Vatikan. Rechte Seite: der Beginn der Geschichte des Bischofs Meinwerk. (Signatur: Pa 106)

 

Nikolaus Schaten (1608-1676) (3.5 - 3.9)

 

3.5 Porträt Nikolaus Schatens um 1676. Tuschezeichnung, die sich in einem Band seiner Paderborner Geschichte befand. Er ist einer der bedeutendsten Hi­stortiker im Kreise der Gelehrten um Ferdinand von Fürstenberg, der ihn nach Neuhaus rief, damit er an seiner Seite und in enger Zusammenarbeit mit ihm die teilweise schon vorhandenen Quellen und Forschungen zur Pa­derborner und westfälischen Geschichte weiter bearbeitete. Vorher hatte er bereits unter Franz Wilhelm von Wartenberg die Osnabrücker Kirchenge schichte bearbeitet, war dann in die Dienste des Fürstbischofs von Münster, Christoph Bernhard von Galen getreten, wo er sich aber wegen dessen meist kriegerischer Aktivitäten nie wohl fühlte. Die Berufung nach Neuhaus mußte für ihn wie eine Befreiung gewirkt haben. Er starb bereits 1676 und erlebte den Druck seiner Werke nicht mehr. (Signatur: Acta 903)

 

3.6 Die gedruckte Ausgabe der beiden Bände von Nikolaus Schatens Annales Paderbornenses, deren erste Ausgabe in den Jahren 1693/94 erschien. Ein dritter Band, der von dem Jesuiten Michael Strunck geschrieben wurde, er­schien 1741. (Signatur: AV 254 a)

 

3.7 Schatens Annalen erschienen in einer zweiten Ausgabe noch einmal in den Jahren 1774/75 in Münster bei Aschendorff. (Signatur: Th 1 149a)

 

3.8 Ein Brief von Nikolaus Schaten an Hermann Crombach mit ausführlichen Anmerkungen des Empfängers - ein Beispiel dafür, wie die Historiker da­mals arbeiteten. Die wissenschaftliche Korrespondenz war eine der wichtig­sten Kommunikations- und Informationsmittel der Forschung. (Signatur: Pa 130,11)

 

3.9 Historische Notizen von Nikolaus Schatens Hand über die Wahl Ferdinands von Fürstenberg zum Fürstbischof von Paderborn. (Signatur: Pa 105)

 

 

Monumenta Paderbornensia.

 

Das historische Hauptwerk Ferdinands von Für­stenberg sind die Monumenta Paderbornensia. Neben den historischen Be­schreibungen des Fürstbischofs machen die Radierungen und Kupferstiche des Johann Georg Rudolphi den Reiz der Monumenta aus. (3.10 - 3.14)

 

3.10 Die erste Ausgabe Paderborn 1669 erschien bei dem Verleger Johannes Hesse noch ohne die Kupferstiche und ohne die Texte der karolingischen Kapitularien, die Ferdinand in der Bibliotheca Palatina in Rom entdeckt hatte. Dafür sind noch einige Urkunden Karls des Großen und seines Nach­folgers Ludwigs des Frommen sowie Karls des Dicken zur Paderborner Geschichte abgedruckt, die in den späteren Ausgaben fehlen. (Signatur: Th 5031)

 

3.11 Die Ausgabe Amsterdam 1672 der Monumenta Paderbornensia ist die schönste und bedeutendste. Sie erschien bei dem bekannten und für seine Druckqualität berühmten Verleger und Drucker Elzevir in Amsterdam. Enthalten sind neben dem Titelkupfer und dem Porträt des Autors noch 24 Kupferstiche und Radierungen, die zum Teil von Johann Georg Rudolphi gezeichnet wurden. Im Anhang wurde der Panegyricus (Festschrift) des Je­suiten Horrion zur Gründung der Paderborner Universität von 1616 noch einmal neu aufgelegt, der dem Onkel Ferdinands und Gründer der Univer­sität, Dietrich von Fürstenberg, zur Ehre gereichen sollte. Ferdinand von Fürstenberg hatte mit dieser Ausgabe seiner Monumenta auch ein repräsen­tatives Werk, das er an prominente Zeitgenossen vergeben konnte wie das vorliegende Exemplar: Er schenkte es an Ferdinand Albrecht, Herzog von Braunschweig-Lüneburg. Später wurde es vom Verein für Geschichte und Altertumskunde Westfalens, Abteilung Paderborn, zurückerworben und befindet sich heute im Vereinsarchiv. (Signatur: Cod 380)

 

3.12 Die Ausgabe Nürnberg/Frankfurt/Leipzig 1713: Hier wurden die Stiche alle zusammen ans Ende des Buches gebunden. Aufgeschlagen waren die Bilder von Lippspringe und von Elsen. (Signatur: 52 A 43)

 

3.13 Die Ausgabe Lemgo 1714: In Lemgo wurden 1714 die Monumenta noch einmal nachgedruckt, allerdings auf deutlich schlechterem Papier, und auch die Stiche verlieren an Klarheit und Glanz. Aufgeschlagen: der doppel­blattgroße Kupferstich der Stadt Paderborn von Johann Georg Rudolphi. (Signatur: EAB o.S.)

 

3.14 Die deutsche Ausgabe von 1844, übersetzt von Franz Joseph Micus: Er übersetzte nicht nur den Text, sondern fügte noch eine ausführliche Biogra­phie Ferdinands von Fürstenberg hinzu, außerdem ergänzte und korrigierte er an zahlreichen Stellen die Ausführungen des Fürstbischofs. Die Kupferstiche wurden nicht wieder aufgenommen, sondern Stahlstiche mit anderen Motiven beigefügt, z.B. die Externsteine oder Corvey/Höxter. (Signatur: AV219)

 

 

 

 

 

4. Die Bibliothek Ferdinands von Fürstenberg

 

 

Ferdinand von Fürstenberg hatte Zeit seines Lebens Bücher gekauft, die seinen umfassenden Interessen entsprachen. Insbesondere waren historische, hagiogra­phische (Heiligenleben) und juristische Werke vorhanden, aber auch für literari­sche und poetische Bücher interessierte sich der hochgebildete und weltgewandte Mann. Als er Fürstbischof von Paderborn war, widmeten ihm viele Zeitgenos­sen, nicht nur aus seiner engeren Umgebung, sondern auch aus ganz Europa ihre eigenen Werke, was die Bedeutung Ferdinands in der damaligen gelehrten und literarischen Welt stark unterstreicht.

Da die Bücher in jener Zeit noch nicht mit Einbänden versehen geliefert wurden, war es Sache des späteren Besitzers, sie den eigenen Vorstellungen gemäß aus­statten zu lassen. Ferdinand bevorzugte - wie zu seiner Zeit üblich - Einbände aus weißem Pergament und roten Maroquin-Leder, vielfach verziert mit Gold­prägungen, auf einige Bände ließ er sein fürstbischöfliches Wappen anbringen.

In seinem Testament, das Ferdinand wohl in Vorahnung seines baldigen Todes am 29. April 1683 aufstellte, legte er fest, daß die Handschriften zum Teil an seine Familie und die das Hochstift Paderborn betreffenden Manuskripte an seinen Nachfolger gehen sollten. Die gedruckten Bücher vermachte er dem „Collegio Societatis Jesu in unßer stadt Paderborn, selbige zu dasiger Bibliothec zu fügen, und dabey zu verwahren“. Einige der Handschriften sind später an die Universitätsbibliothek Leipzig gelangt, von den gedruckten Büchern wurden zahlreiche im Zweiten Weltkrieg zerstört, andere sind sehr restaurierungsbe­dürftig, manche sind jedoch auch im gutem Zustand erhalten geblieben. Aus die­sem späteren Schicksal der Bibliothek ergibt sich, daß Umfang und Inhalt der gesamten Büchersammlung sich heute nicht mehr feststellen lassen.

 

 

Die Exponate zum Themenkreis 4:

 

4.1 Schon zu seinen Lebzeiten schenkte Ferdinand von Fürstenberg den Pader­borner Jesuiten eine 37-bändige Ausgabe der Konzilientexte, die 1644 in der Königlichen Druckerei in Paris erschienen waren. Dem ersten Bande legte er eine Schenkungsurkunde bei, die er mit eigener Hand schrieb. Diese Bände sollten, wie er die neuen Besitzer mahnte, nicht nur Zierde des Musentempels sein, sondern für die theologische Forschung zum Heil der Seelen nutzbringend verwendet werden. (Signatur: Th 1001a)

 

4.2 Eine weitere Schenkung an die Paderborner Jesuiten waren im Jahr 1680 die bis dahin erschienenen Acta Sanctorum der Brüsseler Jesuiten, die den zwei­ten Band für den Monat Mai Ferdinand gewidmet hatten. (Signatur: Th 924a 1 LS V 875)

 

Viele Gelehrte widmeten Ferdinand von Fürstenberg ihre Bücher (4.3 - 4.8)

 

4.3 Portrait-Kupferstich Ferdinands von Fürstenberg von 1678. Rechts ein Wid­mungsgedicht des Jesuiten Jean Commire (1625-1702), ein zu seiner Zeit berühmter Theologe und Dichter, von dem u.a. drei Bände lateinischer Ge­dichte stammen, die auch nach seinem Tod immer wieder aufgelegt wurden. Der vorliegende Band, der außen auf rotem Maroquin-Leder in Goldprägung Wappen und Insignien Ferdinands von Fürstenberg trägt, war speziell für diesen geschrieben worden. (Signatur: Th 1610a)

 

4.4 Sehr schönes Exemplar des „Antidecalogus“ von Laurentius van Dript, einer Schrift gegen Macchiavellis Staatstheorie. Van Dript (1633-1686) war Be­nediktiner in Mönchengladbach und Lehrer in Corvey. Von hier berief ihn Ferdinand an seinen Hof als Hofprediger und Theologe. Schließlich wurde er 1674 Ferdinands Generalvikar. Der Band ist sehr repräsentativ mit Gold­schnitt und Goldprägung (Wappen und fürstbischöfliche Insignien Ferdi­nands) ausgestattet, er wurde auf Kosten des Paderborner Buchhändlers Jo­hannes Hesse in Köln gedruckt, der Titelkupfer stammt von Johann Georg Rudolphi. (Signatur: Th 2380)

 

4.5 Joachim Johannes Mader (1626-1680), Rektor der Hohen Schule zu Schönin­gen, gab viele historische Texte heraus, deren Drucke er Ferdinand wid­mete. (Signatur: Th 4889)

 

4.6 Etienne Baluze (Stephanus Baluzins, 1630-1718) war einer der bedeutendsten französischen Gelehrten seiner Zeit. Er war Bibliothekar des Ministers Col­bert. Dabei bot sich ihm Gelegenheit, vor allem kirchengeschichtliche Quel­len zu sammeln und kritisch herauszugeben wie z. B. die Briefe des Papstes Innozenz III. Für diese Edition benutzte er auch Vorarbeiten Ferdinands von Fürstenberg, die ihm dieser zur Verfügung gestellt hatte. (Signatur: Th 4831)

 

4.7 Ezechiel Spanheim (1629-1710), reformierter Theologe, Professor der Be­redsamkeit in Genf, Prinzenerzieher beim Kurfürsten Karl Ludwig von der Pfalz, hervorragender Diplomat, der in der Zeit Ludwigs XIV. Schlüsselstel­lungen innehatte und mit den führenden Gelehrten in regem Briefwechsel stand. Er weilte längere Zeit in Rom im Kreis um Königin Christine von Schweden, unter anderem sicher auch, um die Bibliotheca Palatina für Hei­delberg zurückzugewinnen. Hier lernte er vermutlich auch Ferdinand von Fürstenberg kennen, dem er ein Exemplar seines berühmtesten Buches, eine klassische Münzgeschichte, widmete. (Signatur: Th 5934)

 

4.8 Johannes Garmers, ein Staatsrechtler aus Hamburg, über den biographisch nicht viel bekannt ist, schenkte Ferdinand von Fürstenberg sein 1679 er­schienenes und dem Herzog von Mecklenburg gewidmetes Buch über den Staat. Ferdinand war 1680 zum Apostolischen Vikar für Halberstadt, Bre­men, Magdeburg, Schwerin und Mecklenburg ernannt worden. (Signatur: Th 4313)

 

 

Einzelne Bände aus dem Besitz Ferdinands von Fürstenberg. Insbesondere reich illustrierte Literatur über Heilige und historische Werke machen einen erhebli­chen Anteil aus (4.9 - 4.17)

 

4.9 Zwei kleine Bändchen in grüner Seide gebunden mit dem Titel „Gemeinschaft der Heiligen“, gedruckt in Köln 1654, mit zahlreichen klei­nen Kupferstichen. Unter dem 23. Juli findet sich ein Bildchen des Heiligen Liborius. (Signatur: Th 2537)

 

4.10 Ein sehr seltenes mit zahlreichen Kupferstichen ausgestattetes Werk, die die Hinrichtungsarten von Martyrern zeigen: Gallonius, Antonius: De ss. mar­tyrum cruciatibus. Rom 1594. (Signatur: Th 4863)

 

4.11 Ein Werk des bekannten Aegidius Gelenius über den heiligen Erzbischof Engelbert von Köln aus dem Jahr 1633 mit zahlreichen Wappenbildern und sonstigen Illustrationen. (Signatur: Th 2320)

 

4.12 Auch heute sehr seltene Werke aus der Profangeschichte, etwa über die Republik Genua, und Bücher über die Antike, wie das Werk „Italia antiqua“ mit zahlreichen großen Kupferstichen waren bei Ferdinand von Fürstenberg vertreten. (Signatur: Th 6082 und Th 1196a)

 

4.13 Selbstverständlich sammelte Ferdinand auch Bücher, die mit seinem Freund und Gönner Papst Alexander VII. zu tun hatten, insbesondere in der Zeit, als er sich noch in Rom aufhielt. Dazu gehörte auch das Werk des Francisco de la Carrera (Dia y Noche. Discursos morales, sobre el Conta­gio de la Peste de Roma) von 1657, das Alexander VII. gewidmet war. Der Papst wird hier kniend und im Gebet verweilend auf dem Titelkupfer dar­gestellt. Das Buch wurde mit großer Wahrscheinlichkeit von Ferdinand noch während seines Romaufenthaltes erworben. (Signatur: Th 4521)

 

4.14 Auch die Papstgeschichte des Baptista Platina, die bis zu Alexander VII. fortgeführt worden war und dessen Porträt enthält, war in Ferdinands Be­sitz. (Signatur: Th 4907)

 

4.15 Ein Werk über die Kathedralkirche, verfaßt von einem Jesuiten des Pader­borner Konvents, gedruckt in Rom 1656. Das Lamm-Gottes-Motiv auf dem Titelblatt wird für die Goldprägung auf dem Pergamenteinband aufge­nommen. (Signatur: Th 4776)

 

4.16 Vermutlich auch eine Erwerbung aus der römischen Zeit Ferdinands, der seine Bücher damals schon mit Goldschnitt und Wappen verzieren ließ, ist der Band, der sein Wappen lediglich mit den beiden Querbalken der Familie von Fürstenberg zeigt. (Signatur: Th 4902)

 

4.17 Eine Lebensbeschreibung des Kölner Pfarrers Jakob Merlo-Horstius (1597-1644), dessen vorbildliches Leben als Priester und Seelsorger, aber auch als Verfasser zahlreicher aszetischer Schriften Ferdinand beeindruckt haben mag. (Signatur: Th 2509)

 

4.18 Auch die berühmte Schrift gegen die Hexenprozesse, die „Cautio criminalis“ des Jesuiten Friedrich von Spee besaß Ferdinand von Fürstenberg, und zwar in der zweiten Ausgabe, Frankfurt 1632, die noch anonym erschienen war. Auf dem Titelblatt ist Friedrich von Spee handschriftlich als Verfasser nachgetragen. (Signatur: Th 4819)

 

 

Repräsentative Einbände

 

Reich mit Goldschmuck verzierte Bände der Privatbi­bliothek Ferdinands von Fürsten berg in rotem Maroquin-Leder. Einige davon tragen das fürstbischöfliche Wappen auf dem Vorder- und dem Rückendeckel (4.19 – 4.31)

 

4.19 Huetius, Petrus Daniel: Demonstratio evangelica ad serenissimum Del­phinum. Paris: Michallet 1679. Einband in rotem Maroquin-Leder mit Goldprägung und Goldschnitt. Auf den Buchdeckeln das Wappen mit den fürstlichen und bischöflichen Insignien Ferdinands. Großfolio. (Signatur: Th 480a)

 

4.20 Origenes: In sacras scripturas Commentaria, quaecunque graece reperiri potuerunt. Hrsg. von Petrus Daniel Huetius. Rouen: Berthelini 1668. Großfolio. - Der Text ist in Griechisch und Lateinisch nebeneinander gedruckt. (Signatur: Th 1442a)

 

4.21 Epistolarium Innocentii III. Hrsg. von Stephanus Baluzius. Bd. 1.2. Paris: Muguet 1682. Großfolio. - An dieser wichtigen Ausgabe der Briefe des be­deutenden Papstes aus dem Hochmittelalter war Ferdinand insofern beteiligt gewesen, als er einiges Material, das er in Rom gesammelt hatte, dem Her­ausgeber zur Verfügung stellte. Einen entsprechenden Brief Ferdinands von 1672 druckte Baluzius im Vorwort zu diesem Werk ab. (Signatur: Th 13a)

 

4.22 Capitularia regum Francorum. Hrsg. von Stephanus Baluzius. Bd. 1.2. Paris: Muguet 1677. Großfolio. - Dieses Werk war dem französischen Mi­nister Colbert gewidmet. (Signatur: Th 479a)

 

4.23 De Marca, Petrus: Dissertationum de concordia sacerdotii et imperii, seu de libertatibus ecclesiae Gallicanae, libri octo. Paris: Muguet 1669. Großfolio. (Signatur: Th 18a)

 

4.24 Ein mit reicher Goldprägung versehener Band in rotem Leder enthält Lobreden von Johannes Verjusius, der 1663 im Alter von 33 Jahren starb und den Ferdinand gut kannte. Gewidmet ist der Band dem Kardinal Retz. Pa­ris: Muguet 1664. (Signatur: Th 1583a)

 

4.25 Ein kleines Gedichtbändchen in sehr opulenter Aufmachung mit Goldprä­gung und auf dem Vorder- und Rückendeckel das Wappen Ferdinands von Fürstenberg ebenfalls in Gold. Verfasser ist der „Poeta laureatus caesa­reus“ Jacobus Albanus Ghibbesius. Rom: de Falco 1668. - Auf den Seiten 4/5 findet sich ein Gedicht an Ferdinand von Fürstenberg. (Signatur: Th 7001)

 

4.26 Drei Bändchen in repräsentativem roten Leder, reicher Rückenvergoldung und Goldschnitt: Baluzius, Stephanus: Miscelleanorum liber 1.2.3. Col­lectio veterum munumentorum quae hactenus latuerant in variis codicibus ac bibliothecis. Paris: Muguet 1678.1679.1680. - Wie der Untertitel dieser Quellensammlung zeigt, passen diese Bände genau in das Interessenspek­trum des Fürstbischofs. (Signatur: Th 292)

 

4.27 Regino von Prüm: De ecclesiasticis disciplinis et religione christiana libri duo. Hrsg. von Stephanus Baluzius. Paris: Muguet 1571. (Signatur: Th 291)

 

4.28 Agobardus Lugdunensis: Opera. Bd. 1.2. Hrsg. von Stephanus Baluzius. Paris: Muguet 1666. (Signatur: Th 294)

 

4.29 Petrus de Marca: Opuscula. Hrsg. von Stephanus Baluzius. Paris Muguet 1681. (Vgl. zu diesem Verfasser auch Nr.4.23) (Signatur: Th 4827)

 

4.30 Baluzius, Stephanus: Concilia Galliae Narbonensis. Paris: Muguet 1668. (Signatur Th 293)

 

4.31 Gallandius, Petrus: Petri Castellani magni Franciae eleemosynarii vita. Paris: Muguet 1674. (Signatur: Th 2292)

 

 

Auch weniger aufwendig verzierte Bände waren in Ferdinands Bibliothek vertre­ten. Als Beispiele mögen die aufgeführten dienen. (4.32 - 4.34)

 

4.32 Beringucci, Carlo: L'assistente christiano. Rom: Corbelletti 1655. (Signatur: Th 4495)

 

4.33 Tomasini, Jacobus Philippus: De donariis ac tabellis votivis liber singularis. Utini: Schiratti 1639. (Signatur: Th 6098)

 

4.34 Ein Sammelband mit 6 verschiedenen Werken von ganz unterschiedlicher Thematik, etwa über das alte Mönchtum, gegen die Calvinisten, über eine kürzlich entdeckt römische Inschrift, Martyrerviten usw. (Signatur: Th 4901)

 

 

Verschiedene Bände aus der Bibliothek Ferdinands von Fürstenberg mit zum Teil erheblichen Schäden. Für diese Bände übernahm die Volksbank Paderborn die Patenschaft. Wie die Titel zeigen, handelt es sich bei diesen Bänden vor allem um historische Quellen und Sammlungen, mit denen Ferdinand selbst gearbeitet hat Sein Namenszug erscheint in allen sechs Werken. (4.35 - 4.40)

 

4.35 Marculfus Monachus: Formularum libri duo. Ed. Hieronymus Bignonius. Paris: Drouart 1685. (Signatur: Th 4846)

 

4.36 Mennenius, Franciscus: Militarium ordinum origines, statuta, symbola et insigna, iconibus, additis genuinis. Macerata: Petrus Salvionus 1623. (Signatur: Th 4867)

 

4.37 Quaranta, Stephanus: Summa bullarii earumque summorum Ponitficum constitutionum. Venedig: Giunta 1619. (Signatur: Th 4787)

 

4.38 Cutsemius, Petrus: Saxonia catholica, hoc est christianae fidei, quam ad salutem animarum aviti augustae domus Saxonicae principes, reges et impe­ratores coluerunt, gloriosa confessio. Köln: Bernardus Gualterus 1621. (Signatur: Th 5214)

 

4.39 Bargaeus, Petrus Angelius: Commentarius de obelisco ad sanctiss. et bea­tiss. D.N.D. Xystum V. Pont. Max. Rom: Grassius 1586. (Signatur: Th 6089)

 

4.40 Horrion, Johannes: Panegyricus, die natali Academiae Theodorianae Pader­bornensis ... Theodoro episcopo ... fündatori eius munificentissimo a Collegio Academico Societatis Iesu oblatus et in tres libros divisus, in quo de Westphaliae, ac Paderbornae rebus non pauca, e veteri, recentique memoria, ad eruditionem iuventutis, in loco differuntur. Paderborn: Matthäus Pontanus 1616. - Originalausgabe der Festschrift zur Eröffnung der Pader­borner Universität durch Ferdinands Großonkel, den Fürstbischof Dietrich von Fürstenberg aus dem Jahr 1616 mit Kupferstichen von Schloß Neuhaus und der Wewelsburg, gedruckt vom Paderborner Erstdrucker Matthäus Pontanus. (Signatur: Th 5105)

 

 

 

 

 

 

Nachworte

 

1 Ferdinand von Fürstenberg, der seit 1661 als Fürstbischof des Bistums Pa­derborn in Schloß Neuhaus residierte und 1678 auch Bischof von Münster wurde, ist unbestritten der herausragende Mäzen Westfalens für das 17. Jahrhun­dert. Unter ihm erblühte das Bistum Paderborn in wirtschaftlicher und religiöser Hinsicht, da er seinem Land eine lange Friedenszeit brachte. Mehr als 20 Kirchen ließ er von zum Teil berühmten ausländischen Baumeistern errichten. Doch auch die Malerei und Literatur förderte er nachhaltig. Als Historiker des Bistums verfaßte er eigenhändig die Monumenta Paderbornensia und war auch an den Annales Paderbornenses beteiligt, die erst nach seinem Tod erschienen.

Nachdem er sich von einer Nierenoperation nicht erholte, starb Ferdinand von Fürstenberg und wurde in einem prächtigen, heute allerdings zerstörten Grabmal, das er selbst in Auftrag gegeben hatte, in der Franziskanerkirche beigesetzt.

Ferdinand von Fürstenberg hatte ein besonderes Verhältnis zu „seinen“ Büchern. Bei ihm waren es nicht so sehr in erster Linie bibliophile oder repräsentative Interessen - wie bei manchen seiner fürstlichen Kollegen in der Barockzeit, son­dern für ihn waren Bücher dann interessant, wenn sie ihn in seinen vielfältigen Tätigkeitsbereichen bei der konkreten Arbeit weiterbrachten.

 

2. Für die Ausstellung „Ferdinand von Fürstenberg und seine Bücher“ hat die Volksbank für einige wichtige Werke aus der Bibliothek des Paderborner Fürstbischofs die Patenschaft übernommen und wird damit diese vor weiterer Beschä­digung bewahren. Diese sechs Bände sind in den Jahren 1586 bis 1635 gedruckt worden und haben Ferdinand von Fürstenberg bei seinen historischen Studien gedient.

 

3. In dieser Ausstellung konnten zwei Exponate gezeigt werden, die bislang als verschollen galten, bzw. noch gar nicht bekannt waren:

a) Zum erstenmal wird die Festschrift der Paderborner Jesuiten zur Amtseinführung Ferdinands von Fürstenberg als Fürstbischof von Paderborn aus dem Jahre 1661 gezeigt. Diese Festschrift galt zumindest seit Beginn unseres Jahrhunderts als verschollen und wurde kürzlich, versteckt in einem Sammelband, neu entdeckt. Sie enthält Kupferstiche von Johann Georg Rudolphi, von denen teilweise nur noch Einzelabzuge, teilweise sogar nur noch die Kupferplatten vorhanden waren, mit denen sie gedruckt wurden. Von diesen Platten wurden einige in der Ausstellung gezeigt..

b) Ebenfalls zum erstenmal wurde eine Tuschezeichnung des Jesuiten Nikolaus Schaten gezeigt, einem der engsten Mitarbeiter Ferdinands von Fürstenberg bei der Erarbeitung der Paderborner Geschichte.