V. Agenden, die im Bereich des
heutigen Erzbistums Paderborn in Gebrauch waren
Das Bistum Minden war in der Zeit
vor der Reformation mit eigenen gedruckten liturgischen Büchern gut
ausgestattet. Das Brevier erschien in zwei Ausgaben 1491 und 1516, im Jahre
1513 erschien das Mindener Missale und schließlich 1522 die Mindener Agende.
Von ihr sind noch zahlreiche Exemplare in den Bibliotheken vorhanden, so daß
wohl geschlossen werden darf, daß sie nie recht zum Einsatz und zur Wirkung
kam, da sich bald die Reformation durchsetzte und das Buch für den eigentlichen
Zweck unbrauchbar machte.
Für das Fürstbistum Osnabrück gab
Fürstbischof Franz Wilhelm Kardinal von Wartenberg 1653 eine neue Agende
heraus, nachdem bereits im Jahre 1629 ein „Pastorale Romanum pro usu Diocesis Osnabrugensis“
herausgekommen war, das jedoch nun nach dem Dreißigjährigen Krieg nicht mehr
greifbar war. Auch diese Agende war dem Römischen Gebrauch angepaßt (ad usum
Romanum accomodatum). Das 1614 erstmals erschienene Römische Rituale wirkte
auf fast alle neubearbeiteten Ritualien der einzelnen Diözesen normsetzend.
Die Tradition der Kölner Agenden
ist lang. Bereits am Ende des 15. Jahrhunderts (um 1485) erschien der erste
Agendendruck. Ferdinand von Bayern veranlaßte 1614 eine grundlegende
Neubearbeitung, die neben dem Haupttitel auch die Bezeichnung Liber
pastoralis trägt. So ist nicht nur der kleine Katechismus des Petrus
Canisius beigedruckt, wie in zahlreichen anderen Agenden auch, sondern auch
noch ein „Unterricht für den Pfarrherrn, wie man den Catechismum der Jugendt
soll fürhalten“.
Benutzt wurde die Kölner Agende vor
allem im Herzogtum Westfalen (kurkölnisches Sauerland), wie die beiden
vorliegenden Exemplare aus Arnsberg und Bredelar, letzteres mit
handgeschriebenen Zusätzen, verdeutlichen.
Auf dem Gebiet der Fürstabtei
Corvey wurden offensichtlich mindestens drei verschiedne Agenden eingesetzt:
Die Paderborner Agende von 1602 findet sich mit Corveyer Besitzvermerk von 1660
und in einem sehr „verbrauchten“ Zustand, wobei einige Teile handschriftlich
nachgeschrieben werden mußten. Die Kölner Agende von 1637 war in den Pfarreien
Bosseborn (1671) und Jakobsberg (1715) in Gebrauch, schließlich wurde unter
Fürstabt Kaspar von Böselager im Jahre 1756 die Trierer Agende von 1688
eingeführt, der ein kurzer Vorspann mit einigen Corveyer Eigenriten vorgebunden
wurde. Der Druck dieser Trierer Agende ist nicht nur hervorzuheben wegen der
ansprechenden Gestaltung der Texte, sondern auch wegen der eingefügten
hervorragenden Kupferstiche.